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„Waldbesitzer denken in Generationen“: Hans Riedl im winterlichen Holz.

Interview

Waldbesitzer-Chef Riedl: Der Mann mit dem langen Atem

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Bruck - Nach 45 Jahren Verbandsarbeit hört Waldbesitzer-Chef Hans Riedl auf und legt Amt in jüngere Hände. Ein Gespräch zum Abschied.

Seit 64 Jahren gibt es die Waldbesitzervereinigung Ebersberg. Geprägt hat diese Organisation Hans Riedl aus Pullenhofen, der die Hälfte der 64 Jahre dieser Selbsthilfeorganisation der Waldbesitzer als Vorsitzender vorstand. Jetzt hört er auf. Wir führten aus diesem Anlass ein Interview mit ihm.

Warum ausgerechnet jetzt? 

Ich bin jetzt 68 Jahre alt. Irgendwann muss ich aufhören. Ich glaube, ich habe inzwischen auch den richtigen Nachfolger gefunden. Das war nicht ganz einfach. Der muss passen.

Wer wird’s werden? 

Das muss erst die Mitgliederversammlung entscheiden. Aber er ist wesentlich jünger als ich, so um die 50 Jahre alt.

Wenn sich jemand so wie Sie 45 Jahre für die Waldbesitzer engagiert hat, dann ist das in etwa die Hälfte der Zeit, die eine Durchschnittsfichte zum wachsen braucht.

Das stimmt, und in dieser Zeit ist auch viel passiert . . .

. . . zum Beispiel wurde uns ein Waldsterben prophezeit, das dann nicht eingetroffen ist. Deswegen gibt’s jetzt ein Waldmuseum. 

Zum Waldsterben ist es nicht gekommen, weil sie die Rußfilter und die Katalysatoren eingebaut haben in die Autos. Sonst hätten wir heute bestimmt keine Tannen mehr.

Hatte der Aufmerksamkeit, die dem Waldsterben galt, eine positive Auswirkung auf die ganze Gesellschaft, weil von sauberer Luft alle profitieren? 

Das kann man so sagen. Der Wald hat eine wichtige Filterfunktion. Wenn die mal überlastet ist, dann geht gar nichts mehr. Das sieht man an solchen Ländern wie zum Beispiel China. Die haben diese Probleme noch.

Und trotzdem sind auch bei uns neue Probleme dazugekommen, wie zum Beispiel der asiatische Laubholzbockkäfer. 

So etwas gibt es immer wieder. Vor 100 Jahren war es der Ulmensplintkäfer, der für den Ausfall einer einzelnen Baumart gesorgt hat. Einzelne Ulmen haben es zwar überlebt, aber es sterben von den wenigen übrig gebliebenen Exemplaren immer wieder welche ab.

Das ist ähnlich wie das Eschentriebsterben? 

Das können wir vermutlich nicht aufhalten. Erreger ist ein Pilz, der vermutlich aus Asien eingeschleppt wurde. Zwar gibt es einzelne Resistenzen. Aus diesen Bäumen könnte vielleicht einmal eine widerstandsfähige Art hervorgehen. Sicher ist das nicht.

Laubholzbockkäfer und Eschensterben, und das genau zum Zeitpunkt des Waldumbaus mit einem höheren Laubholzanteil? 

Da sieht man einmal mehr, dass das Wichtigste ist, dass die richtige Baumart auf dem richtigen Boden steht und ein gesunder Mischwald entsteht. Der ist auch am widerstandsfähigsten.

Mischwald auch mit Douglasien, einer Baumart, die früher bei uns häufig war? Das ist ein Streitpunkt zwischen Waldbauern und Naturschützern. 

Auch mit Douglasien. Diese Baumart hatten wir vor der letzten Eiszeit schon bei uns. Die Douglasie gibt es bereits seit 150 Jahren wieder bei uns und deshalb auch schon die erste Naturverjüngung. Wichtig ist auch dass die richtigen Bäume beieinanderstehen - zum Beispiel Winterlinde und Ahorn oder Buche und Lärche.

Sie sind Waldbesitzer und Jäger. Was kommt zuerst? 

Zuerst bin ich schon Waldbesitzer. Wichtig ist ein dem Wald angepasster Wildbestand. Wenn der Wald nicht hochkommt, hat auch das Wild am Ende keine Chance mehr.

Wie ist da die Situation im Landkreis Ebersberg? 

Wir hatten 1980 mit dem Wildverbiss große Probleme. Inzwischen hat sich viel getan. Einzelnen Wildverbiss gibt es immer. Dass wir alle Fichten so wie früher einzäunen mussten, das ist gottseidank vorbei.

Schlimme Ereignisse in ihrer Amtszeit? 

Das war 1984 der riesige Hagelsturm und dann der Wintersturm Wiebke.

 . . . und der größte Baum, den sie mal gefällt haben? 

Das war eine Pappel mit 34 Kubikmetern und einer Höhe von 40 Metern. Das war so ein Trumm, dass wir Mühe hatten, das Holz abzutransportieren. Ich glaube, ein Teil davon liegt immer noch in Moosach - und das war im Jahr 2005.

In welchen Zeiträumen denkt eigentlich ein Waldbesitzer? 

In Generationen. Wir ernten das, was die Generation vor uns geschaffen hat. Und mit dem, was wir tun, wird es genauso werden. Waldbauern rechnen in Zeiträumen von 80 und 100 Jahren.

Das Interview führte Michael Seeholzer

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