Lisa Loch, Realschule Vaterstetten
+
Nachdenklich: Lisa Loch erzählt den Siebt- und Achtklässlern ihre Geschichte.

Zu Gast in Vaterstetten

Lisa Loch will Mobbing-Opfern helfen: Wehrt euch!

Vaterstetten - Als 16-Jährige wurde Lisa Loch Mobbing-Opfer von TV-Moderator Stefan Raab. Heute will sie Schülern helfen.

Etwa eines von 25 Schulkindern muss mehrmals in der Woche Mobbing-Attacken über sich ergehen lassen, besagen Studien, die auch Vaterstettens Jugendpfleger Jörg Cordruwisch alarmiert haben. „Die häufigsten Formen von Mobbing sind das Verbreiten von Gerüchten und Lügen, böse Spitznamen und Schimpfwörter“, erläutert er. Eine, die ganz öffentlich von TV-Moderator Stefan Raab lächerlich gemacht wurde, ist Lisa Loch. Die heute 30-Jährige hat sich jedoch erfolgreich dagegen gewehrt. Neben Studium, Doktorarbeit und ihrem Beruf als Model und Schauspielerin ist sie inzwischen immer häufiger an Schulen unterwegs, um über Mobbing aufzuklären. Diesmal ist sie zu Gast in der Realschule Vaterstetten.

Lisa Loch litt jahrelang unter der Häme

Die Siebt- und Achtklässler, die ihrem Vortrag lauschen, sind zu jung, um den „Fall Lisa Loch“ selbst miterlebt zu haben, deshalb erzählt sie zunächst ihre Geschichte: Als 16-Jährige nimmt sie an einer Miss-Wahl teil, sagt in eine TV-Kamera den harmlosen Satz: „Hallo, ich bin Lisa Loch und ich bin 16 Jahre alt.“ Diesen Satz bereitet Stefan Raab in seiner Show „TV Total“ auf höchst anzügliche Weise auf. In mehreren Sendungen macht er zweideutige Witze auf Kosten der Minderjährigen, präsentiert sogar fingierte Wahlplakate der „Lisa-Loch-Partei“, die eine blonde Frau beim Geschlechtsverkehr zeigen.

Für die 16-jährige Lisa Loch beginnt ein Spießrutenlauf. Im Schulbus hört sie Schmähgesänge, die Raab-Videos kursieren unter den Mitschülern, sie wird ausgelacht, mit anzüglichen Kommentaren bedacht, ihre ganze Familie in Mitleidenschaft gezogen. Auch die Freunde sind von der Situation überfordert. Schließlich begibt sie sich in psychologische Behandlung und geht gerichtlich gegen Raab vor - mit Erfolg.

Das rät Lisa Loch Mobbing-Opfern

Atemlose Stille herrscht im Raum, während Lisa Loch erzählt. Dann aber prasseln die Fragen der Schüler auf sie ein: Hat sie nie daran gedacht, umzuziehen oder ihren Namen zu ändern? „Ein Umzug hätte nichts gebracht, denn ich war plötzlich deutschlandweit bekannt, außerdem hänge ich an meiner Heimat. Und ich wollte auch nicht anders heißen als meine Familie.“ Was rät sie betroffenen Schülern? „Sucht Euch Verbündete!“, sagt sie eindringlich und lobt die Schule dafür, so offen mit dem Thema umzugehen: „An meiner eigenen Schule wurde das totgeschwiegen.“ An Täter appelliert sie, darüber nachzudenken, wie sie selbst sich fühlen würden, wenn ihnen so etwas passieren würde. Und eine wichtige Botschaft hat sie an die Mitschüler: „Die Mitläufer haben eine riesengroße Macht, denn durch ihr Mitlachen befeuern sie den Täter noch. Doch wenn nur einer aufstehen und dem Betroffenen beistehen würde, dann würde das schon viel helfen.“

Sichtlich nachdenklich sitzen die Schüler hinterher beisammen und lassen den prominenten Besuch nachwirken. „Zum Glück ist Mobbing bei uns in der Klasse kein Problem“, sagen einige. Und falls doch, dann wissen sie jetzt: Gegen Mobbing kann man sich wehren.

Susanne Edelmann

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kita im Landkreis Ebersberg macht zwei Wochen dicht - Landrat mit dringender Warnung
Kita im Landkreis Ebersberg macht zwei Wochen dicht - Landrat mit dringender Warnung
Coronavirus im Landkreis Ebersberg: Fast 500 Quarantäne-Fälle - weiteres Testzentrum in Kreisstadt
Coronavirus im Landkreis Ebersberg: Fast 500 Quarantäne-Fälle - weiteres Testzentrum in Kreisstadt
Polizei schnappt Exhibitionist: Er verfolgte eine Jugendliche in Zorneding
Polizei schnappt Exhibitionist: Er verfolgte eine Jugendliche in Zorneding
Volle Schulbusse im Landkreis Ebersberg: Sorge vor Corona-Infektionen
Volle Schulbusse im Landkreis Ebersberg: Sorge vor Corona-Infektionen

Kommentare