Bild des Grauens: Soldaten und Zivilisten an der Unglücksstelle bei Elkofen. Foto: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge

Die letzten Toten des 2. Weltkriegs

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Grafing - Sie waren schon auf dem Weg nach Hause, als sie zu letzten Opfern des II. Weltkriegs wurden: 103 deutsche Kriegsheimkehrer und ein amerikanischer GI verloren am 16. Juli 1945 ihr Leben bei einem Eisenbahnunglück bei Elkofen. Jetzt findet ihnen zu Ehren eine große Gedenkfeier statt.

Einmal jährlich wird beim Volkstrauertag auch an die Toten gedacht, die eines der größten Eisenbahnunglücke in der Geschichte Deutschlands gefordert hat. Die Kriegsgräberstätte in Oberelkofen wurde zum Gedenken an die Heimkehrer errichtet, die den Kampfhandlungen entronnen waren und ihre Heimat doch nicht mehr wiedersehen sollten. Dass sich der Bau der Gedenkstätte, die im Jahr 1962 eingeweiht wurde, heuer zum 50. Mal jährt, soll Anlass sein für eine Erinnerungsfeier.

Die Katastrophe von Elkofen hat eine ähnliche Dimension wie das Zugunglück in Eschede oder das in Genthin in Sachsen Anhalt im Jahr 1939, als zwei D-Züge ineinander rasten und 278 Menschen ihr Leben verloren. In Elkofen starben die Opfer, als in den Abendstunden des 16. Juli 1945 auf der Strecke München-Rosenheim ein Zug liegenblieb, auf den ein amerikanischer Panzertransport auffuhr.

Von den Ereignissen Minuten und Stunden nach dem Zusammenstoß gibt es Fotos eines Angehörigen der amerikanischen Streitkräfte und Augenzeugenberichte. Einer, der das Unglück in einem Brief an den Ebersberger Paul Brandlmeier persönlich schilderte, ist Joachim Köppen. Er war am 2. Mai 1945 in Rosenheim mit anderen Soldaten in amerikanische Kriegsgefangenschaft geraten, war aber da nicht lange, weil das Lager in Bad Aibling ein paar Wochen später bereits aufgelöst wurde. Die Deutschen Soldaten trugen keine Rangabzeichen mehr und auch alle Auszeichnungen mussten abgelegt werden. Köppen schreibt: „Wir waren beim Besteigen der Güterwagen ein richtiger (feld-)grauer, anonymer Haufen. Aber die Stimmung war nicht schlecht, denn für uns sollte es doch ein erster Schritt in Richtung Heimat sein.“ Die Soldaten werden in fensterlosen Waggons transportiert, in die kaum Licht drang. Wie Köppen in seinem Brief schreibt, saß er nach seiner Erinnerung im letzten Wagen des noch fahrtauglichen Zuges. „Die Wagen hinter uns waren zusammengeschoben und zerdrückt worden. Einer stand mit dem Vorderteil schräg in die Höhe. Wir in unserem Waggon flogen durch den Aufprall alle in das hintere Viertel des Laderaumes und bildeten ein Knäuel von Menschen und Rucksäcken.“ Es gelang einem Soldaten, den Waggon zu öffnen und seine Kameraden ins Freie zu lassen, wo sie langsam das Ausmaß des Unglücks realisierten. Da der Zusammenstoß sich auf freiem Gelände ereignete, sind es die Kriegsgefangenen selbst, die erste Bergungsarbeiten und Erste Hilfe leisten. Kurze Zeit später allerdings helfen die Amerikaner mit ihrem schweren Gerät, die Verletzten zu bergen.

Dem langjährigen Vorsitzenden der Soldaten- und Kriegervereine des Landkreises Ebersberg, Paul Napieralla, war es Zeit seines Lebens ein Anliegen, die Erinnerung an die Toten von Elkofen wach zu halten.

Jetzt führt sein Nachfolger, Robert Bösl, diese Tradition fort. Bei der Gedenkfeier am Sonntag, 15. Juli, findet auch eine Sammlung zugunsten der Kriegsgräberfürsorge statt. Ein Grußwort spricht Regierungspräsident Christoph Hillenbrand. Es findet eine ökumenische Segensfeier und Kranzniederlegung statt.

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