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Die Metal-Band „Breath of Insanity“ lässt sich mit dem Song „Stadt in der Stadt“ viel Zeit. Foto: ez
Die Metal-Band „Breath of Insanity“ lässt sich mit dem Song „Stadt in der Stadt“ viel Zeit. Foto: ez

Markt Schwaben - Wo gibt's das schon? Sowohl der traditionsbewusste Gesangsverein "Liederfreiheit" wie die Death Metal Band "Breath of Insanity" vertonen Gedicht-Texte von Markt Schwabens Altbürgermeister Bernhard Winter.

Der musikalische Unterschied zwischen der Markt Schwabener Sängerrunde Liederfreiheit und der ebenfalls aus Markt Schwaben stammenden Melodic Death Metal Band „Breath of Insanity“ ist ungefähr so groß wie zwischen Johann Sebastian Bach und den Rolling Stones. Und trotzdem eint die beiden Musikformationen aus dem nördlichen Landkreis - neben einem gemeinsamen Heimatort - eine Kleinigkeit: Beide haben in ihrem Repertoire jeweils ein Lied, das vom gleichen Texter stammt: Bernhard Winter heißt der Mann. Den Markt Schwabenern bekannt als ihr ehemaliger Bürgermeister und, neuerdings, als ihr zweiter noch lebender „Altbürgermeister“.

Dessen Verbindung zum Männergesangverein ist schnell erzählt. Dort sang und singt Winter seit vielen Jahren mit. Nach seinem beruflichen Wechsel hat er zunehmend wieder mehr Zeit dafür. Anlässlich seiner Verabschiedung im Unterbräu Mitte Februar hatte die Liederfreiheit unter der Regie von Frank Somborn das Gedicht „Livland“ hergenommen und dazu eine Melodie komponiert. Beides in Kombination gesetzt, trugen die Sangesbrüder dem aus dem Rathaus scheidenden Kameraden vor. Es war ein musikalischer Ausdruck von Wertschätzung.

Nun hat sich auch die Rockband „Breath of Insanity“ mit einem Winter-Gedicht befasst und es vertont. Die Aufgabe hat in erster Linie Jürgen Haindl übernommen. Der junge Markt Schwabener (16) hatte mehr oder weniger zufällig Kontakt mit Bernhard Winter und dessen Gedichtband „Warum der Fuchs der Apfelbaum“ (erschienen heuer beim Sankt Michaelsbund, München, 55 Seiten, 8,90 Euro) bekommen. Winters Gedicht mit dem Titel „Stadt in der Stadt“ habe, so Jürgen Haindl, den Bandmitgliedern Konrad Hauch (Gitarre, 18 Jahre alt), Phillip Kahn (Keyboards, 19) und Heinz Eckstein (Schlagzeug, 50) am besten gefallen. Die Band existiert seit sechs Jahren, seit vier Monaten aber erst in der aktuellen Besetzung.

In diesen Tagen konnte sich Winter die Melodie des Songs schon einmal im Probenraum bei der VHS im Unterbräu-Keller anhören („gefällt mir ganz gut“). Nur das Gesamtwerk, also Melodie und Gesang, fehlt noch. „Das wird noch eine Weile dauern“, so Jürgen Haindl, der auf ein noch dringenderes Projekt verweist, das er erst abschließen möchte. Auch nicht zum in diesen Tagen plötzlich zustande gekommenen Liveauftritt beim „Wicked“-Jugendfestival Mitte September auf der Schweiger-Wiese werden „Breath of Insanity“ die Stadt in der Stadt aufführen können. „Das wird vielleicht erst im nächsten Jahr so weit sein“, so der junge Bassist und Sänger der Band.

Bis dahin verweist er auf die Internet-Plattform „You Tube“. Dort könne man bereits etwas von der Band sehen und hören. Und wenn das neue Lied fertig ist, wird es dort wohl auch zuerst öffentlich präsentiert.

Was typisch Melodic Death Metal ist, so sagt Jürgen Haindl, sei der Gesang bei dieser Stilrichtung moderner Musik eher eine Art Geschrei. Bei der Gedicht-Vertonung aber wolle er sich bemühen, mehr zu singen als zu schreien. So viel sei schon mal verraten.

Bernhard Winter freut’s aber jetzt schon, dass er eine musikalische Brücke schlagen konnte zwischen Alt-Konservativem und extrem Neuem.

Jörg Domke

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