Sie gehen neue Wege in der Sterbebegleitung: v. l. Julia Hartmann, Hans Leonhard Schneider, Willi Daniels, Gerhard Meyer, Oskar Bergauer, Hans Gnahn und Werner Klein. Foto: kn

Lieber zu Hause sterben

Ebersberg - In einer Klinik sterben? Den meisten Menschen graust es vor so einem Gedanken. Sie würden ihren letzten Atemzug lieber zuhause in den vertrauten vier Wänden tun. Dieser Wunsch ist jetzt Anlass für ein Pilotprojekt.

Die Idee zu diesem Unternehmen hatte Willi Daniels aus Steinhöring. Er ist selbst erfolgreich rehabilitierter Schlaganfallpatient und hat bereits bei der medizinischen Vorzeigeaktion INVADE im Landkreis Ebersberg mitgewirkt, bei der es um die flächendeckende Prävention von Bluthochdruck ging.

Und so soll das neue Vorhaben funktionieren: Mittels einer bereits verfügbaren, telemedizinischen Einrichtung – einer Art Fernseher mit eingebauter Kamera – kann das Pflegepersonal oder der jeweilige Hausarzt in kritischen Situationen bei Palliativ-Spezialisten schnell kompetenten Rat einholen, ohne dass der betreffende Mediziner extra zum Patienten fahren müsste. Das spart Kosten. „Bis jetzt wird in solchen unklaren Situationen oft noch der Krankenwagen gerufen, der Patient wird dann in eine Klinik verlegt“, berichtet Daniels, der zum Vorstandsvorsitzenden des neuen Projektes bestimmt wurde.

An der Aktion beteiligen sich auch die Neurologin Julia Hartmann, der Ärztliche Direktor des Ebersberger Krankenhauses, Hans Leonhard Schneider, Gerhard Meyer von der Firma Meytec, Oskar Bergauer, der Vorssitzende des Christophorus Hospiz Vereins Ebersberg, der Neurologe Hans Gnahn und Werner Klein, Chef des ärztlichen Kreisverbands.

„Ein solcher telemedizinischer Ansatz in der ambulanten Palliativmedizin wurde unter den Bedingungen des deutschen Gesundheitssystems nach unserem Kenntnisstand noch nicht versucht“, unterstreicht Daniels den Modellcharakter des Experiments. Er macht aber klar, dass es in erster Linie nicht darum geht, Kosten einzusparen: „Es sollte immer um die Patienten gehen. Kosteneinsparung ist ein Nebeneffekt.“ Daniels macht folgende Rechnung auf: „Wenn nur bei 100 Patienten damit ein Tag Klinikaufenthalt eingespart werden kann, macht das 50 000 Euro weniger Kosten aus.“

Die Ebersberger Initiatoren wollen im Rahmen einer Studie testen, ob das neue System das leisten kann, was sich alle davon versprechen. Um das Pilotprojekt zum Erfolg zu führen, haben sich die Ebersberger einer wissenschaftlichen Begleitung durch den Lehrstuhl für Palliativmedizin am Interdisziplinären Zentrum des Klinikums der der Universität München-Großhadern versichert. Mit im Boot sitzt die internationale Kapazität Professor Dr. Gian Domenico Borasio.

Rechtliche Basis ist der gemeinnützige Verein „palliaHOMEmed e. V.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kein Sieger, aber zum Teil große Unterschiede zu erkennen
Wen sollen die Kirchseeoner am 15. März ins Rathaus wählen? Wer es bisher nicht wusste und am Mittwoch in der ATSV-Halle war, ist nun gescheiter.
Kein Sieger, aber zum Teil große Unterschiede zu erkennen
Zwei „Neue“ im Landtag: Wie die Politik wirklich ist
Wie funktioniert Politik auf Landes- und kommunaler Ebene? Das wissen jetzt Amelie Schrenk und Fanny Propstmeier 2 Schülerinnen des Grafinger Max-Mannheimer-Gymnasiums.
Zwei „Neue“ im Landtag: Wie die Politik wirklich ist
Wenn‘s was hilft: Gemeinsam beim Geldbeutelwaschen an der Urtel
Im Wahljahr bestens besucht war das traditionelle Geldbeutel-Waschen der Grafinger Freien Wähler. Alle Politiker waren fleißig - trotz der kalten Temperaturen. 
Wenn‘s was hilft: Gemeinsam beim Geldbeutelwaschen an der Urtel
Positionen zur Wahl: Was Unternehmer künftig für unabdingbar halten
Was muss im Landkreis Ebersberg gemacht werden, damit die Wirtschaft florieren kann? Der IHK-Regionalausschuss Ebersberg hat sich umgehört und Forderungen aufgestellt.
Positionen zur Wahl: Was Unternehmer künftig für unabdingbar halten

Kommentare