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Ein Tag in der Villa des Grauens: Das erlebte EZ-Mitarbeiter Raffael Scherer als Erschrecker

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Von: Raffael Scherer

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Ein Zombie-Darsteller greift durch Gitterstäbe
Einen ganzen Abend lang hinter Gittern arbeitete der Erschrecker als Untoter. © Dziemballa

Kurz vor Halloween hat die „Shockers - Villa des Grauens“ ihre Pforten wieder geöffnet. EZ-Mitarbeiter Raffael Scherer durfte einen Abend lang spuken - Und schildert seine Erlebnisse.

Landsham – „Es geht los, die Ersten sind unterwegs“, ertönt die Durchsage. Ich gehe neben der Leiche in die Knie und mache mich bereit. Der Adrenalinpegel steigt, mein Herz rast. Ich bin nicht sicher, ob die nächsten Gäste mehr Angst vor mir haben oder ich vor ihnen. Tief durchatmen. Mir steigt der Dampf der Nebelmaschine in die Nase, meine Hände zittern.

Endlich geht die Tür auf. Mit aller Kraft springe ich an das Gitter meines Käfigs, fletsche die Zähne, grunze und greife durch die Gitterstäbe. Die drei Mädchen vor mir schreien auf, weichen zurück und rennen weiter in das nächste Zimmer. Erster Auftritt erfolgreich.

Darsteller im Gruselkabinett begeistert: „Erschrecken ist wie eine Sucht“

Ez-Mitarbeiter Raffael Scherer wird die Horrormaske eines gefletschten Mauls aufgesetzt.
Auch für Geister gilt die Maskenpflicht. © Dziemballa

Doch eins nach dem anderen: Spätnachmittags betrete ich den Keller der „Shockers – Villa des Grauens“ des Gewerbehauses in Landsham (Gemeinde Pliening), gleich unter dem vermutlich größten Horrorshop Europas. Hier darf ich heute selbst einmal als Geist spuken. Im Umkleideraum sind die „Erschrecker“, wie sie sich selbst nennen, bereits eifrig bei der Arbeit: Farbige Kontaktlinsen werden eingesetzt, Gesichter geschminkt, Kostüme an- und Masken übergezogen.

Die Vorfreude der Darsteller ist groß: „Erschrecken ist wie eine Sucht“, erklärt mir Ragua Kreibich und lächelt, während sie mir Kunstblut und Schminke ins Gesicht schmiert. Dabei landet der ein oder andere Blutstropfen auf dem Boden. Sie spielt heute einen Gruseldoktor mit Gasmaske. Kreibich ist bereits seit der ursprünglichen, großen Variante des Gruselkabinetts dabei, die vor über 25 Jahren im Kunstpark in München stattfand. Eine langjährige Expertin im Erschrecken.

Geistervilla in Landsham: detailgetreu gestaltetes Labyrinth voller Schreie und Lacher

Eine Frau mit Gasmaske zeigt ihre mit Kunstblut verschmierte Hand.
Erschreckerin Ragua Kreibich ist schon seit vielen Jahren Teil des Teams. © Dziemballa

Schritt für Schritt werde ich von ihr in eine auferstandene Leiche verwandelt: Zerrissene, dreckige Klamotten, Kunstblut und schwarze Farbe auf Hals und Gesicht und die Haare grau gefärbt. Nicht zu vergessen: ein Mundschutz in Form eines blutigen aufgerissenen Mauls mit schiefen Zähnen. Schließlich gilt auch für Geister die Maskenpflicht. Voilà, fertig ist der Corona-konforme Zombie. Ich weiß nicht, ob ich mich gruseln oder lachen soll, als ich verwundert mein Spiegelbild betrachte.

Geschäftsführer Randy Mikel´s führt mich daraufhin durch die labyrinthischen Gänge der „Gruselvilla“. Bei all der Dunkelheit, den versteckten Türen und den dutzenden Kurven, bekomme ich Angst mich selbst zu verlaufen. Immer wieder schrecke ich zusammen, mal von eingespielten dämonischen Lachern, erschreckten Angstschreien und dröhnenden Bassklängen, mal von der Einrichtung des Labyrinths selbst. Oft bin ich unsicher, ob vor mir eine Puppe oder ein verkleideter Mensch steht, so detailgetreu ist alles gestaltet.

Zu Enthusiastisch: Erster Erschreckversuch endet mit kaputter Zellentür

Ein toter Hase-Kostüm, Scherer im Untoten-Kostüm und eine Gruselpuppe.
Untote, Hasen, Clowns und Puppen: Die Villa des Grauens weiß, was den Menschen Angst macht. © Dziemballa

Schließlich gelange ich an meinen Einsatzort: den Knast. Zusammen mit der Puppe einer zerfetzten Leiche soll ich hinter Gittern warten, bis die Besucher kommen. Sobald meine ersten Opfer die Tür zum Gefängnis öffnen, soll ich laut grunzende Zombiegeräusche von mir geben und mit den Armen durch die Gitterstäbe greifen. Ansonsten dürfe ich mich mit den Gegenständen in der Zelle austoben und ausprobieren. Laute Geräusche kämen immer gut, erklären mir die Erschrecker. Meine ganz persönliche Geisterstunde hat begonnen.

Nach meinem ersten Einsatz merke ich, dass ich beim Erschrecken wohl etwas zu enthusiastisch war: Denn wie ich sehe, habe ich die Tür des Gefängnisgitters aus den Angeln gerissen. Ob mir das wohl vom Lohn abgezogen wird? Anscheinend müssen auch Geister um ihre 450-Euro-Jobs bangen. Oder sind die über den Tod hinaus Haftpflichtversichert? Schnell helfen mir zwei Kollegen dabei, die Tür wieder einzusetzen.

Einmal Geist im Gruselkabinett: Besucher reagieren komplett unterschiedlich

Nach drei weiteren Besuchergruppen sinkt allmählich meine Aufregung und ich beginne mich über die verschiedenen Reaktionen der Gäste zu amüsieren. Denn anscheinend geht jeder anders mit seiner Angst um: Die einen kreischen laut auf, die anderen lachen überfordert und wieder andere weinen oder rennen so schnell davon, dass sie fast stolpern.

Übermütig beginne ich zu experimentieren: Mal werfe ich eine Metallschüssel gegen das Gitter, schreie nach „Fleisch“ oder tue schmatzend so, als würde ich die Puppe neben mir fressen. Ist eine Gruppe besonders langsam, nehme ich ein Metallrohr zu Hilfe, klopfe damit gegen die Gitterstäbe und brülle: „LAUFT!“. Je lauter die Angstschreie, desto größer mein Spaß am Erschrecken.

Erschrecker in der Villa des Grauens: Auch Geister brauchen mal Feierabend

Profilbild von Raffael Scherer
Was Schminke alles möglich macht: So gruselig sieht unser Mitarbeiter Raffael Scherer ohne Zombie-Kostüm dann doch nicht aus. © Roßmann

Nach gut vier Stunden sind die letzten Gäste durcherschreckt. Ich bin heiser von der Schreierei, meine Knie sind aufgeschürft vom Knien und Aufspringen und mein Gesicht klebt vor Schweiß und Schminke. Lachend kommen die Erschrecker wieder zusammen und greifen dankbar zu Spezi, Wasser und Apfelschorle für ihre trockenen Kehlen. Gierig saugen ich und die anderen Geister vor der Hintertür die frische Nachtluft ein. Allesamt zufrieden mit der heutigen Leistung, wird noch ein Gruppenfoto gemacht, dann geht es zum Abschminken und schließlich als normaler Mensch wieder nach Hause. Irgendwann brauchen eben auch Geister mal Feierabend.

Weitere Infos:

„Shockers – Villa des Grauens“ ist ein Angebot des Horrorshops. Exklusiv in den Wochen vor Halloween öffnet das Kabinett seine Türen. 2021 kann es noch vom 28. bis 31. Oktober in der Gewerbestraße 15, 85652 Landsham besucht werden. Infos und Tickets unter www.shockers.de

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