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Der leibhaftige Fredl Fesl in Markt Schwaben, mit seiner Frau Monika (li.) und Moderatorin Karin Nahrhaft.

theater am burgerfeld

„Es reicht jetzt, Beifall hält bloß auf“

Ein Abend mit Fredl Fesl: Dieses wunderbare Erlebnis gab es im Theater am Burgerfeld in Markt Schwaben. Der Liedermacher erzählte aus seinem Leben, die „Stammtisch-Musi“ spielte einige von Fesls Klassikern.

Markt Schwaben Fredl Fesl, niederbayerischer Kult-Barde, bekannt für seine „melankomischen“ Lieder, war sein ganzes Leben lang nie auf den Mund gefallen. Als er jetzt im Theater am Burgerfeld aber den donnernden Begrüßungs-Applaus des Publikums im ausverkauften Haus spürte, da war er doch kurz sprachlos. Freilich fand er schnell seine Fassung zurück: „Es reicht jetzt, Beifall hält bloß auf“.

Die „Stammtisch-Musi“ spielte Lieder von Fredl Fesl.

Unter dem gleichnamigen Motto seiner Biografie „Ohne Gaudi is ois nix“ hatten Karl Haushofer und Karin Nahrhaft als Moderatoren sowie einige Schwabener Musiker Ehrengast Fesl und seiner Frau Monika diesen Abend gewidmet. Liebevoll hatten sie alte Fotos aus Fesls Leben zusammengetragen, zeigten Fernseh-Szenen seiner Auftritte auf diversen Kleinkunstbühnen. Und dazwischen äußerte sich Fesl, der mittlerweile zurückgezogen auf einem alten Bauernhof lebt, über Stationen seines Lebens. Am 7. Juli wird er 70.

Seit einigen Jahren leidet der einst so rührige Musiker und Sänger an Parkinson, „einer saublöden Krankheit“. Etwas grantig sagt der Fredl das in die Menge, und grantig war er wohl immer schon. In die Schule mochte er gar nicht gehen, ins Internat nach Ingolstadt erst recht nicht, und Bundeswehr entsprach auch nicht gerade seinem unsteten Freigeist.

Viel besser gefiel ihm, in einem alten Opel Rekord zu leben, „mit all meinen Kleidern und meiner Gitarre, fein säuberlich geordnet“. Damit zog er durch die Kneipen- und Bühnenszene Münchens, kam per Zufall zu ersten Auftritten. Er lernte Kollege Arthur kennen, eine erfahrene Rampensau. Fesl: „Der hatte zwei Hobbies – seine Gitarre und seinen Durst“.

Zwar habe er die meisten Lieder „für mich selbst“ gemacht, erzählt Fredl Fesl, doch mit der Zeit wurden Medien und die Öffentlichkeit auf ihn aufmerksam. Berühmt seine Jodel-Stücke, in denen er mit unglaublich flinker Zunge „selbst Preißn begeisterte“. Die ersten Schallplatten entstanden, und 2010 bekam er sogar den Großen Karl-Valentin-Preis.

Doch Fesl versuchte sich nicht nur auf der Bühne, er war auch Kunstschmied, Kürschner und Schreiner, holte sportliche Lorbeeren als Ringer und Gewichtheber. Für kurze Zeit war er Bierfahrer, nahm mit seinem Laster eine Kurve zu forsch, das goldene Nass floss auf die Straße. Ein Polizist, der den Unfall aufnahm, fragte, ob es in der Brauerei noch mehr solch’ Blöde gebe. Darauf Fesl trocken: „Nein, ich bin der Letzte – alle anderen sind zur Polizei gegangen“.

Im zweiten Teil des Abends saß Fesl mit seiner Frau dann im Publikum, verfolgte die musikalischen Darbietungen auf der Bühne, vorgetragen von der „Stammtisch-Musi“, zu der auch Hermann Bogenrieder, Michael Hacker, Jakob Hechtl und Martin Schimpf gehören. Außerdem intonierte Ferdinand Maurer, sonst als Schauspieler aktiv, mit seinem Akkordeon zwei Fesl-Hits: „Und ewig geht der Berg nauf“ sowie „Das Lied vom Ritter Sepp“. Und er jodelte dazu, fast so gut wie sein Vorbild.

Fredl Fesl war ganz gerührt ob so viel musikalischer Zuneigung, überließ die Danksagung seiner Monika. Einen Handstand, früher akrobatische Zugabe seiner Auftritte, gab’s diesmal aber nicht. Dafür äußerte er den beherzt ausgesprochenen Wunsch, „jetzt endlich einen trinken“ zu wollen. Friedbert Holz

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