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Wie viele der Fliegern, die in München starten oder landen, kommen direkt über den nördlichen Landkreis Ebersberg? Einige hiesige Bürgermeister fühlen sich bei dieser Sachfrage nicht ausreichend informiert.

Bürgermeister zweifeln an Start- und Landedaten

Fluglärm: Irgendetwas passt da nicht

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Ein Phänomen, das es nicht geben dürfte: Deutlich hörbar rauschten Flugzeuge direkt über die Gemeinde Markt Schwaben: und zwar exakt um 0.00 Uhr, um 0.07 Uhr, 0.15 Uhr und nochmals zwischen 0.40 und 0.45 Uhr.

Markt Schwaben/Landkreis – Marktgemeinderatssitzungen bis Mitternacht haben manchmal auch positive Nebenwirkungen. Als  die Damen und Herren Mandatsträger aus Markt Schwaben mal wieder bis in den neuen Tag berieten, wurden sie Augen- und Ohrenzeugen eines Phänomens, das so gar nicht hätte vorkommen dürfen. Deutlich vernehmbar rauschten Flugzeuge direkt über die Marktgemeinde; und zwar exakt um 0.00 Uhr, um 0.07 Uhr, 0.15 Uhr und nochmals zwischen 0.40 und 0.45 Uhr.

Vier Flieger zur „Geister“-Stunde? Es waren keine Wahrnehmungen übersensibler Bewohner der Marktgemeinde, sondern die des Ersten Bürgermeisters. Und sie schienen das zu bestätigen, was Georg Hohmann schon wenige Tage zuvor, im Rahmen der regulären Bürgerversammlung, kritisch anmerkte: Das, was tatsächlich über Markt Schwaben und den nördlichen Landkreis fliegt und das, was nach Angaben der Deutschen Flugsicherung (DFS) über Markt Schwaben fliegt, sind offenbar zwei Paar Schuhe.

Mit seinen Nachbarbürgermeistern in Poing, Pliening, Anzing und Forstinning hat sich Hohmann in Sachen Fluglärm längst zusammengetan. Nicht zuletzt, weil auch in den anderen Kommunen im Landkreisnorden der Eindruck vorherrscht, zuletzt in der Öffentlichkeit präsentierte Fakten der DFS seien nicht die Widerspiegelung der Wirklichkeit.

„Ich bin sehr hinter dem Thema her“, hatte Hohmann den Bürgern im Unterbräusaal noch versichert. Und doch gleich angefügt, dass es ein schwieriges Miteinander zwischen den Kommunen im Landkreisnorden und der DFS zu geben scheint.

Zur besseren Beurteilung, ob mehr Flieger über Markt Schwaben fliegen gegenüber früheren Jahren, hatte die Gemeinde daher schon im Frühjahr Auswertungen aus Datenmaterial der Flugsicherer angefordert. FANOMOS heißt das Stichwort. Seit 2005 bietet die DFS Flugsicherung GmbH nach eigenen Angaben Bürgerinnen und Bürgern diesen Service auch online an, damals wurde am Frankfurter Flughafen gestartet. Auf ihrer Internet-Homepage können die Flugspuren der An- und Abflüge verfolgt werden. Mit einem Zeitversatz von 30 Minuten werden die Flüge im Nahverkehrsbereich des Flughafens quasi „live“ dargestellt. Auch die Flugspuren der letzten 14 Tage sind abrufbar, heißt es. Unter www.dfs.de kann der neue Service genutzt werden (siehe auch spezielle Links im Extrakasten). „Mit diesem Flugspuraufzeichnungssystem können Verläufe einzelner Flugspuren von an- und abfliegenden Luftfahrzeugen dargestellt und ausgewertet werden. Da es auf Radardaten basiert, dient es auch als wichtiges Hilfsmittel bei Fluglärmbeschwerden und Ordnungswidrigkeitsverfahren“, heißt es ferner bei „dfs.de“. Einige solcher FANOMOS-Aufzeichnungen (an drei Tagen in drei verschiedenen Jahren) hatte Hohmann nach eigenen Angaben bei einer Infoveranstaltung der DFS persönlich einmal gesehen. Die Botschaft des Abends war wohl: Es fliegen kaum bis keine Flugzeuge über Markt Schwaben. Weil aber ihm und anderen Zweifel kamen, wurden heuer am 15. März durch Hohmann und die Bürgermeisterkollegen brieflich mehr Daten bei der Flugsicherung angefordert; und zwar an allen Juni-Tagen der Jahre 2013 bis 2016. „Wir wollen vergleichen können“, begründete der Schwabener Rathauschef jetzt in einem Gespräch mit der EZ. Und weil man glaubt, dass es 2013 weniger Flugbewegungen im Landkreisnorden gab als 2016. Das Antwortschreiben ging am 21. April ein. Und es war nach Hohmanns Worten „ernüchternd“. Die DFS geht davon aus, allen Anfragen der hiesigen Bürgermeister Rechnung getragen zu haben und hat entschieden, keine weiteren Auswertungen durchzuführen (siehe Kasten). Er bedauert diese Entscheidung und hofft, dass die DFS noch die Tür zur Zusammenarbeit öffnet und den Bürgermeistern die angeforderten Unterlagen zukommen lässt. Hohmann: „Meine Kollegen und ich wollen gar nicht wissen, wie hoch der hervorgerufene Schalldruckpegel am Boden ist, sie wollen einzig wissen, wie viele Flugzeuge im Juni in den Jahren 2013 bis 2016 geflogen sind.“ Dies blieb aus seiner Sicht bis jetzt unbeantwortet.

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