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Der Bahnhof Markt Schwaben: Eine Menge soll hier passieren in den nächsten Jahren. Bahn und Bürgergruppe kümmern sich gemeinsam um den optimalen Schutz der Anlieger

Bahnlärm

Im Schulterschluss zum optimalen Schutz

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Gemeinsam zum optimalen Schutz. Daran arbeiten Bahn AG und Bürgerinitiative Bahnausbau in Markt Schwaben

Markt Schwaben – Als der Projektleiter der Deutschen Bahn AG für den Ausbau der Strecke München-Mühldorf-Freilassing (ABS 38), Klaus-Peter Zellmer, Mitte November vergangenen Jahres bei einem Stammtisch der CSU Markt Schwaben die Planungen seines Arbeitgebers für den Streckenausbau speziell im Bereich der Marktgemeinde Markt Schwaben vorstellte, war einiges ungewöhnlich. Nicht zuletzt die Atmosphäre, in der die Bahnvertreter einerseits und die Gemeindeverwaltung sowie die in der Bürgerinitiative Bahnausbau seit fast 30 Jahren locker organisierten Bürgerinnen und Bürger andererseits aufeinander zuzugehen pflegten. Es herrschte ein, so darf man wohl behaupten, eher lockeres Klima. Eines, das geeignet erschien, gemeinsam und im Schulterschluss daran zu tüfteln, den Schutz der Anlieger so optimal wie möglich zu gestalten, wenn es einmal den Ausbau der Strecke via Mühldorf nach Freilassing geben wird.

Den wohlwollenden Worten bei abendlichen Treffen im Brauhaus Schweiger folgten, ebenfalls wohl leider etwas nicht Gewöhnliches heutzutage, in der Tat auch Taten. Zuerst einmal ein regelmäßiger Mailkontakt zwischen dem Bahn-Projektanten und Monika Schützeichel, die Mitte der 80er Jahre treibende Kraft war, mit Hilfe einer Initiative einen bestmöglichen Lärm- und Erschütterungsschutz für Markt Schwaben zu erreichen. In diesen Tagen nun fand ein Arbeitstreffen statt, zu dem Zellmer mit Monika Schützeichel, Josef Zweckstätter und Achim Herzog drei Sprecher der Initiative nach München eingeladen hatte. Es sei ein sehr konstruktives, von Vertraulichkeit geprägtes und insgesamt angenehmes Gespräch gewesen, so die engagierten Bürger in einem informativen Gespräch mit der Heimatzeitung.

Besonders schätzten die Markt Schwabener Vertreter, dass von einer blockierenden Informationspolitik seitens der Bahn AG nichts mehr zu spüren gewesen sei. Da hatte man im Laufe der drei Jahrzehnte, so lange dauert das Engagement der Initiative bereits, auch schon ganz andere Erfahrungen machen müssen.

Grundlage des Treffens in der Münchner Bahn-Zentrale waren die aktuellen Pläne, nach denen die Bahnstrecke im Bereich Markt Schwabens aus- und umgebaut werden soll. Nach dem Studium dieser Unterlagen hätten sich ein paar Fragen ergeben, so Monika Schützeichel, um deren Beantwortung es bei dem Kontakt mit Zellmer und seinen Kollegen in diesen Tagen gegangen sei.

Unter anderem wollten die Schwabener mehr Informationen über den geplanten Lärm- und Erschütterungsschutz bekommen. Von besonderem Interesse waren dem Vernehmen nach auch die geplante Situierung neuer Weichen in Höhe Hartlaubring sowie der laut dem aktuellen Plan nicht vorgesehene Lärmschutz in Höhe der Geltinger Straße auf Westseite.

Ob die Einwände des Besucher-Trios erfolgversprechend sein werden, kann noch nicht mit Bestimmtheit gesagt werden. „Die Bahn-Leute haben jedenfalls einige Notizen gemacht“, berichtet Monika Schützeichel. Konkrete Aussagen etwa zu der Art und Weise des Lärmschutzes lägen nach ihren Informationen auch noch nicht vor. Ein Fachbüro, wurde gesagt, nehme gerade die Berechnungen vor. Mit Ergebnissen sei womöglich erst in einem Jahr zu rechnen. So lange sei offen, mit welchen Schallschutzwandhöhen es die Anlieger einmal zu tun bekommen werden. „Wir werden sicherlich vorher noch mal nachfragen“, kündigten Schützeichel und Zweckstätter gegenüber der EZ schon mal an, sozusagen am Ball bleiben zu wollen.

Einen besonderen Augenmerk will man in jedem Fall auf den Erschütterungsschutz legen. Speziell aus dem Bereich Goethering und Hartlaubring sind der Initiative Hinweise zugetragen worden, dass durch Markt Schwaben rauschende Züge auch schon mal Gläser und Porzellan hat vibrieren lassen. Durch zusätzliche Weichen vor, im Bahnhof und auch dahinter könnte dieses Problem noch größer werden, ist die Sorge.

Dass es Veränderungen bei der Situierung und Anzahl der Weichen im Gemeindegebiet wird geben müssen, erkennt die Initiative dabei voll an. Schließlich soll ein fünftes Gleis im Bahnhof in Betrieb gebracht werden. Und das müsse halt auch irgendwie angebunden werden.

Dass Bürger beim Thema Bahnausbau auch irgendwie Verständnis für wirtschaftliche Belange und technische Zwänge der Bahn AG zeigen, ist aus Sicht der Projektanten durchaus nicht gewöhnlich. Josef Zweckstätter und Monika Schützeichel sprechen inzwischen von einem gut funktionierenden Dreieck aus Gemeindeverwaltung, Bahn und Initiative. „Wir wissen, welche Möglichkeiten da sind und wo es Grenzen des Machbaren gibt. Die vorhandenen Spielräume sollten aber ausgenutzt werden; und das am besten im Dialog“, so Schützeichel, die auch Mitglied im Marktgemeinderat ist.

Übrigens: Wer in diesem Sinne bei der Bürgergruppe mitmachen möchte, ist gerne gesehen. Es gehe aber rein um die Sache und nicht um Widerstand des Widerstands Willen, betonen die beiden Teilnehmer in dem aktuellen Pressegespräch.

Mit einer Fertigstellung der Planung wird in den Jahren 2019 bzw. 2020 gerechnet, eine bauliche Vollendung sicherlich nicht vor 2022, eher 2025. Abgetrennt davon läuft der barrierefreie Aus- und Umbau des Schwabener Bahnhofs parallel weiter. Diese lang ersehnte Maßnahme soll dem Vernehmen nach 2020 fertiggestellt sein.

Eine „Kröte“ wird man indes nach Einschätzung der Bürgergruppe schlucken müssen, denn den Übergang Feichten wird es irgendwann einmal nicht mehr geben. Ein Erhalt wäre nur möglich in Verbindung mit einer Kostenmitbeteiligung der unmittelbaren Anlieger. Die im Raume gestandenen Beträge seien aber unerschwinglich.

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