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Ortstermin am Mittwoch um 12 Uhr: Markt Schwabens Bürgermeister Georg Hohmann, der stellvertretende DAV-Sektionsvorsitzende Sven Idek und Landrat Robert Niedergesäß (im Vordergrund v.li.) trafen sich mit Vereinsmitgliedern sowie mit Vertretern der Gemeindeverwaltung und des Landratsamtes am Gelände der Kletteranlage (ehemaliges Klärwerk), um auszuloten, unter welchen Bedingungen die Anlage wieder geöffnet werden kann. In einem sind sich alle einig: Die DAV-Sektion soll baldmöglichst wieder den Kletterturm nutzen können. 

Kletteranlage Markt Schwaben

Schnell, jetzt muss ein Statiker her!

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Die DAV-Kletteranlage Markt Schwaben könnte am 10. April wieder geöffnet werden. Hierfür müssen aber bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein.

Markt Schwaben – Die Kletteranlage der DAV-Sektion Markt Schwaben am Sägmühlenweg könnte am 10. April wieder geöffnet werden. Voraussetzung hierfür sind allerdings drei Dinge. Erstens: Ein Statiker muss bis dahin die Gebäude (den ehemaligen Faulturm sowie das alte Betriebsgebäude) begutachten und schriftlich bestätigen, dass die Statik nicht gefährdet und „keine Gefahr in Verzug“ ist. Zweitens: Anhand dieser Bestätigung wird die Haftungsfrage geklärt. Drittens: Der Marktgemeinderat nimmt in seiner Sitzung am 9. April den vor eineinhalb Wochen gefassten Beschluss zum Nutzungsverbot der Kletteranlage zurück.

Das ist das Ergebnis des Treffens am gestrigen Mittwochmittag auf dem Gelände des ehemaligen Klärwerks, wo der Deutsche Alpenverein (DAV) seit 14 Jahren eine Kletteranlage betreibt. Teilgenommen an dem Gespräch haben unter anderem Landrat Robert Niedergesäß, Bürgermeister Georg Hohmann, der 2. DAV-Sektionsvorsitzende Sven Idek sowie Vertreter der Marktgemeindeverwaltung, des Landratsamtes und Mitglieder des DAV.

Nachdem Hohmann den Sachstand erläutert hatte, machten Landrat Niedergesäß und Albin Schenk (Leiter des Bauamts im Landratsamt) darauf aufmerksam, dass von Seiten der Kreisbehörde „kein akutes Problem“ mit der Anlage bestehe. Zwar sei bekannt, dass das alte Klärwerk als Kletteranlage sowie von Landkreisfeuerwehren zu Übungszwecken (im Untergeschoss) genutzt werde, dies aber würde das Landratsamt dulden. So wie bislang, so auch künftig. „Aber nicht auf Dauer“, fügte Schenk hinzu. Dass die Marktgemeinde bzw. der Gemeinderat ein Nutzungsverbot ausgesprochen habe, sei nicht Sache der Kreisbehörde. Für sie herrsche aktuell „keine Gefahr in Verzug“, wie Niedergesäß und Schenk betonten.

Wie berichtet, hat die Verwaltung nach Beschluss des Marktgemeinderates die Nutzung des ehemaligen Faulturms sowie des Betriebsgebäudes (in dem die Geschäftsstelle der DAV-Sektion sowie Vereinsräume untergebracht sind) untersagt. Zum einen, weil für eine notwendige Nutzungsänderung ein umfangreiches Gutachten (Kostenschätzung: circa 62.000 Euro) erstellt werden müsste, das sich die Marktgemeinde aufgrund der prekären Haushaltslage nicht leisten könne, zum anderen wegen der Haftungsfrage. Für den Kletterbetrieb ist die DAV-Sektion verantwortlich, für die Gebäude die Marktgemeinde als Eigentümerin. Weil die Nutzung des alten Klärwerks als Kletteranlage baurechtlich formal illegal ist (das Gelände ist im Flächennutzungsplan nach wie vor lediglich als Klärwerk ausgewiesen), würde der Marktgemeinderat bzw. Bürgermeister Georg Hohmann persönlich bei Unglücken (zum Beispiel Einsturz oder Brand) oder Schäden haften. Diese Verantwortung, die der Rathauschef bislang eigenverantwortlich übernommen hatte, wollen weder Marktgemeinderat noch Hohmann selbst weiter tragen.

Für die DAV-Sektion Markt Schwaben mit ihren knapp 1700 Mitgliedern war die Entscheidung, dass die Anlage (ausgenommen der Boulderbereich) von Heute auf Morgen, ohne Vorwarnung, geschlossen worden ist, ein Schock. Am Montagabend hatten einige Mitglieder bei einem Treffen mit dem Bürgermeister im Rathaus ihren Unmut darüber geäußert. Am Ende dieser Sitzung hatte Georg Hohmann verkündet, so schnell wie möglich einen Termin mit dem Landratsamt zu bekommen, um wichtige Dinge zu klären.

Bei diesem Termin am gestrigen Mittwoch sagte Landrat Robert Niedergesäß, dass es nicht um Schuldzuweisungen gehe, sondern um Lösungen. Formal werde das alte Klärwerk zwar seit Anfang an (die Kletteranlage wurde 2005 eröffnet) rechtswidrig genutzt, dennoch werde dies vom Landratsamt geduldet. Das betonten Niedergesäß und Kreisbauamtsleiter Schenk immer wieder. Geduldet deshalb, weil es keinerlei Hinweise gebe, dass „Gefahr im Verzug“ sei, sprich: Dass die Gebäude einsturzgefährdet sind.

Dass dem tatsächlich so ist, soll nun fachlich von einem Statiker bestätigt werden. Markt Schwabens Bauamtsleiter Frank Eichner und der 2. DAV-Sektionsvorsitzende Sven Idek verständigten sich darauf, so schnell wie möglich einen entsprechenden Experten zu beauftragen. Die Höhe der Kosten und wer diese übernimmt, muss noch geklärt werden. Sollte bis zur nächsten Marktgemeinderatssitzung am 9. April ein entsprechendes, positives Gutachten vorliegen, könnte das Kommunalparlament aufgrund dessen beschließen, die Anlage wieder zu öffnen. Vom Landratsamt habe man hierfür Unterstützung, sagte Landrat Robert Niedergesäß, der den Begriff „Seilschaft“ als Symbolbild wählte. Landratsamt, Marktgemeinde und DAV-Sektion sollten eine Seilschaft bilden mit dem Ziel, die Kletteranlage so schnell wie möglich wieder öffnen zu können.

Würde es am 10. April zur Wiedereröffnung kommen, müsse die Marktgemeinde als nächsten Schritt aus der dann Übergangslösung eine Dauerlösung schaffen, betonten sowohl Bürgermeister Hohmann als auch Landrat Niedergesäß. Indem der Marktgemeinderat bzw. die Verwaltung beim Landratsamt als zuständige Genehmigungsbehörde einen entsprechenden Bauantrag auf Nutzungsänderung des alten Klärwerks für eine Kletteranlage einreicht. Kreisbauamtsleiter Albin Schenk sagte bei dem Treffen am Mittwoch, dass er von einer Genehmigung ausgehe.

Am Ende der einstündigen Unterredung teilte Robert Niedergesäß auf Nachfrage von CSU-Gemeinderätin Anja Zwittlinger-Fritz mit, dass der Übungsbereich für Landkreisfeuerwehren im Untergeschoß des alten Klärwerks zeitlich begrenzt sei. Vermutlich im Sommer werde der Kreistag darüber entscheiden, dass dieser Bereich nicht mehr für Feuerwehrübungen verwendet wird. Damit würde eine Doppelnutzung von Kletterern und Feuerwehrkräften wegfallen.

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