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Jaqueline Frechen leitet die Offene Ganztagsschule am Franz-Marc-Gymnasium.

Ganztagsschulen

An der Kapazitätsgrenze

Markt Schwaben - Fast 200 Buben und Mädchen nutzen die Ganztagsangebote am Schwabener Gymnasium. Mehr geht nicht. Ein Blick hinter die Kulissen. 

Jaqueline Frechen ist sehr zufrieden, wenn sie von der Offenen Ganztagsschule am Franz-Marc-Gymnasium (FMG) spricht. Die anerkannte Erzieherin leitet die Einrichtung am FMG seit ihrer Gründung im Jahr 2009. Mittlerweile besuchen 185 Schülerinnen und Schüler der fünften bis zehnten Klassen das Nachmittagsangebot. „Damit sind wir nun aber sowohl räumlich als auch personell an einer Kapazitätsgrenze“, gibt Jaqueline Frechen zu bedenken. „Sollten sich die Zahlen weiter nach oben entwickeln, werden wir nicht mehr jeden nehmen können.“ Das würde dann wohl vor allem die älteren Schüler treffen, bei denen eine Betreuung am Nachmittag nicht mehr unbedingt nötig ist.

Für die stetig steigende Nachfrage nach der Offenen Ganztagsschule sieht Jaqueline Frechen den starken Zuzug in den Ballungsraum München, durch den die Schülerzahlen steigen, aber auch die damit verbundenen Mietpreissteigerungen verantwortlich. „Viele Eltern können es sich schlicht und ergreifend nicht leisten, dass ein Elternteil zuhause bleibt oder nur halbtags arbeitet. Hier kommen dann wir ins Spiel.“

Das kostenfreie Betreuungsangebot der Offenen Ganztagsschule läuft bis 16 Uhr und kann von den Eltern bis 17 Uhr verlängert werden. Am Freitag endet die Betreuung um 15 Uhr. Von den Eltern müssen mindestens zwei Nachmittage gebucht werden, maximal sind vier Tage möglich.

Start des Betreuungsangebots der Offenen Ganztagsschule ist um 12.25 Uhr. Die Kinder können dann in der Kantine des Franz-Marc-Gymnasiums zu Mittag essen oder die Zeit bis 14 Uhr anderweitig nutzen. „Diese Zeit ist sehr wichtig für die Kinder, um etwas Abstand von der Schule zu bekommen. Wir nutzen die Stunde für viele Gespräche und ersetzen so die Mittagessen-Gespräche zuhause.“ Gerade bei jüngeren Schülern sei es auch schon einmal nötig, sie zu trösten, wenn sie eine schlechte Note erhalten haben sollten.

Ab 14 Uhr startet dann die Hausaufgabenzeit. Dazu werden die Schüler in Kleingruppen von acht bis zehn Schülern aufgeteilt und auch betreut. Hier können Jaqueline Frechen und ihre drei festangestellten Kolleginnen auf die Unterstützung von zahlreichen Studenten zurückgreifen. „Insgesamt beschäftigen wir derzeit 23 Studenten, größtenteils angehende Lehrer, die uns bei der Betreuung der Kinder unterstützen. Das funktioniert ausgezeichnet. Auch weil Schüler und Studenten auf Grund des nicht so großen Altersunterschieds oft auf einer gemeinsamen Wellenlänge sind.“

Eines ist Jaqueline Frechen in Bezug auf die Hausaufgabenbetreuung wichtig. „Wir sind keine Nachhilfeeinrichtung. Wir bieten den Schülern die Möglichkeit, bei uns ihre Hausaufgaben zu erledigen und helfen bei Verständnisproblemen – soweit möglich. Aber wir können keine individuelle Nachhilfe geben.“

Sie betont das, weil es immer wieder zu Besuchen von Eltern kommt, die sich beklagen, dass ihr Kind trotz der Offenen Ganztagsschule immer noch so schlechte Noten hat. Nach der Hausaufgabenzeit haben die Schüler dann Freizeit, die sie individuell nutzen können. Während im Sommer gerne draußen gespielt wird, stehen im Winter Tischkicker und Brettspiele hoch im Kurs. Die kleineren Kinder basteln oder malen auch oft. „Weil es bei uns keine PCs gibt und auch ein Handyverbot herrscht, ist es für viele Kinder eine ganz neue Erfahrung, sich so zu beschäftigen“, sagt Jaqueline Frechen mit einem Schmunzeln.

Immer wieder werden auch feste Freizeitaktivitäten angeboten. Für das zweite Halbjahr dieses Schuljahres ist zum Beispiel noch ein Kurs im Maschinenschreiben angedacht. Die Initiative hierfür kam von einigen Schülern. „Wir gehen gerne auf Wünsche der Schülerinnen und Schüler ein, aber wir sind keine Animateure. Wenn die Schüler sich etwas wünschen, dann wird es in aller Regel auch gut angenommen. Es bringt nichts, wenn wir uns etwas überlegen und dann hat keiner Lust darauf“, erzählt Jaqueline Frechen.

Als Lokalität steht der Offenen Ganztagsschule am Franz-Marc-Gymnasium ein fester Freizeitraum zur Verfügung. Dieser ist nicht wie ein typisches Klassenzimmer eingerichtet, sondern eher wie ein Jugendzentrum. „Es ist wichtig, hier von der Ausstattung und auch der Anmutung des Raums kein Klassenzimmer zu haben. Die Kinder sollen sich wohlfühlen, und es soll nicht eine klassische Schulatmosphäre herrschen.“

Anders bei der Hausaufgabenzeit. Hierfür werden zahlreiche „klassische“ Klassenzimmer genutzt. Eine Sache, die am Gymnasium ausgezeichnet funktioniert. In anderen Schulen sei das oft schwieriger mit der Raumsituation. „Hier profitieren wir davon, dass wir alle nur denkbare Unterstützung aus dem Direktorat bekommen. Herr Dittmann (Direktor des FMG, Anm. der Red.) hat von Anfang an erkannt, dass die Offene Ganztagsschule ein wichtiges Angebot für berufstätige Eltern ist, das auch seine Schule als Ganzes aufwertet“, so Jaqueline Frechen.

Und auch die Schüler schätzen die Offene Ganztagsschule. Gerade bei den älteren Schülern komme es oft vor, dass diese sich freiwillig selbst anmelden. „Wir sind bei den älteren Schülern oft viel mehr als reine Betreuer. Das geht dann oft eher in die Richtung Ratgeber. Da kommt es schon einmal vor, dass man von jemandem, der frisch seine erste Freundin hat, gefragt wird, ob man beim Küssen die Augen schließt oder offen lässt.“

Für Jaqueline Frechen sind solche Fragen ein echter Vertrauensbeweis. Umso schlimmer wäre es, wenn man diese Schüler in Zukunft aus Kapazitätsgründen nicht mehr aufnehmen könnte. 

Tobias Bönte

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