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Die Bürgerversammlu ng war gut besucht. Ganz junge Markt Schwabener musste man allerdings suchen.  

Bürgerversammlung

Markt Schwaben setzt auf mehr Gewerbe

Schule, Straßen und mehr: Markt Schwaben will weiteres Gewerbe ansiedeln, um die massiven anstehenden Investitionen mit höheren Steuereinnahmen aufzufangen. 

Markt Schwaben – Waren es der Zwei-Stunden-Monolog von Bürgermeister Georg Hohmann oder die exakt 100 Schaubilder, die der Gemeindechef bei der Bürgerversammlung im Unterbräusaal aufgelegt hatte? Merklich erschlafft meldeten sich danach jedenfalls nur vier Schwabener, um bei der öffentlichen Aussprache ihre Sorgen zur Diskussion zu stellen.

Volker Seibt bemängelte etwa, dass am Bahnhof zu wenige Fahrrad-Abstellplätze seien. Zudem seien diese zu schmal, Beschädigungen an den Rädern daher nicht auszuschließen. Hohmann ist diese Misere bekannt, er kann sich dort etwa eine doppelstöckige Lösung wie an anderen Bahnhöfen vorstellen – „allein die Finanzierung dafür ist keinesfalls geklärt“.

Wolfgang Eiba brach eine Lanze für das Hallenbad in der Schule. Zudem wollte er wissen, wann denn die Beheizung durch das separate Blockheizkraftwerk dort gesichert sei. Eiba: „Wir dürfen das Bad nicht sterben lassen, Generationen von Kindern haben hier schwimmen gelernt“. Zudem, so sein vorauseilender Gedanke bezüglich der Rentabilität, „sollte eine Gemeinde im Dienst ihrer Bürger handeln und nicht primär nach rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten“. Bettina Ismair griff den Gedanken des Bürgermeisters auf, dass Markt Schwaben ein besonders gutes soziales Netz habe. 2014 habe die Gemeinde dafür sogar den Deutschen Bürgerpreis erhalten. Nun erwarte sie auch, dass diese Trophäe im umgebauten Rathaus attraktiv präsentiert werde. Hohmann versprach, ihren Antrag alsbald in Taten umzusetzen.

Susanne Zaus hingegen nahm ihren Antrag gleich wieder zurück, nachdem sie erfahren hatte, dass die Umsetzung ihres Wunsches wohl unrealistisch ist. Sie hatte vorgeschlagen, dass die Routen der Flugzeuge zum und vom Flughafen München jährlich neu verteilt werden müssten, immer nach dem Winterflugplan: „Es kann doch nicht sein, dass nur Markt Schwaben von Fluglärm betroffen wird“. Zu diesem leidigen Thema hatte Georg Hohmann keine guten Nachrichten dabei. „Wir haben uns mehrfach mit der Fluglärmkommission getroffen und unsere Bedenken vorgebracht. Doch selbst nach Vergleichsmessungen sehen die Verantwortlichen keine weitere Handlungs-Maßgabe“.

Erfreulicheres verkündete er zu zwei brennenden Straßen-Projekten. Einerseits bestehe die Chance, den lange gewünschten Radweg nach Finsing endlich umzusetzen. Außerdem soll „im Herbst 2018“ der Verkehrskreisel an der Kreuzung Poinger-/Geltinger Straße fertig sein. Beim derzeit wohl größten Bauprojekt der Gemeinde, dem Neubau der Grund- und Mittelschule, stehe jetzt der so genannte Realisierungswettbewerb an. „Diese Prozedur kann zwar dauern, sie ist aber sehr wichtig“.

Für vier neue Grundschulklassen, so Hohmann in seiner Vorausschau, sind weitere Container geplant. Zudem stehen die Sanierung des Bauhofs und der Neubau des Wertstoffhofs an, die Renaturierung am Hennigbach und der Breitbandausbau durch die Telekom.

Ein zentraler WLAN-Spot auf dem Marktplatz wird ebenso kommen wie eine E-Tankstelle für zwei Autos auf dem Rathaus-Vorplatz. „Schließlich“, so der Rathauschef, „werden wir bis 2020 einen komplett umgebauten Bahnhof haben. Dann wird es dort nicht nur einen fünften Bahnsteig geben, sondern auch einen barrierefreien Zugang dank weiterer Aufzüge. Und wir bleiben dran am Hochwasserschutz-Konzept, müssen aber noch Gespräche mit Grundstückseignern und Behörden führen“.

Weil derart viele Projekte auch bezahlt sein wollen, wünscht sich Hohmann eine weitere Ansiedlung von Gewerbebetrieben. „Jede neue mittelständische Firma bringt etwa 200 000 Euro Gewerbesteuer pro Jahr. Da viele Firmen derzeit aus München ins Umland gehen, hoffen wir auf mehr Zuspruch“.

Mit Schaubildern und Zahlenkolonnen legte der Bürgermeister die finanzielle Lage der Gemeinde dar, die ohne die Aufnahme von Darlehen (derzeit geplant: 9,9 Millionen Euro) ihren Gesamthaushalt in Höhe von rund 42 Millionen Euro nicht wird stemmen können.

Grundsätzlich sei die Fluktuation der Einwohner in der Gemeinde relativ hoch, derzeit gebe es mehr Auspendler als Einpendler. „In zehn Jahren ist unsere Bevölkerung einmal komplett umgetauscht und es wird für Schwabener zunehmend schwieriger, am Ort Arbeit zu finden. Laut einer Prognose haben wir im Jahr 2034 immerhin 16.700 Einwohner. Schon heute weisen wir – nach Unterföhring – mit 21 Prozent das stärkste Bevölkerungswachstum in der Region München auf.“ So gesehen wird es, unter anderem, am Bahnhof vermutlich noch viele weitere Fahrrad-Abstellplätze brauchen.

Friedbert Holz

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