„Lockdown ist nötig“: Rupprich-Chefin Sophia Lauton.
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„Lockdown ist nötig“: Rupprich-Chefin Sophia Lauton.

Weihnachts-Shopping zu Ende

Vor Corona-Lockdown: Die Hölle ist los

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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Vor dem Lockdown: Kunden stürmen Einkaufsläden und Friseur in Markt Schwaben. Mit dem Lockdown gehen die Unternehmern unterschiedlich um.

Markt Schwaben – Wer am Montag oder Dienstag mit Ladenbesitzern sprechen wollte, wurde abgeblockt oder auf ein späteres Gespräch vertröstet. In „system-irrelevanten“ Geschäften in Markt Schwaben war an den Tagen vor dem Lockdown „die Hölle los“. Ladenbesitzer benutzen die Metapher auffallend oft. Geschlossen bleiben ab morgen aber nur Ladentüren – denn mit findigen Ideen verkaufen einige Händler ihre Produkte weiterhin.

155 zahlende Kunden zählte Veronika Freyer am Montag. Sie ist Chefin des Einrichtungsgeschäfts Stacheter. An einem normalen Dezembermontag seien es 50. „Seit Allerheiligen läuft das Weihnachtsgeschäft“, sagt Freyer. Ihre Kunden hätten schon seit Langem Angst vor einem zweiten Lockdown gehabt. Nun ist er da, und die Konsumenten haben noch einmal voll zugeschlagen.

„Es ist schon heftig, dass wir jetzt zusperren müssen“

„Es ist schon heftig, dass wir jetzt zusperren müssen“, sagt die Geschäftsfrau. Vor der Corona-Pandemie standen sie und ihre Mitarbeiter immer bis 23. Dezember im rappelvollen Laden. Heuer stehen Inventur und Überstundenabbau auf dem Plan. Die Weihnachtsdekoration kommt morgen weg, am 16. Dezember. Das gab es in der kommerziellen Weihnachtsgeschichte noch nie.

50 Prozent auf Weihnachtsartikel, vor Heiligabend. Auch das ist ein Novum in der 70-jährigen Firmengeschichte von Raumausstatter Rupprich. „Es gab in diesem Jahr keine Messen, zum Glück habe ich Weihnachtswaren bekommen“, sagt Chefin Sophia Lauton. „Aber jetzt muss ich sie wieder herschenken.“

„Es ist heftig“: Veronika Freyer, Inhaber von Stacheter.

Unternehmerin: „Der Lockdown ist nötig“

Der Lockdown ist nötig, sagt Lauton. Die Umsatzeinbußen zerren aber an ihrem Unternehmen. Schon nach dem ersten Lockdown habe die Firma an die Reserven gehen müssen. Die Raumausstatterin hat jedoch einen entscheidenden Vorteil: Ihr Unternehmen bleibt offen, weil es ein Handwerksbetrieb ist. Farbeimer und Vorhänge etwa: Kunden können sich Produkte liefern lassen oder vor dem Laden abholen. Über ein spezielles, elektrisches Rolltor. Kundenkontakt gebe es so nicht, sagt Lauton.

„Last-Minute-Käufer fehlen“: Sylvia Götze. 

Last-Minute-Käufe am 23. Dezember fallen in diesem Jahr aus. Für Dessousverkäuferin Sylvia Götze sind die meist männlichen Spontan-Kunden wichtig. In den vergangenen Tagen war ihr kleinen Laden „Wäsche am Marktplatz“ gut besucht. Das liegt auch an sozialen Medien. Auf Instagram und Facebook bewirbt Götze ihre Büstenhalter und Kleider. Über deren Absatz kann sich die Einzelhändlerin nicht beschweren. Auch während des Lockdowns kommen Stammkunden an ihre Waren. Die Geschäftsfrau liefert Dessous und Co. bis vor die Haustür. Trotz Umsatzeinbußen: Ihre Stimmung ist gut.

Bis zum 10. Januar müssen auch Friseurläden geschlossen bleiben

Bis zum 10. Januar müssen auch Friseurläden geschlossen bleiben, viele Kunden möchten davor einen neuen Haarschnitt. Goldgräber-Stimmung deshalb im noch jungen Friseursalon Novo Haircut. Ein Blick in den Buchungskalender des Friseurs zeigt: 60 Kunden alleine am Montag. Friseur Kerem Tokdemir legt das Telefon in die Ladestation: „Das Telefon hört heute gar nicht mehr auf zu klingeln.“ Im vergangenen März öffnete der Friseurbetrieb. Kurze Zeit später kam Lockdown 1. Nun muss der Laden wieder schließen. „Die Situation ist blöd“, sagt Tokdemir nüchtern. Er hat keine Zeit, der nächste Kunde wartet. „Es ist wieder die Hölle los“, sagt er noch kurz.

„Die Situation ist blöd“: Friseur Kerem Tokdemir.

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