Verwaltungsgericht entscheidet

Letzte Schlacht ums Brucker Windrad

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Landkreis - Am Dienstag, 12. Janaur,  kommt es vor dem Verwaltungsgericht München zur endgültigen Nagelprobe: Die Entscheidung, ob im Brucker Ortsteil Hamberg ein Windrad gebaut werden darf oder nicht, steht an.

Tag der Entscheidung vor dem Verwaltungsgericht München: Verhandelt wird in Sachen Windradbau in Hamberg in der Gemeinde Bruck. Es stehen sich gegenüber: Der Landesbund für Vogelschutz und der Freistaat Bayern. Beigeladen sind die, um die es eigentlich geht. Es ist die Windenergie Osterkling Verwaltungs GmbH, vertreten u. a. durch den Brucker Hans Zäuner. Beleuchtet werden soll die Frage, ob bei der immissionsschutzrechtlichen Genehmigung der Windenergieanlage in einem Abstand von etwa 400 Metern zur nächsten Wohnbebauung alles nach Recht und Gesetz abgehandelt wurde.

Und da scheiden sich die Geister. Die Positionen sind eindeutig. Für den Landesbund für Vogelschutz geht von dem Windrad eine reale Gefahr für die geschützten Greifvogelarten Rotmilan, Schwarzmilan und Baumfalke aus, für die Osterkling GbmH sind nach einem jahrelangen Verfahren alle rechtlichen Voraussetzungen zum Bau des Vorhabens gegeben. Üblicherweise wird nach einer Entscheidung am Verwaltungsgericht das Urteil den Prozessbeteiligten nach ein paar Wochen zugestellt. Hans Zäuner ist zuversichtlich: „Ich glaube aber, dass schon eine Tendenz erkennbar wird. Da bin ich relativ optimistisch.“

Das Verfahren zieht sich bereits über einen Zeitraum von über vier Jahren hin. Warum das so lange dauerte, wurde in einer Anfrage des Abgeordneten Ludwig Hartmann von den Grünen an den Landtag so beantwortet: „Artenschutzrechtliche Nachkartierung einer streng geschützten Art (Baumfalke) im Jahr 2013 erforderlich; mögliches Vorkommen wurde substantiiert von Einwendungsführern dargelegt. Auftrag zur Kartierung ist vergeben, die Untersuchungen beginnen demnächst.“ Das Vorkommen des Baumfalken stand einer Genehmigung des Bauvorhabens durch das Landratsamt Ebersberg aber letztendlich nicht im Weg. Der entsprechende Bescheid samt Begründung ist 77 Seiten lang. Zäuner weist darauf hin, dass durch die Nachkartierungen Verzögerungen entstanden seien, die für die Osterkling GmbH auch mit finanziellen Einbußen verbunden gewesen waren. „Üblicherweise“, sagt er, „gibt es einen Betrachtungszeitraum, nach dem dann entschieden wird.“ Ständig neue Forderungen wollen die Osterklinger jetzt nicht mehr hinnehmen, auch gegen eine Fledermauskartierung setzen sie sich zur Wehr. „Was soll man denn sonst noch glauben?“, fragt Zäuner. 

Insgesamt ist das Vorkommen geschützter Vogelarten von drei Gutachtern untersucht worden, bestätigt Rainer Förderreuther, stellvertretender Kreisvorsitzender des Landesbund für Vogelschutz. Die Gutachter waren dabei geteilter Meinung. „Wir vom Landesbund für Vogelschutz sind nicht gegen die Windenergie. Aber das ist der schlechteste Standort im ganzen Landkreis Ebersberg“, warnt Förderreuther. Geschützte Vogelarten würden die Aufwinde an den Hängen des Brucker Mooses nutzen und im Moos selbst reichlich Nahrung finden. „Warum schafft man zuerst Lebensraum für Vögel, wenn man sie anschließend zerschreddert?“, sagt er.

Die Osterklinger sind in der Zwischenzeit nicht untätig geblieben. Zäuner berichtet von einer Zusammenkunft mit der Nachbarschaft in Hamberg, die ihn optimisisch gemacht habe. „Es machen viele mit“, sagt er. „Es ist ja nicht so, dass wir das alles alleine entscheiden.“ Die Nachbarn der Windenergieanlage würden mit eingebunden in das Vorhaben. „Es ist positiv, dass die Leute so dahinterstehen“, freut er sich.

Von dem Bauvorhaben geht eine starke Signalwirkung für den ganzen Landkreis Ebersberg aus. Wird das Windrad abgelehnt, wird sich künftig vermutlich keine private Initiative mehr zum Bau einer solchen Anlage finden.

Rubriklistenbild: © dpa

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