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Brillant in ihren Rollen als Boandlkramer (li.) und Brandner Kaspar: Ferdinand Maurer und Franz Stetter. 

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Dieser Brandner Kaspar ist ein Genuss

Mit „Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“ haben die Macher der Markt Schwabener Weiherspiele für die diesjährige Saison einen bayerischen Klassiker auf den See geholt. Die Umsetzung ist schlichtweg: klasse!

Markt Schwaben In den mittlerweile 34 Jahren, seitdem die Weiherspiele auf dem romantisch gelegenen Gewässer in der Ortsmitte laufen, gab es schon viele herausragende, teilweise exotisch anmutende Stücke zu sehen. Schon viele Bühnen, ja sogar der Film haben sich am Klassiker von Franz von Kobell probiert, dem „Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“. Jetzt traut sich auch der Theaterverein, mit seinen beiden Vorsitzenden als Hauptakteure. Das Ergebnis ist umwerfend: Noch selten hat ein Abend am Weiher die Zuschauer so begeistert, es ist eine brillante, humorige Inszenierung.

Wohl viele kennen die Handlung: Der Brandner Kaspar, zeit seines Lebens kein Kostverächter und Schlitzohr, gespielt von Franz Stetter, soll eigentlich bei einem Jagdunfall sterben. Doch diese Kalkulation des Todes (Ferdinand Maurer) geht schief, und so muss der grauslige Sensenmann mit der Krispelstimme den rüstigen Senior zuhause überreden, jetzt doch mit ihm zu kommen: „Heid is dei Dog, so ist es angesetzet“.

Doch Kaspar, 72 Jahre jung, denkt gar nicht daran, er will mindestens 90 werden. Er lebt einfach noch viel zu gerne, und „soll i vielleicht s’Oktoberfest versamma?“ So kommt er auf eine geniale Idee: Er lädt den Tod erst zum Kirschschnaps und dann zum Karten-Spiel ein.

Genial, wie Ferdinand Maurer sich zunächst ziert, den ersten Alkohol zu probieren, dann vorsichtig fragt, ob’s „a milder“ ist, sich nach dem ersten Stamperl aber auskotzt und schließlich schwärmt: „Guad!“ Es folgt Glas auf Glas, bis der Boandlkramer aufsteht, torkelt und gegen die Tür der Hütte knallt. Das ist Brandners Chance: Er zieht den dürren Unheilsbringer mit einem plumpen Karten-Trick über den Tisch und trotzt ihm weitere 18 Jahre ab.

Was für den Kaspar gut ist, bereitet dem Tod Probleme. Denn vor Petrus im Himmel – herrlich umworben von kleinen bayerischen Engelchen in Lederhosen, die ihm sogar sein Weißbier bringen – muss er den Lapsus zugeben. Schließlich hat es Kaspars Enkelin Marei (Sabine Bogenrieder) früher als geplant erwischt – sie wollte nur ihren geliebten Wilderer Flori (Florian Czapek) vor dem Förster warnen und ist dabei in eine Schlucht zu Tode gestürzt.

Das fällt nicht nur dem Erzengel Michael (Christian Jäger) auf, der sich ständig an seinem Feuerschwert verbrennt. Auf die Frage von Petrus, wo denn der Tod gewesen sei, kommt nur der trockene Kommentar der Heiligen Walburga: „In Salzburg, beim Jedermann“. Ein Brüller beim Publikum, Entsetzen im Himmel, der Tod muss nochmals zum Kaspar ausrücken: „Denn nach dem Streifschuss war er teuer, der gute Rat.“

Der Boandlkramer kann Kaspar überreden, „bloß a Stund’ in den Himmi einischaun“. Die Reise dorthin geschieht auch nicht mehr mit dem greisen Gaul, „der ist auf Gut Aiderbichl“, sondern per Spezial-Boot über den Markt Schwabener Kirchweiher, mit Riesen-Hirschgeweih am Bug und Flügeln am Heck.

Den Himmel findet Kaspar schließlich gar nicht so grausam, auch wenn Rainer Bigalke als Fürst Adolf von Schaumburg-Lippe findet, „dass die Bayern ihren ganz eigenen Himmel haben“. Ja, sogar ganz ohne Uhr, wie die Engel sagen, „denn wenn Petrus seine Weißwürscht ist, is’ Äife“. Nur Luze, der Teufel (Brigitte Knauer), tobt ab und zu mit Gegrilltem auf der Gabel durch die Szene, bekommt aber letzten Endes den guten Kaspar doch nicht. Denn Petrus hat ein Einsehen mit ihm und vergönnt ihm den Himmel, neben seiner Enkelin Marei. Und der Tod, offensichtlich auf den Geschmack gekommen, tröstet sich derweil mit jener Flasche Kirschwasser, die er in Brandners Hütte noch gefunden hat.

So geht ein vergnüglicher Theaterabend zu Ende, ein ebenso verbaler wie optischer Genuss, der noch viele weitere Besucher erfreut – nicht nur der beiden überragenden Hauptdarsteller wegen.

Der „Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“ wird noch bis zum 4. August am Weiher aufgeführt, jeweils donnerstags, freitags und samstags. Beginn: 20 Uhr.

Friedbert Holz

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