Die Autobahn-Raststätte Vaterstetten: Hier kam es im März 2014 zur Messerstecherei unter zwei Brummi-Fahrern. Foto: Stefan Rossmann

Lkw-Fahrer sticht mit Messer zu

Vaterstetten - Zwei Männer leeren an der Raststätte Vaterstetten gemeinsam drei Flaschen Rum, bevor sie aufeinander losgehen. Mit verheerenden Folgen.

Er hatte mehr Glück als Verstand. Sturzbetrunken legte sich im März 2014 ein Lkw-Fahrer in seiner Koje schlafen. Dabei rann ihm das Blut aus zwei klaffenden Wunden am Rücken. Gerade noch rechtzeitig wurde er wach und schleppte sich in die Vaterstettener Autobahn-Raststätte.

Es hatte Streit gegeben. Warum? Das wusste im Nachhinein so niemand richtig. Denn die beiden litauischen Lkw-Fahrer hatten am besagten März-Samstag 2014 drei Flaschen Rum geleert. Zwischen ihren beidenBrummis hatten sie einen Tisch errichtet und zu bechern begonnen. Geplant war wohl, den Sonntag durchzuschlafen und mit dem Ende des Lkw-Fahrverbots weiter zu fahren. Doch dazu kam es nie. Der Jüngere (40) versetzte dem Älteren (49) mit dem Wurstmesser zwei wuchtige Stiche in den Rücken. „Ich glaube, während ich in meinen Lkw gestiegen bin“, sagte der 49-Jährige später als Zeuge aus. An den genauen Ablauf konnte sich der Mann während seiner Zeugen-Vernehmung am Montag vor dem Landgericht München II nicht erinnern. Dort wird dem Jüngeren der Prozess gemacht. Die Anklage lautet auf versuchten Totschlag.

„Ich weiß noch, dass ich Ohrfeigen bekommen habe“, sagte das Opfer. „Von wem?“, hakte der Vorsitzende Richter Martin Rieder nach. „Wir waren ja nur zu zweit“, kam es zurück. „Ich war nicht dabei“, entgegnete der Richter. Der Zeuge schwieg. „Warum gab es die Ohrfeige“, versuchte der Vorsitzende einen erneuten Anlauf. „Ich weiß nicht“, meinte der Litauer, „wahrscheinlich ist er verrückt geworden. Alle anderen Fahrer reden schlecht von ihm. Er wird verrückt, wenn er getrunken hat“, würden sie sagen. Offenbar begriff der Mann gar nicht, wie viel Dusel er gehabt hatte. Nach seiner Schilderung hatte er nach den Stichen schon einen unangenehmen Schmerz verspürt. Er drückte den Rücken kurz in den Sitz, dann legte er sich hin. Beim Aufwachen fand er sich in einer Blutlache wieder. „Ich habe eine Nässe gespürt, konnte nur schwer atmen. Es war, als ob aus der Lunge hinten Luft austritt“, gelang ihm überraschenderweise eine sehr genaue Schilderung seiner Verletzung. An den Angriff wollte er sich nämlich im vermeintlichen „Alkohol-Nebel“ so gar nicht erinnern können.

Tatsächlich hatte ihm sein Kollege das Lungenfell angeritzt. Der 49-Jährige zog seinen blutgetränkten Pullover aus und seine Jacke wieder an. Dann schleppte er sich zum Verkaufsraum der Tankstelle, wo er zusammenbrach. In seinem Lkw fanden die Fahnder auch Blutspuren des Angeklagten. Der 49-Jährige konnte sich nicht erklären, wie sie dorthin gelangt waren. „Ich habe mich eingesperrt“, fügte er hinzu. Der Aussage des Angeklagten zufolge soll er vorher mit einer leeren Rumflasche herumgefuchtelt haben. „Das kann nicht sein“, erwiderte das Opfer. Daran konnte er sich wieder sehr genau erinnern. Sein Peiniger hatte die Situation als Notwehrlage ausgeschmückt. Demnach waren sich die beiden plötzlich „bewaffnet“ gegenüber gestanden. Er, der Angeklagte, mit dem Messer, der anderen mit einer Flasche. Die Männer begannen zu rangeln, währenddessen gingen sie zu Boden und rangelten weiter. Dabei muss der Angeklagte seinem Opfer das Messer in den Rücken gestochen haben. Der Prozess dauert an.

Angela Walser

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