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Maria am Krankenbett von Lore Falter (86) aus Aßling. Wenn die Zwölfjährige nicht geistesgegenwärtig reagiert hätte, wäre die Seniorin nach einem Sturz vermutlich erfroren.

Weil sie so gute Ohren hat

Maria (12) bewahrt Nachbarin (86) vor dem Erfrierungstod

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Aßling - Ohne Marias aufmerksame Ohren wäre Lore Falter (86) aus Aßling wohl nicht mehr am Leben. Die Lebensretterin, die als einzige die Hilfeschreie der Seniorin gehört hatte, ist erst zwölf Jahre alt.

Es ist schon dunkel an dem Januarabend, als Lore Falter gegen 17.30 Uhr mit dem Auto von einem Kaffeekränzchen nach Hause zurückkehrt. Die Temperatur nähert sich dem Gefrierpunkt, es beginnt zu schneien.

Die Seniorin parkt ihr Auto in der Garage und will von der Rückbank ihre Handtasche holen. Als sie sich durch die Seitentür ins Auto bückt, wird ihr plötzlich schwarz vor Augen.

„Dann saß ich da“, erinnert sich Falter, dass sie sich nach kurzer Bewusstlosigkeit auf dem kalten Garagenboden wiederfand. Zentimeterweise schob sich die Seniorin von dort in Richtung Haustüre. „Ich hatte gehofft, mich dort irgendwie hochziehen zu können“, schildert sie die qualvollen Minuten.

Was die Gestürzte zu diesem Zeitpunkt nur ahnen kann: Ihr Becken ist angebrochen. Dazu kommt, dass Falter mehrere Operationen an Hüft-, Knie- und Sprunggelenken sowie den Rückenwirbeln hinter sich hat. „Ich hätte nicht mehr aufstehen können“, nickt sie, „dazu fehlt mir die Beweglichkeit.“

In der abgeschiedenen Nachbarschaft hätte das für die alte Frau angesichts der Kälte binnen kürzester Zeit bitterernst werden können, wie ihr schnell bewusst wurde. Ein Handy besitzt sie nicht. „Ich habe dann mein letztes Kapital eingesetzt – meine Stimme“, schildert die Seniorin die bangen Minuten auf dem kalten Boden.

In den zwei Nachbarhäusern aber ist es dunkel. Die Bewohner sind am Abend unterwegs. Nur in einem Zimmer brennt Licht. Dort sieht die zwölfjährige Maria fern. Den Ton hat sie nicht allzu laut gestellt – zum Glück für Lore Falter: „Auf einmal habe ich ,Hallo’-Rufe gehört“, erzählt Maria. „Da bin ich zum Fenster und habe rausgeschaut.“ In der Dunkelheit aber war nichts zu sehen.

Mulmig sei ihr geworden, sagt sie, doch sie entschloss sich, trotzdem etwas zu tun. Maria läuft zum Haus ihrer Großeltern am Ende der Straße. Dort alarmiert sie ihre Oma. „Wir sind dann gemeinsam zu Frau Falter rüber, sie hat laut ,Hilfe’ gerufen“, erzählt das Mädchen. Die Großmuter und die Enkelin helfen zusammen, tragen die Gestürzte gemeinsam in deren Wohnung. Dort ruft Falter selbst den Notarzt.

Nun liegt die 86-Jährige im Krankenhaus, ihr Beckenknochen ist angebrochen. Operiert werden muss sie zum Glück nicht, auf sie wartet jedoch eine langwierige Genesung. Dann will sie sich erst einmal ein Handy zulegen. Ihre junge Lebensretterin lobt Falter in den höchsten Tönen: „Sie ist immer so hilfsbereit.“ Maria dagegen bleibt bescheiden: „Manchmal bringe ich ihr die Post.“

Für ihre Rettungstat wird das Mädchen eine Belohnung bekommen, verspricht die gerettete Nachbarin. Die Retterin freut’s, aber mehr freut sie sich, dass sie einem Menschen in Not helfen konnte. Tragisch: Nur einen Tag nach ihrer guten Tat erfror im Nachbarlandkreis Erding ein junger Mann auf dem Heimweg von einer Feier. Er hatte weniger Glück als Lore Falter. Gut, dass Maria an dem kalten Januarabend nicht weggehört hat.

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