Mit Lichtern und Transparenten gingen die am Dienstagabend Frauenneuhartinger auf die Straße. Foto: jro

Mit Lichtern gegen die Strahlung

Frauenneuharting - Die eigentlichen Bauarbeiten dauerten nur ein paar Stunden und waren am Dienstag schnell vorbei. Damit hat Frauenneuharting eine zweite Mobilfunkantenne mitten im Ort. Doch schon am Abend demonstrierten die Bürger erstmals dagegen.

„Es ist traurig. Die Gesetzeslage lässt leider zu, dass sich hier Einzelne bereichern“, sagt Bärbel Aschauer-Lammel enttäuscht in Richtung des Hausbesitzers, der einen entsprechenden Pachtvertrag mit dem Mobilfunkanbieter O2 abgeschlossen habe. Sie lud zu einer Lichterkette ein, die dem Protest der Bürger darüber Ausdruck geben soll, dass jetzt Mitten im Ort eine zweite Funkantenne montiert wurde, „obwohl wir acht bessere Standorte gehabt hätten“. Nach derzeitiger Rechtslage könne eine solche Mobilfunkantenne genehmigungsfrei erreichtet werden. Die Bürger wollen sich deshalb zusätzlich an den Landtag wenden und haben sich um einen Termin bei der Landtagsabgeordneten Christa Stewens bemüht, der Anfang November stattfinden soll. Der Vorgang liegt der Abgeordneten schriftlich vor.

„Alle Standorte waren nicht besser“, widerspricht Bürgermeister Josef Singer. Die Gemeinde hatte nach Alternativen gesucht. „Eine wäre aber 1:100 besser gewesen“, sagt der Bürgermeister und meint damit den ursprünglich von der Verwaltung vorgeschlagenen Standort am Wald, etwa 450 Meter von der nächsten Bebauung entfernt. Der Bürgermeister bedauert die Entwicklung. Dieser Standort war in der Bürgerschaft in die Kritik geraten. „Etwa 300 Unterschriften“, so Singer, seien dagegen gesammelt worden. Die Gemeinde habe im Anschluss ein bisschen gezögert, räumt der Rathauschef ein. Daraufhin habe O2 die Geduld verloren und gebaut. Die Antenne steht auf dem alten Wirtshaus im Ort, wo auch E+ bereits eine Sendeanlage betreibt.

„Das ist blöd gelaufen“, ärgert sich Singer. „Wir sind eine Landgemeinde. Da hätte es das nicht gebraucht, dass die Sendemasten mitten im Ort drin stehen.“ Er weiß aber aufgrund seiner Erfahrung und des bisherigen Verlaufs: „Es lässt sich mit vernünftigen Argumenten ein anderer Standort von der Gemeinde nicht mehr durchsetzen.“

Am Dienstagabend bildeten betroffene Nachbarn mit ihren Kindern und mobilfunkkritische Bürger eine Lichterkette, um auf die zusätzliche Strahlenbelastung durch den neuen Funkmasten aufmerksam zu machen. „In dem Haus wohnen Hartz IV-Empfänger im ersten Stock. Die kriegen auch viel Strahlung ab“, sagt Aschauer-Lammel.

Von Michael Seeholzer

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