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150 Jahre Eisenbahn in Markt Schwaben: Bilder, Dokumente und Utensilien im Heimatmuseum

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Von: Armin Rösl

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Ein Mann steht vor Schautafeln.
Die Jubiläumsausstellung ist noch an drei Tagen geöffnet. © Johannes Dziemballa

In Erinnerungen an alte Eisenbahnzeiten schwelgen können Besucher im Heimatmuseum Markt Schwaben. Bei der Jubiläumsausstellung „150 Jahren Eisenbahn“.

Markt Schwaben – Wer von den älteren Menschen erinnert sich nicht gerne an jene leicht schaukelnden Fahrten im roten Schienenbus, der auf jeder Weiche etwas tänzelte? Wer stand als Kind nicht gespannt auf einer Brücke, wenn unter ihm eine schnaubende und rasselnde Dampflok durchfuhr und einen für kurze Momente in wärmende Wolken hüllte? Oder an jenen Schaffner, der einem mit ernstem Blick und großer Zange ein Loch in die Fahrkarte zwickte? All diese Erinnerungen werden wach beim Besuch der neuen Sonderausstellung „150 Jahre Eisenbahn in Markt Schwaben“ im Heimatmuseum. Auf 14 Tafeln haben die Museumsfreunde unter Leitung von Bernd Romir wieder viele Fotos, Skizzen und Exponate zusammen getragen, um eine der wichtigsten Mobilitätssäulen der Gemeinde im Rückblick zu dokumentieren.

Ein Mann vor einer Schautafel.
Bernd Romir, Leiter des Heimatmuseums Markt Schwaben. © Johannes Dziemballa

Vor 25 Jahren, beim letzten Jubiläum der rollenden Räder auf stählernen Schienen, hatte die Ebersberger Zeitung bereits mehrere Sonderseiten dazu veröffentlicht. Auch sie sind zu sehen als sichtbares Zeitdokument.

Schon beim Betreten des kleinen Foyers im Museum an der Bahnhofstraße 28 wird klar, dass es hier um die Eisenbahn geht: Von der Wand grüßen eine sogenannte Vorsignalscheibe und ein Signalflügel. Diese Zeichen gaben einem Lokomotivführer in alten Zeiten an, ob er stehen oder fahren durfte; in Markt Schwaben geschah das bereits 1871.

Markt Schwaben: Als die Fahrt nach München 63 Minuten dauerte

Einst, so belegen erste Fahrpläne, dauerte eine Fahrt nach München exakt 63 Minuten, mit insgesamt fünf Stopps. Heute vergehen gerade 26 Minuten bei einem Stopp, um im komfortablen Doppelstock-Waggon mit dem Regionalzug in die Landeshauptstadt zu reisen. Während damals noch schwarze Dinosaurier aus Metall, von Kohlekraft befeuert, durch den Ort stampften, gleitet heutzutage die S-Bahn fast lautlos und seit fast 50 Jahren im Dienst über die Gleise.

Weitere Öffnungstage

Die Sonderausstellung im Heimatmuseum ist noch an folgenden Tagen geöffnet:
Mittwoch, 17. November, von 18 bis 20 Uhr
Sonntag, 21. November, 14 bis 17 Uhr
Sonntag, 5. Dezember, 14 bis 17 Uhr

Schon 1863, so erzählte Bahn-Experte Karl Bürger am Samstag bei der Ausstellungseröffnung den Besucherinnen und Besuchern, habe es die Planung zur Bahnstrecke München-Mühldorf-Simbach gegeben – „per Gesetz“. Ursprünglich sei diese Trasse sogar als Teilstück einer internationalen Fernverbindung angedacht worden, „bis ins italienische Triest“. Daraus wurde dann aber doch nichts, „immerhin“, so Bürger, „reiste auf diesen Schienen schon die österreichische Kaiserin in ihrem Salon-Wagen, fuhr einmal sogar der legendäre Orientexpress“. Zwei Weltkriege und das dafür benötigte Kapital verhinderten immer wieder den Ausbau der Strecke Richtung Osten, letztlich hätten aber auch Naturschützer und der stetige Drang zu mehr Individualverkehr einen Trend gegen die Bahn ausgelöst.

Ein Mann mit einem Buch.
Eisenbahnkenner Karl Bürger. © Johannes Dziemballa

Wer dieser – nicht immer guten alten – Zeit etwas nachtrauert, kann im Markt Schwabener Heimatmuseum nun in Erinnerungen schwelgen. Unzählige Fotos von Lokomotiven aller Art sind hier zu sehen, Bilder vom sogenannten Nostalgie-Zug 1998, Dokumente über den Bau der ersten Fußgängerbrücke über das Gleisgewirr in Höhe des Burgerfelds, aus einer Ecke des Raums grüßt eine Puppe, als Schaffner verkleidet. Auch einige Miniatur-Lokomotiven sind in der Glasvitrine zu sehen, wie Peter Haslbeck vom Modelleisenbahn-Club berichtet, exakt beschriftet, mit genauen Typen- und Zeitangaben. Da stehen eine winzige Rangierlok ebenso wie ehemalige Güter-Waggons oder ein eleganter Schnellzug von einst.

Luftbild
Historisches Foto vom Bahnhof Markt Schwaben. © Johannes Dziemballa

„Schnellzüge sollen auch irgendwann wieder bei uns fahren“, ist Eisenbahn-Kenner Karl Bürger fest überzeugt, „wenn erst einmal die ABS 38, die geplante Ausbaustrecke von Markt Schwaben nach Freilassing, fertig sein wird. Sie wird zweigleisig sein und elektrifiziert, die Züge werden bis 200 km/h schnell“. Allerdings werde an diesem Projekt bereits viele Jahre ohne sichtbares Ergebnis gearbeitet, ganz anders als dim 19. Jahrhundert. Bürger: „Vom ersten Federstrich bis zur Realisierung der Strecke vergingen damals gerade acht Jahre, heute dauert so etwas leider viel länger“.

Wer weiß, wie die Bahn 2046 aussehen wird – dann feiert die lokale Welt der Schiene ihr 175. Jubiläum. Was bestimmt mit einer weiteren Ausstellung im Heimatmuseum gefeiert wird.

Friedbert Holz

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