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Überwinternde Störche: Bloß nicht füttern!

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Von: Sabine Heine

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Diese drei Störche sind derzeit bei Markt Schwaben zu sehen.
Diese drei Störche sind derzeit bei Markt Schwaben zu sehen. © Privat

Die armen Tiere? Sicher nicht! Störche und andere Großvögel, die dieses Jahr nicht in den Süden gezogen sind, kommen gut mit winterlichen Verhältnissen zurecht. Hauptsache, sie haben ihre Ruhe, sagt der Markt Schwaben Vogelexperte Richard Straub.

Landkreis – Drei Störche auf einer verschneiten Wiese. Ein eher ungewohnter Anblick. So ungewöhnlich jedenfalls, dass sich tierliebe Passanten Sorgen machen um die Großvögel. Dass sie erfrieren und verhungern könnten, befürchtet zum Beispiel der Leser, der uns das Foto geschickt hat, und fragt, wie man denn den Störchen helfen könne.

„Gar nicht!“ Kurz und knapp antwortet Richard Straub, stellvertretender Kreisgruppenvorsitzender des Landesbunds für Vogelschutz und seit Jahrzehnten Horstbetreuer im Landkreis. Und er erklärt auch warum.

„Der Storch kommt viel besser mit dem Winter klar, als viele meinen“, sagt Straub. „Der hat überhaupt keine Probleme mit Kälte, Schnee oder Nässe.“

Über eine kleine Meise mache sich niemand Gedanken, meint Straub, dabei habe die doch viel mehr mit eisigen Temperaturen zu kämpfen als so ein großer, dicht gefiederter Storch.

Circa 300 Störche, weiß Straub, überwintern inzwischen jedes Jahr in Bayern. Nicht alle zieht es in der kalten Jahreszeit in die Türkei oder nach Afrika zurück. Sie haben sich angepasst. Und das, erklärt der Storchen-Fachmann, habe ganz einfache Gründe.

Der Klimawandel mit seinen wärmeren Wintern, verleite den einen oder anderen Storch zum Bleiben. Ist der Winter mild, war der Versuch erfolgreich – und der Storch wird im nächsten Jahr wieder hierbleiben.

Auch Zuchtprogramme und ihre Folgen haben vor 30 und mehr Jahren ihren Beitrag dazu geleistet, dass immer mehr Störche den Winter in Bayern verbringen wollen – und irgendwann verlieren die Vögel den Trieb.

„Bleiben Sie fern von den Vögeln“, bittet Straub alle Naturliebhaber und Spaziergänger. „Das ist das Beste, was Sie für sie tun können!“ Wie bei allen anderen Wildtieren gelte es im Winter, den Tieren ihre Ruhe zu lassen, auch damit sie nicht unnötig Energie verbrauchen.

Und: „Auf keinen Fall füttern!“, so Straub. „Störche finden auch bei tiefem Schnee genügend Mäuse, und sie kennen die Gewässer, die auch bei starken Frost nicht zufrieren.“

Den wohlmeinenden Drang so vieler Menschen, Vögel im Winter mit Lebensmitteln zu füttern, kann er zwar irgendwie nachvollziehen, rät aber dringend davon ab und warnt: „Wildvogelfütterung ist ja auch mit gutem Grund durch EU-Richtlinien verboten.“ Dazu zählt übrigens auch das Füttern von Enten und Schwänen an Gewässern.

Ja, und auch, wenn es keiner lesen will, zum Überwintern gehört auch die natürliche Selektion, heißt, schwache Tiere schaffen es nicht durch einen harten Winter. „Das dient der Gesunderhaltung der Art und ist wichtig“, sagt Straub und an alle manchmal zu gut meinenden, eher naturfernen „Tierfreunde“ gerichtet. „Das soll man akzeptieren.“

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