Die Brücke hat an ihn geglaubt: Florian Weidenbach (re.), der einst von dem Verein aufgefangen wurde, bedankt sich bei Ernst Weinzierl von der Brücke mit einer großzügigen Spende als kleines Dankeschön.
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Die Brücke hat an ihn geglaubt: Florian Weidenbach (re.), der einst von dem Verein aufgefangen wurde, bedankt sich bei Ernst Weinzierl von der Brücke mit einer großzügigen Spende als kleines Dankeschön.

Einst war Florian Weidenbach mit dem Gesetz in Konflikt geraten, heute ist er Vertriebsleiter

Eine Brücke ins Leben für Jugendliche auf der schiefen Bahn

  • vonJörg Domke
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Aus einem Jugendlichen, der auf die schiefe Bahn geraten war, ist ein erfolgreicher Vertriebsleiter geworden. Möglich gemacht hat das Verein „Die Brücke“, die immer an den jungen Mann glaubte.

Landkreis – Florian Weidenbach hatte das, was man allgemein eine „nicht einfache Kindheit nennt“. Er war gerade einmal zwölf Jahre alt, als sich der Vater von der Familie trennte, als Mutter, Tochter und er als Sohn plötzlich auf sich gestellt waren in Vaterstetten.

Ziemlich schnell stellten sich schulische Probleme ein. Die Noten wurden schlechter. „Ich war aufmüpfig“, sagt der 39-Jährige heute. Und: Es gab Konflikte mit dem Gesetz. Die zu Jugendstrafen und zu sozialen Diensten führten. Zum Beispiel zum Holzschlagen im Ebersberger Forst oder zu Arbeiten im Altenheim.

„Die Brücke“ gibt es seit vier Jahrzehnten

Dass Florian Weidenbach dort tätig werden konnte, hatte er nicht zuletzt dem Verein „Die Brücke“ zu verdanken, der sich seit vier Jahrzehnten im Landkreis darum kümmert, Jugendliche und Erwachsene in schwierigen Lagen eben zu solchen sozialen Diensten zu vermitteln. Vorher, bevor es die „Brücke“ im Landkreis gab, landeten die jungen Klienten sogar im Gefängnis oder wurden zumindest zu einer Geldstrafe verdonnert.

Florian überwand das, was er heute Startschwierigkeiten nennt. Nicht zuletzt Dank der Hilfe von Leuten wie Ernst Weinzierl, inzwischen Geschäftsführer bei der „Brücke“, oder Karin Fritz, die sich des damaligen Jugendlichen besonders annahm. „Die haben an mich geglaubt“, sagt Florian Weidenbach heute. Und das habe Selbstvertrauen geschaffen.

Am Ende den „Quali“ geschafft

Immerhin so viel, dass selbst Rückschläge an der Realschule überwunden wurden und am Ende, weil sich die „Brücke“-Leute unbeirrt und engagiert in seine Sache einmischten, immerhin noch der „Quali“ heraussprang.

Damit ging es für den jungen Mann zuerst in einer Baudruckerei weiter. Ein Job, nicht mehr und nicht weniger. Die „Brücke“ besorgte ihm ein Zimmer im Schwesternwohnheim in Ebersberg. Da war Florian gerade mal 17.

Über den Vater eines Freundes („auch jemand, der an mich geglaubt hat“) ging es später in ein Hotel nahe des Münchner Hauptbahnhofs. Dort absolvierte Florian Weidenbach bis 2004 eine ganz normale Lehre. Nicht ohne Nebeneffekt, denn inzwischen hatte er, wie er heute sagt, „Blut geleckt“. Erkannt, dass es sich lohnt, sich reinzuhängen. Dass von nichts nichts komme. Auch im Hotelgewerbe, das gewöhnlich mit ziemlich viel Arbeit verbunden ist.

Hochgearbeitet zum Chef-Concierge

Der gebürtige Allgäuer fand im 5-Sterne-Haus „Palace“ in Bogenhausen an der Rezeption eine erste echte Stelle, blieb aber nur ein Jahr. Was folgte, waren 14 Jahre im „Bayerischen Hof“ bis 2019. Am Ende hochgedient bis zum Chef-Concierge. Zuständig für die besondere Betreuung der ganz besonderen Gäste.

Davon gab und gibt es in dem Nobelhotel in der Münchner City bekanntlich eine ganze Menge. Mit wem der junge Mann aus dem Landkreis Ebersberg da zu tun hatte, da schweigt der Mitarbeiter bis heute. Man redet nicht darüber, lautet ein Kodex, dem sich Florian Weidenbach natürlich noch immer verpflichtet fühlt.

Dass im „Bayerischen Hof“ weltberühmte Künstler ein- und ausgehen, dass dort die Münchner Sicherheitskonferenz stattfand und stattfindet, dass es dort etwa den Deutschen Filmball gab und gibt: Das alles lässt erahnen, dass der junge Mann mit den einstigen Startschwierigkeiten längst den stilechten und angemessenen Umgang mit den ganz Großen dieser Welt gelernt hat.

Vetriebsleiter bei PVF in Martk Schwaben

Dann folgte im vergangenen Jahr die Hochzeit mit seiner Frau Julia. Die hat inzwischen die Firma ihres Vaters Peter Fleischer übernommen. Und neuerdings ist Florian Weidenbach dort bei „PVF“ Vertriebsleiter. Gehandelt wird in erster Linie mit japanischem Spezialgewebe, das etwa als Filter-Vlies bei der Herstellung hochwertiger Mund-Nase-Masken in der Qualitätsstufe KN 95 oder FFP 2 zum Einsatz kommt.

PVF hat den Sitz in Markt Schwaben. Und ist, weil sozial stets engagiert, besonders im Advent unterwegs, um Projekte zu unterstützen. Früher oft die SOS-Kinderdörfer. Heuer aber, auf besonderen Wunsch des neuen Vertriebsleiters, lokal. „Es war mir ein Herzenswunsch, der Brücke etwas von dem zurückzugeben, was ich einmal bekommen habe“, sagte Florian Weidenbach, als er nun „Brücke“-Geschäftsführer Ernst Weinzierl einen Scheck über 1000 Euro überreichte.

Der wusste mit dem Betrag gleich etwas anzufangen. Man werde die Spende einsetzen, um einer in Not geratenen Mutter dreier Kinder eine Küche zu beschaffen, hieß es. Vielleicht eine Investition, die den Kindern eine ähnlich glückliche Wende im Leben bescheren wird wie einst die Menschen, die an Florian aus Vaterstetten glaubten.

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