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Das Betretungsrecht für Erholungssuchende an der Markt Schwabener Sägmühle ist Hauptauslöser für die Auseinandersetzungen zwischen dem Besitzer des Anwesens und dem Landratsamt. Bei einer Ortsbegehung soll die Beleidigung gefallen sein.

Beamter der Ebersberger Naturschutzbehörde erstattet Anzeige

„Depp vom Amt“ kostet 1500 Euro: Beleidigung gegen Ebersberger Regierungsrat

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Markt Schwaben – Er soll einen Beamten der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Ebersberg beleidigt haben. Darum musste der streitbare Besitzer der Sägmühle in Markt Schwaben nun vor Gericht.

Am Ende ging alles überraschend schnell. Weit über zwei Stunden hatte sich Richterin Vera Hörauf gestern in einer Verhandlung vor dem Amtsgericht wegen Beleidigung geduldig angehört, was da am 25. Januar 2016 so alles zwischen dem Besitzer der Sägmühle, Peter Meyer, und drei Mitarbeitern des Landratsamtes verbal ausgetauscht wurde. Als Zeuge hatte sie lediglich den Anzeigenerstatter, Johann Taschner als Leiter der Unteren Naturschutzbehörde in Ebersberg, angehört. Und den Beschuldigten Meyer. Um danach zu der Entscheidung zu gelangen, das Verfahren gegen Meyer einzustellen gegen eine Geldauflage von 1500 Euro. Der Betrag ist im Laufe der kommenden Wochen an eine Naturschutzorganisation zu zahlen.

„Depp vom Amt“: Das war die Titulierung, die sich der Ebersberger Regierungsrat nach dessen Schilderung hatte anhören müssen und die ihn dazu bewog, Meyer anzuzeigen. Der hatte zuvor übrigens ebenfalls Anzeige erstattet wegen Hausfriedensbruch gegen Taschner und Kollegen, das Verfahren aber war bereits eingestellt worden.

„Depp“ oder „Düpp“?

Johann Taschner, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde im Ebersberger Landratsamt.

Ob das „Depp“-Zitat wirklich so gefallen war, konnte gestern nicht einwandfrei nachgewiesen werden. Meyer, der vor Gericht angab, seinen Lebensunterhalt nicht mehr aus seiner medizinischen Tätigkeit zu beziehen, sondern jetzt Landwirt sei, hielt entgegen, in einem emotional aufgeladenen Moment und in einem immer mehr eskalierenden Dialog mit Taschner und zwei weiteren Landratsamtsmitarbeitern flapsig von „Düppen“ gesprochen zu haben. Das sollte man hochdeutsch eher mit „Typen“ (vom Amt) übersetzen. „Als ,Typ vom Amt’ hätte ich mich nicht beleidigt gefühlt“, sagte Taschner im Zeugenstand. Er arbeite zwar schon seit rund 40 Jahren in einer Behörde, aber mit seinem Gehör sei noch alles in Ordnung, versicherte er.

Zwischen dem Angeklagten und der Behörde kracht es schon länger

Aufeinandergestoßen waren der Landwirt (46) und der Leiter des Unteren Naturschutzes bei einem Ortstermin auf dem Gelände der Sägmühle. Seit Jahren gibt es hier, was naturschutzrechtliche und baurechtliche Fragestellungen angeht, teils erhebliche Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Grundbesitzer und der Kreisbehörde. Hauptstreitpunkt ist dabei stets die Frage, ob Meyer es dulden muss, dass Erholungssuchende ein Betretungsrecht auf seinem Grund haben oder nicht. Noch längst sind hier nicht alle Fragen richterlich beantwortet. Taschner stellte fest, es werde erst Klarheit einziehen, wenn ein Richter hier einmal ein endgültiges Urteil spreche.

Künftig will das Amt sich vor Ortsterminen anmelden

Man habe sich damals ein direktes Bild machen wollen, so Taschner zu den Gründen, im Januar 2016 das Gelände betreten zu haben. Aufzuklären war gestern unter anderem, ob sich die Gäste aus Ebersberg eindeutig und früh genug als Behördenmitarbeiter zu erkennen gegeben hatten und ob es nicht besser gewesen wäre, vorher die Ortseinsicht anzumelden. Da gibt es Soll-Bestimmungen, keine Kann-Vorschrift. Eine Voranmeldung fand am besagten Tag nicht statt, was man aber künftig anders handhaben wolle, so Taschner. Meyer versicherte, Taschner nicht habe beleidigen zu wollen und entschuldigte sich mehrfach. Er sei emotional erregt gewesen, weil es aus seiner Sicht nicht unentwegt hinnehmbar und zudem ärgerlich sei, dass immer wieder Leute meinten, sie könnten ohne Weiteres seinen Privatgrund betreten.

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