Das TLF 21/1 verlässt Markt Schwaben und kommt demnächst in Beirut zum Einsatz. Gestern erfolgte die Übergabe: v.l. Kreisbrandinspektor Alois Mayer, Holger Hack (Orienthelfer und Feuerwehrler aus Gauting), Pfarrer Karl-Heinz Fuchs, Christian Springer, die Eheleute Thomas und Elli Huber, Bürgermeister Michael Stolze und Vizekommandant Franz Kolbeck.  Foto: Dziemballa
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Das TLF 21/1 verlässt Markt Schwaben und kommt demnächst in Beirut zum Einsatz. Nun erfolgte die Übergabe: v.l. Kreisbrandinspektor Alois Mayer, Holger Hack (Orienthelfer und Feuerwehrler aus Gauting), Pfarrer Karl-Heinz Fuchs, Christian Springer, die Eheleute Thomas und Elli Huber, Bürgermeister Michael Stolze und Vizekommandant Franz Kolbeck.

Im Auftrag der Humanität

Markt Schwabener Feuerwehr spendiert den „Orienthelfern“ ein Tanklöschfahrzeug

  • vonJörg Domke
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In Markt Schwaben wurde das Tanklöschfahrzeug nicht mehr gebraucht. Im Libanon aber ist es Gold wert. Dort engagiert sich der Kabarettist Christian Springer mit seinen „Orienthelfern“. Er freut sich riesig über die Spende.

Markt Schwaben – Die apokalyptisch wirkenden Bilder nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut haben womöglich noch einige in Erinnerung. Nahezu hilflos wirkten damals die Feuerwehrler aus der libanesischen Hauptstadt bei der Bekämpfung der Katastrophe. Was eigentlich nicht verwunderte, denn das ihr zur Verfügung stehende Material stünde hierzulande, legte man bundesdeutsche Maßstäbe an, bestenfalls gut gepflegt und poliert in einem Museum.

Schätzwert bei 6111 Euro

Diesen Vergleich jedenfalls zog jetzt Christian Springer. Der ist nicht nur ein bayernweit bekannter, scharfzüngiger Kabarettist, sondern nicht zuletzt auch Hauptinitiator eines Hilfsvereins namens „Orienthelfer“. Der wiederum hat sich zur Aufgabe gemacht, unter anderem in Bayern ausrangierte, aber anderswo noch gut verwendbare Feuerwehrfahrzeuge zu sichten und in den Nahen Osten zu bringen; so zum Beispiel auch in den Libanon.

Was hat das alles mit Markt Schwaben zu tun? Am Freitag übergab die Freiwillige Feuerwehr der Marktgemeinde zusammen mit Bürgermeister Michael Stolze ein Tanklöschfahrzeug TLF 21/1 an Springer und seine Mithelfer; zur Weitergabe an die Kameraden in Beirut.

Das Fahrzeug wurde im September 1985 in Dienst gestellt und im vergangenen Oktober ausgetauscht gegen ein neueres Modell. Es hat einen Tank mit 2500 Liter Volumen an Bord; dazu eine Pumpe, die 1600 Liter pro Minute verspritzen kann. Etwas, was bei der Brandbekämpfung vor drei Monaten im Hafen Beiruts gute Dienste hätte verrichten können. Denn, so Springer am Vormittag bei der formellen Übergabe im Gerätehaus: „So etwas ist im Libanon Gold wert“.

Baufirma spendet den Betrag

Das TLF 21/1 ersetzt ein Fahrzeug der libanesischen Kameraden, das bei dem besagten Einsatz zerstört worden ist.

Eingefädelt hat den Deal übrigens der Grafinger Landtagsabgeordnete Thomas Huber. Der hatte im Internet in einer Whatsapp-Gruppe davon gelesen, dass Springer und seine Freunde dringend Hilfsgüter für den Orient, speziell für den Libanon, suchten, unter anderem auch Feuerwehrfahrzeuge. Huber erkundigte sich bei der Kreisbrandinspektion, ob entsprechendes Material zur Verfügung stünde. Fündig wurde man schließlich in Markt Schwaben.

Huber und Springer kennen sich unter anderem durch gemeinsames Wirken in der Flüchtlingshilfe. Man sei sogar einander befreundet, betonten beide gestern im Beisein von gut 20 Feuerwehrkameraden.

Ganz ohne Hürden lief die Aktion dann allerdings doch nicht ab. „Wir dürfen unser Eigentum nicht einfach so verschenken“, erklärte dazu Bürgermeister Stolze. Schon gar nicht vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzlage der Kommune. Deshalb veranlasste die Gemeinde eine gutachterliche Schätzung. Ergebnis: Das Löschfahrzeug hat noch einen Zeitwert von 6111 Euro. Für Huber war das dennoch kein Problem. Spontan hatte sich seine Ehefrau Elli bereit erklärt, dass ihre Firma, die Franz Riedl GmbH, die notwendige Summe aufbringt. Zustande gekommen war so ein Scheck über 6500 Euro, der gestern an die Marktgemeinde übergeben wurde; im Gegenzug gab es die erforderlichen Fahrzeugpapiere. Und den kirchlichen Segen für das TLF. Dafür sorgte der evangelische Pfarrer Karl-Heinz Fuchs.

Springer nutzte das Auditorium gestern zu für Kabarettisten „unchristlichen Zeiten“ dazu, sich nicht nur zu bedanken. Er versicherte zugleich, dass das gespendete Fahrzeug seinen Bestimmungszweck in Beirut weiterhin erfüllen werde.

Humanitäres Zeichen in einer sich aufsplitternden Gesellschaft

Beide, Springer und Huber, wollen zugleich den nun vollzogenen Deal verstanden wissen als Akt der Humanität. Als Kabarettist, so Springer, stehe man ehr im Verdacht, im linken politischen Spektrum verortet zu werden. Wenn hier nun ein CSU-Mann und ein Kabarettist zusammenwirkten, sollte das durchaus auch als Signal an eine Gesellschaft verstanden werden, die derzeit immer mehr zu zerreißen drohe. Springer ergänzte, es sei für ihn ein unheimlich starkes Zeichen, wenn bayerische Feuerwehrleute, wenn sie über ihre muslimischen Berufskollegen redeten, wie selbstverständlich von „Kameraden“ sprächen.

Als Zeichen dieser angesprochenen Verbundenheit gab Stolze noch ein paar Mitbringsel mit auf den Weg; versehen mit dem Wappen der Marktgemeinde. Und Christian Springer versicherte postwendend, der Feuerwehr Markt Schwaben irgendwann einmal direkt zu berichten, was aus ihrem TLF 21/1 geworden sei.

Internet

www.orienthelfer.de

www.ffwmarktschwaben.de

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