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56 Unternehmen haben sich in Markt Schwaben vorgestellt und um Auszubildende geworben.

Berufsmesse

Azubis Mangelware

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Junge Leute haben es gut heutzutage. Sie können sich Lehrstellen aussuchen. Zum Beispiel auf der Berufsmesse in Markt Schwaben.

Markt Schwaben – Raphael Brandes, Wirt des Oberbräu am Schwabener Marktplatz, hat einen Tisch so dekoriert, wie es in der anspruchsvollen Gastronomie üblich ist. An diesem Vormittag ist der erfahrene und schon mehrfach ausgezeichnete Gastronom weniger in eigener Mission in der Dreifachsporthalle des Gymnasiums vertreten, sondern als Repräsentant der Industrie- und Handelskammer München/Oberbayern – und hier speziell für die Gaststätten- und Hotelbranche. „Das Image der Gastronomie sollte besser werden“, sagt er. Und das ist auch seine ganz besondere Mission dieses Tages. Bei Gastronomie und Hotel würden, sagt der Schwabener, viele zuerst an die ungünstigen Arbeitszeiten denken. Oder an eine schlechte Bezahlung. Weniger verbreitet sei die Vorstellung, dass Hotellerie und Gastronomie auch etwas mit Kunst zu tun habe, mit Leidenschaft. Oder, wie es in einem Flugblatt heißt, das Brandes an interessierte junge Leute verteilt, mit der Möglichkeit, Träume wahr werden zu lassen. Auch weit weg im Ausland und spätestens dann auch super bezahlt.

111 Berufe vertritt Brandes an diesem Vormittag. Berufe mit weltweiter Jobgarantie. Vom Koch über Hotelfachleute bis zur Fachkraft im Gastgewerbe. Die Betätigungsmöglichkeiten sind vielfältig. So vielfältig, dass der Inhaber und Geschäftsführer des Wirtshaus im Oberbräu jederzeit gerne für weitere junge Leute als Ansprechpartner zur Verfügung stehen würde, die sich demnächst um Ausbildungsstellen bewerben. Seine Mailadresse lautet: info@wirtshaus-im-oberbraeu.de. Und die Internetseite seines Verbandes: www.dehoga-bayern.de.

Brandes ist einer von 56 Unternehmern und/oder Unternehmen, die an diesem Donnerstag um die Gunst vieler junger Leute werben. Es gebe, sagen alle an den Ständen, viel mehr Ausbildungsstellen als Interessenten. Und das Verhältnis werde sich noch weiter verschlechtern. „Der Kampf um Azubis wird härter werden“, schätzt auch Günter Furtner, Vorsitzender des Poinger Gewerbeverbandes. Er weiß: Die Jugendlichen hatten immer und haben auch heute noch Favoriten, zum Beispiel Friseurin oder Mechatroniker. Andere Berufe seien dagegen nicht „in“, und hier gebe es Probleme, besonders beim Handwerk.

Schülerinnen und Schüler der Mittelschulen Poing und Markt Schwaben, der Seerosenschule, der Realschule und des Gymnasiums haben an diesem Vormittag beste Gelegenheiten, sich direkt zu informieren. Teilweise sind die Chefs persönlich da, um mit potenziellen Lehrkräften zu sprechen. Wer sich von den jungen Leuten traut, bekommt mitunter ganz interessante Einblicke. Zum Beispiel von Stefanie Tetzner, die für die Stadt München da ist. Ja. München wirbt im Umland um Azubis? Die Landeshauptstadt, berichtet sie, könne den Bedarf an eigenen Kräften nicht decken. Die Aufgabenfelder seien immerhin vielfältig. Die Stadt hat 36 000 Mitarbeiter. Heuer wurden 1200 Lehrlinge eingestellt, 65 Prozent davon stammen aus dem Umland. Darunter Kaufleute, Verwaltungsfachangestellte, Verwaltungswirte, Informatiker, aber auch Floristen, Gärtner, Berufsfeuerwehrler, Geomatiker, Kfz-Mechatroniker oder Fachleute für Veranstaltungstechnik. Und echte Exotenberufe gibt es auch zu erlernen: Herren- und Damenmaßschneider zum Beispiel für das Kammerspiel-Theater und sogar Landwirte. Vier traten heute diese Lehre an.

Händeringend suchend ist auch Benedikt Siebler, der für den Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt zugegen ist. Er will den Besuchern Berufe schmackhaft machen, bei denen es um Arbeit mit Menschen mit Beeinträchtigungen geht. Jedermann weiß es, man liest es fast täglich: Dringend gesucht werden Heilerziehungspfleger, aber auch Altenpfleger und Erzieher. Und hier speziell junge Männer. Siebler: „Die Erfahrung hat gezeigt, dass wir bei unserer Arbeit dringend männliche Bezugspersonen benötigen“.

Solche geschlechtsspezifischen Wünsche hat man bei Océ in Poing nicht. Der größte Arbeitgeber im Landkreis ist da, weil der größter Arbeitgeber im Landkreis da sein muss, wenn es um lokale Berufsmessen dieser Art geht. Auch Océ sucht Azubis für die Berufe Mechatroniker, dazu Kaufleute oder Industriemechaniker, aber nur mit „Quali“. Mindestens. Ganz erfolglos waren Manager Günter Hargasser und Kollegen nicht. Knapp eine Stunde nach Eröffnung der Messe haben die Druckmaschinenhersteller sechs Bewerbungen auf Stellen als Industriemechaniker angenommen.

So etwas scheint sich, ein paar Meter weiter, Sandra Schmidt als Vertreterin der Excelitas Company noch zu wünschen. Sie macht auf Karrierechancen in den Sparten Optik und Photonik, Sensorik und Lichttechnik aufmerksam. Klingt spannend. Sie sucht Jugendliche, die sich für Berufe wie Zerspanungsmechaniker, Industriekaufleute oder eben auch Industriemechaniker begeistern können. Der Bedarf der Wirtschaft sei deutlich größer als das Angebot, sagt auch sie. Und schätzt, dass der Konkurrenzkampf unter den Azubi-Suchenden größer werde als er bislang schon sei. In der Sporthalle würde man an diesem Tag nur schwerlich jemanden finden, der eine andere Einschätzung hätte.

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