Wenn es auf jede Sekunde ankommt, sind die „Helfer vor Ort“-Gruppen des BRK im Landkreis zur Stelle. foto: sro

Leben retten - auf eigene Kosten

Landkreis - 440 Menschen sind es im Landkreis Ebersberg, die im Notfall Leben retten können. Sie sind Mitglieder der BRK-Bereitschaften. Trotz ihres ehrenamtlichen Engagements wünschen sich manche mehr Unterstützung von den Kommunen.

22 Jahre war der Mann alt, der in einer Firma in Poing zusammenbrach. Plötzlicher Herztod. Die Arbeitskollegen alarmierten sofort den Rettungsdienst und versuchten, den jungen Mann per Herzdruckmassage wiederzubeleben. Wenige Minuten später war Dieter Steinbrunner zur Stelle mit einem Früh-Defibrillator, um mittels Stromstöße den am Boden Liegenden zurück ins Leben zu holen. Es gelang. „Heute erfreut er sich bester Gesundheit“, erzählt der Leiter der BRK-Bereitschaft Poing. Sie ist eine von vier „Helfer vor Ort“-Gruppen, die im Notfall zeitgleich mit dem Rettungsdienst alarmiert werden. Ihre Aufgabe: Erstmaßnahmen durchführen bis zum Eintreffen der Sanitäter und des Notarztes.

Elf Bereitschaften des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) sind im Landkreis Ebersberg stationiert. Die rund 440 Mitglieder arbeiten ausschließlich ehrenamtlich. „Hauptaufgabe ist der Sanitätsdienst bei Veranstaltungen von Vereinen oder Kommunen“, erläutert Gerhard Müller. Dafür erhalten die Bereitschaften von den Auftraggebern ein Entgelt - die einzige Einnahmequelle, neben Zuweisungen vom BRK-Kreisverband. „Die Bereitschaften müssen ihre Ausrüstung und ihre Geräte aus den Eigenmitteln kaufen“, sagt Müller, stellvertretender Kreisgeschäftsführer und Leiter des BRK-Rettungsdienstes im Landkreis. Ein Früh-Defibrillator, wie ihn die Bereitschaft Poing selbst bezahlt hat, koste rund 2500 Euro.

Dieter Steinbrunner wünscht sich mehr finanzielle Unterstützung von den Kommunen, wie es beispielsweise bei den Feuerwehren und Sportvereinen der Fall sei. „Wir müssen alles selbst bezahlen“, sagt Poings Bereitschaftsleiter. Aufwandsentschädigungen für die Einsätze - in Poing sind es laut Steinbrunner zwischen 300 und 350 pro Jahr - gebe es keine. Als er bei der Gemeinde einen Zuschuss für Sanierungsarbeiten an der BRK-Garage beantragt habe, sei selbst dieser abgelehnt worden.

Ein weiteres Feld der Bereitschaften ist die Aus- und Weiterbildung in Erster Hilfe. Die Kurse werden öffentlich für Bürger angeboten, außerdem gebe es immer wieder Anfragen von Gemeinden und Firmen, die ihre Mitarbeiter schulen lassen wollen.

Die Standorte:

Die elf BRK-Bereitschaften im Landkreis sind stationiert in Ebersberg, Poing, Grafing, Markt Schwaben, Vaterstetten, Frauenneuharting, Glonn, Hohenlinden, Kirchseeon, Zorneding und Moosach. Die rund 440 Mitglieder leisten laut Gerhard Müller, stellvertretender BRK-Kreisgeschäftsführer, pro Jahr etwa 40 000 Stunden ehrenamtliche Arbeit. Vier der Bereitschaften verfügen über eine „Helfer vor Ort“-Gruppe, die in Notfällen zeitgleich mit dem Rettungsdienst alarmiert werden: Poing, Markt Schwaben, Hohenlinden und Glonn.

Von Armin Rösl

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