Zwei Musiker mit Gitarre und Klavier auf einer Bühne.
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Mit viel Freude und Elan zurück auf der Bühne: das Akustik-Punk-Duo Shots mit unserem Autor Raffel Scherer (li.) und Ludwig „Elles“ Stadler.

Konzert in Corona-Zeiten

Endlich wieder auf der Bühne, live und vor Publikum: Ein Musiker schildert seine Eindrücke

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
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Ein Konzert vor Zuschauern - in Corona-Zeiten etwas Besonderes. Raffael Scherer aus Poing war als Musiker auf der Bühne dabei. Er schildert seine Eindrücke.

  • Konzerte sind in diesen Corona-Zeiten selten geworden, in Markt Schwaben gab‘s jetzt einen Unplugged-Abend.
  • Einer der Musiker auf der Bühne: Unser Mitarbeiter Raffael Scherer.
  • Er erzählt von seinen Eindrücken und Erlebnissen

Ich betrete mit meinem Gitarrenkoffer das Theater am Burgerfeld. Mein Bandkollege Elles ist schon da und bereitet sich auf den Auftritt vor. Er klimpert zufrieden auf seinem Klavier auf der Bühne – mit Mundschutz. Um ihn herum rennen zwei Techniker, die beiden Organisatoren sowie andere Musiker auf der Bühne kreuz und quer umher. Alle tragen Mundschutz und halten den Sicherheitsabstand ein, was gerade beim Kabel verlegen und über Instrumente steigen für größeren Aufwand sorgt, als unter normalen Umständen.

Markt Schwaben: Vier Acts an einem Abend

Thomas Steinbrunner, Moderator und Organisator des „Markt Schwaben unplugged“ vom Theaterverein, begrüßt mich freudig und begleitet mich in den Backstagebereich hinter die Bühne. Dort treffe ich auf die Band Petra Pan, die es sich auf der Couch gemütlich gemacht hat. Da man sich bereits vom Straßenfestival Poing kennt, ist die Freude über das Wiedersehen groß: Symbolische Umarmungen, gefühlte Schulterklopfer und Zuprosten über zwei Meter hinweg. Natürlich ist bei allen gegenseitig die Frage: „Und, wie habt ihr die Coronazeit sinnvoll genutzt?“. Es gibt viel zu erzählen und viele verschiedene Erfahrungen, die die Zeit bis zum Auftritt verfliegen lassen. Die einen schrieben und probten neue Lieder, andere lernten neue Instrumente oder hielten online Stream-Konzerte ab. Andere hatten sich auf andere Projekte konzentriert, da erst keine Aufführungsmöglichkeiten für Musiker in Sicht waren oder abgesagt wurden.

Laura Ernst als Music Mule

Nach und nach macht eine Band nach der anderen den Soundcheck. Besonders auffällig: Das Grinsen der Künstler, dass sie endlich wieder live auf der Bühne ihre Musik präsentieren dürfen. Da sind die Gedanken rund um Corona sofort vergessen und die ein oder andere Band will gar nicht mehr aufhören zu spielen, obwohl der Techniker mit dem Sound bereits zufrieden ist.

Der Abend beginnt mit Thomas Steinbrunner und Stephan Buchenrieder (Co-Organisator und Moderator), die mit einer kurzen Rede das Programm eröffnen. Als die ersten Töne von Laura Ernst (als Music Mule) erklingen, lauschen sowohl die Bands im Backstage als auch das Publikum voll konzentriert. An den vielen zusammengekniffenen Augen oberhalb der Masken erkenne ich: viele lächeln. Als würden sie denken: Hurra, endlich wieder ein Konzert mit Liveatmosphäre. Ich zumindest denke das und freue mich darüber.

Jonas Frank (li.) und Thomas Steinbrunner.

Die von Laura Ernst zum Teil selbst geschriebenen, melancholisch-nachdenklichen Lieder mit Gitarre, Loopstation und zauberhafter Stimme verbreiten eine wundervolle Stimmung. Doch bevor die ersten Tränen der Rührung die Masken benetzen, wechselt die Musikerin zu fröhlicheren Klängen wie einem selbstgereimten Lied über ihre Erfahrungen mit Tinder-Dates. Am Ende ihres Auftritts spricht sie davon, wie wichtig Optimismus auch in schweren Zeiten sei.

Sollte jemandem noch etwas musikalische Abwechslung gefehlt haben, wird ihm diese von Jonas Frank, begleitet von Thomas Steinbrunner (ja, auch das macht er an diesem Abend) geboten. Die beiden können sich scheinbar gar nicht entscheiden, welches Instrument sie nicht verwenden wollen. Vom Bass über die Gitarre bis hin zu Saxofon und Mundharmonika ist alles dabei. Die beiden entlassen mit Allzeitklassikern von Elvis, den Beatles und mit Coverversionen aktueller Songs das Publikum mit guter Laune in die Pause. Die Zuschauer klatschen begeistert, danach lüften viele an der frischen Luft kurz die Maske.

Markt Schwaben: Rund 60 Besucher in der Theaterhalle

Apropos Publikum: Die Theaterhalle ist mit rund 60 Besuchern gut gefüllt. Aufgrund der Hygieneschutzmaßnahmen sind in den Sitzreihen zwischen den Besuchern immer zwei Stühle gesperrt, um den Mindestabstand einzuhalten. Sowohl das Personal an der Kasse und am Getränkeausschank als auch das Publikum müssen vom Einlass bis zum Ende des Konzertes durchgehend die Maske aufbehalten. Beschwerden? Fehlanzeige.

Nach dem Auftritt selbst im Publikum

Während der Pause auf der Bühne baue ich mich mit meinem Kollegen als Akustik-Punk-Duo „Shots“ auf. Ob nach den ganzen seriösen, emotionalen Liedern das Publikum unsere eher lustigen Nummern hören will? „Das kann was werden. Woher wissen wir eigentlich, dass es losgeht?“, frage ich meinen Kollegen. Da höre ich ein lautes Lachen vor dem Vorhang und stelle fest: das Mikro ist schon an, das Publikum sitzt bereits.

Keine fünf Minuten später im Interview mit Stephan Buchenrieder sind Elles und ich heilfroh, dass das Publikum viel Spaß versteht: Meine Überforderung, den Mundschutz über die Sonnenbrille zu stülpen, nimmt bereits die Hälfte des Gesprächs ein.

Ein bereichender Abend für alle

Diese Tollpatschigkeit entspricht anscheinend dem Humor des Publikums. Es lacht und applaudiert, sogar während unserer Ansprachen und Lieder. Wie die anderen Musiker zuvor, habe auch ich das Problem, dass ich wegen der Scheinwerfer kaum etwas vom Zuschauerraum erkennen kann. Ob da nun keiner, einer oder hunderte sitzen, vermag ich nicht zu sagen. Doch endlich wieder Applaus, Lachen und andere Reaktionen auf das Gespielte zu hören – das ist ein Gefühl, das ich lange Zeit vermisst habe.

Nach unserem Auftritt schaffe ich es, mein erstes Live-Konzert seit langem aus Publikumssicht genießen zu dürfen: Petra Pan rocken den Abschluss des Abends. Die Freude darüber, wenn das Publikum mitklatscht oder den Text durch die Maske mitbrummt, sieht man der Sängerin Sonja Grenz sofort an. Von Gitarre und Schlagwerk begleitet, tanzt und singt sie auf der Bühne ein berühmtes Rock-Pop-Cover nach dem anderen.

Fazit: Trotz durchgehendem Mundschutz, außer am Mikrofon, war es für Zuschauer und Künstler ein mehr als bereichernder Abend, der das Leben vieler um ein wenig Kultur in der tristen Zeit bereichert hat. Besonders in lästigen Zeiten brauchen eben alle ein wenig Unterhaltung und Ablenkung. Ganz ehrlich: Ich freue mich sehr auf weitere Auftritte vor und hinter der Bühne – wenn sie denn möglich sein sollten.

Raffel Scherer

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