Es werden immer weniger: Die Zahl der landwirtschaftlich gehaltenen Rinder – hier Tiere auf einer Weide bei Glonn – nimmt im Landkreis Ebersberg ab.
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Es werden immer weniger: Die Zahl der landwirtschaftlich gehaltenen Rinder – hier Tiere auf einer Weide bei Glonn – nimmt im Landkreis Ebersberg ab.

Der Fünf-Jahres-Vergleich

Immer weniger Tiere im Kreis Ebersberg: Anbruch der Rinderdämmerung?

Die Zahl der Kälber, Kühe, Ochsen, Stiere in Ställen und auf Weiden im Landkreis Ebersberg nimmt stetig ab. Doch der Rindfleisch-Verbrauch nimmt zu. Paarhufer im Zwiespalt.

Landkreis – Das Rind von nebenan ist auf dem absteigenden Ast: Rund 11,64 Millionen Milchkühe, Mastrinder, Zuchttiere, Mutterkühe oder Kälbchen standen 2019 noch in den Ställen und auf der Weide von Flensburg bis Berchtesgaden. Rund 310 000 weniger als ein Jahr vorher. Im Kreis Ebersberg geht die Rinderhaltung ebenfalls zurück: Aktuell werden 37 615 Tiere gehalten, 650 weniger als vor einem Jahr. Der Rindfleischverbrauch steigt aber an. Was nicht im Stall und auf der Weide steht, kommt von außerhalb: Aktuell liegt der Selbstversorgungsgrad bei Rindfleisch laut Bundesinformationszentrum Landwirtschaft bei 97,1 Prozent.

Zehn Kilo Rindfleisch im Schnitt isst der Mensch derzeit pro Kopf und Jahr, sagen die Daten des Bundesinformationszentrums. Und weitere 4,6 Kilo Rind pro Kopf werden anderweitig verwendet. Beispielsweise für Schuhe. Oder Sofas. Milch, Fleisch, Leder und diverse Nebenprodukte bis hin zum Hundefutter: das Rind kann nach der Schlachtung komplett verwertet werden. Und es liefert schon vor der Schlachtung Nahrung: Milch. Von den 37 615 Rindern (die aktuellsten verfügbaren Zahlen stammen vom 3. November 2019) sind 15 844 Milchkühe.

vielseitiges Rind: Es fehlt nicht viel zur eierlegenden Wollmilchsau

Wenn es darum geht, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, haben die Landwirte im Grunde drei Möglichkeiten: Zuchtvieh, Milchvieh und Mastvieh. Gut koppeln lassen sich Milcherzeugung und Fleischproduktion. Die zuletzt gezählten 15 844 Milchkühe in den Ställen machen dabei momentan rund 42,1 Prozent des gesamten Rinderbestands aus (2014: 42,3 Prozent). Deutschlandweit kletterte dieser Anteil binnen fünf Jahren von 33,7 (2014) auf 34,5 Prozent (2019).

Die Fünf-Jahres-Entwicklung des Rinderbestands im Landkreis Ebersberg.

Früher erzürnte der Tanz ums Goldene Kalb den Herrgott und Moses, was bekanntlich in einem Blutbad endete. Heute wird aus der Ernährungs- zuweilen eine Glaubensfrage: „Kein anderer Sektor trägt so massiv zum Verlust der Artenvielfalt, der Rodung von Wäldern und der Zerstörung unseres Klimas, der Gefährdung unserer Gesundheitssysteme und zum Leid der Tiere bei wie die industrielle Fleischproduktion“, sagt die Heinrich-Böll-Stiftung, die den Grünen nahesteht.

Umweltbedenken und der fallende Fleischpreis

Doch das ist nicht die einzige Deutung: „Aufgrund der schlechten Preissituation auf dem Rindfleischmarkt wird von vielen landwirtschaftlichen Kleinbetrieben hier die Rindviehhaltung aufgegeben. Landschaftlich schöne Täler werden nicht mehr beweidet. Die Gefahr der Verbuschung ist groß. Die Attraktivität der Täler für den Tourismus nimmt ab“ – dieses Zitat stammt aus einem Bericht des Landratsamtes im Ortenaukreis (Baden-Württemberg), der mit dem Satz endet: Wer weibliche Rinder vorbeibringen will, ist herzlich willkommen und bekommt „Transportkostenbeihilfe“.“ Solche Probleme sind im Landkreis Ebersberg wohl noch nicht aufgetreten.

Der Situationsbericht 2019/20 des deutschen Bauernverbandes nennt auch fallende Preise als Grund für den Rückgang bei der Rinderhaltung. Fleischessende profitieren, Fleischproduzierende eher nicht: Für „ein Kilo Rindfleisch zum Kochen“ müsse der Mensch heute 27 Minuten arbeiten, Im Jahr 1970 seien es 72 Minuten gewesen.

Teja Banzhaf

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