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Kurt Baumgärtner und Martin Kübelsbeck sind Persönlich haftende Gesellschafter bei Gienger. Ihre Meinung zu lokaler Wirtschaftsförderung in Markt Schwaben ist klar.

Gienger in Markt Schwaben

„Nicht ausruhen“

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Gienger ist größter Gewerbesteuerzahler in Markt Schwaben. Wie denkt man dort über Wirtschaftsförderung? Die Unternehmensleitung nimmt Stellung.

Markt Schwaben – Eine mit Markt Schwaben seit jeher eng verbundene Firma wie die Gienger-Zentrale in der Poinger Straße mit ihren derzeit 966 Mitarbeitern (sowie weiteren 105 dem Standort zuzuordnenden Kräften) braucht keinen direkten Ansprechpartner für örtliche Wirtschaftsthemen im Rathaus. Da sind sich die Persönlich haftenden Gesellschafter Kurt Baumgärtner und Martin Kübelsbeck völlig einig. „Wegen uns ist eine solche Stelle nicht erforderlich“, heißt es. Die telefonischen Drähte zwischen der Gienger-Geschäftsleitung und dem Bürgermeisterzimmer seien schließlich immer frei, wenn ein Austausch notwendig werde, sagen beide.

Und trotzdem finden sie es nicht nur gut, sondern in der heutigen Zeit sogar zwingend notwendig, sich als Marktgemeinde eine solche Kontaktstelle zuzulegen. Klare Hinweise unserer Firma diesbezüglich gebe es bereits aus einer Zeit, als der Bürgermeister noch Bernhard Winter hieß, sagt Martin Kübelsbeck. Und es scheint so, er wundere sich längst ein wenig, dass man im Marktgemeinderat bislang noch immer nicht erkannt hat, dass ein solcher Wirtschaftsförderer viel Sinn macht und die Position der Marktgemeinde im Standort-Wettstreit mit anderen Kommunen nur stärken kann – in einem Wettstreit, der nicht einfacher werden wird.

Bei Gienger wurden zuletzt die Debatten um neue Jobs im Rathaus speziell in den Tätigkeitsfeldern Wirtschaftsförderung und Öffentlichkeitsarbeit, so scheint es, sehr genau zur Kenntnis genommen. Auch, vor welchen Hürden der amtierende Rathauschef Georg Hohmann zu stehen scheint, wenigstens einmal einzusteigen in einen Bereich, den er selber für unverzichtbar hält, manch andere im Rat aber bisher nicht.

Zu den Hintergründen: Eine Mehrheit im Gemeinderat hat sich bislang zu solchen Stellenmehrungen (jeweils eine halbe Stelle) nicht durchringen können. Inzwischen, so Hohmann, sei er so weit, dem Plenum bei der Haushaltsdebatte, vermutlich Anfang April, vorzuschlagen, Öffentlichkeitsarbeit und Wirtschaftsförderung zusammenzulegen und zunächst auf ein paar Jahre zu befristen.

Es liege im unmittelbaren Interesse der Firma Gienger, dass der Wirtschaftsstandort Markt Schwaben erhalten bleibe, betonen derweil Baumgärtner und Kübelsbeck. Sich als politische Gemeinde auszuruhen auf Erreichtem bzw. auf vergangene Erfolge, sei fatal. Selbstläufer gebe es nicht mehr, so die Geschäftsführer des mit Abstand größten Gewerbesteuerzahlers der Marktgemeinde seit 1992, als man den Firmensitz vom Münchner Euro-Industriepark an den Ortsrand Markt Schwabens verlegte. Damals, so Kübelsbeck, angelockt durch Versprechungen aus dem Rathaus, als man eine baldige überörtlich starke Verkehrsverbindung über eine Flughafentangente in Aussicht stellte. Dass es danach noch viele Jahre dauerte, ehe die für Gienger und den Ort essenziell bedeutende FTO dann wirklich kam... – inzwischen sieht man über dieses jahrelange Manko hinweg.

Um so mehr aber hat die Gienger-Führung jetzt, 2017, ein Interesse daran, dass die Attraktivität des Standorts nicht fahrlässig aufs Spiel gesetzt wird. Schließlich sei es auch für Gienger wichtig und interessant, wenn die eigenen Mitarbeiter im direkten Umfeld ihres Unternehmens eine gesunde Infrastruktur vorfänden, die nun mal zu einem großen Teil durch Gewerbesteuereinnahmen generiert werden müsse. Ihre Formel heißt: „Je attraktiver das Umfeld, umso besser für uns als Firma“.

Bestes Beispiel: Der von Gienger seit 2013 vehement geforderte Kreisverkehr an der Einmündung der Poinger Straße in die Staatsstraße nach Gelting/FTO. Nicht unerheblich war der hier auch von Gienger erzeugte Druck gewesen. Immerhin: Es gibt nun sogar die kleine Hoffnung, dass mit einem Bau noch heuer begonnen werden könnte, so Hohmann.

Nicht von ungefähr habe sich Gienger, so Kübelsbeck weiter, stets offen und kooperativ gezeigt etwa bei der Ausrichtung der lokalen Gewerbeschauen, die es seit einigen Jahren aber nicht mehr gibt. Man sei Antreiber bei CO-2- sowie Energiespar-Initiativen. Auch sonst gebe es ungeheure wirtschaftliche Strahlkraft der Gienger-Zentrale in den Ort hinein. „Markt Schwaben first“, könne man sagen, so Baumgärtner in Abwandlung einer Losung des amtierenden US-Präsidenten.

Die große örtliche Verbundenheit Giengers zeige sich nicht zuletzt auch darin, Motor gewesen zu sein bei der Entstehung der noch recht jungen Vereinigung „Markt Schwaben 2030“. Eine Plattform, für die sich Baumgärtner durchaus wünscht, dass man dort Ideen für die Zukunft entwickelt und lernt, langfristig zu denken. Es könne ja nicht völlig verkehrt sein, wenn Nachbargemeinden wie Poing oder Heimstetten Wirtschaftsförderer auf lokaler Ebene beschäftigen, hieß es jetzt in einem Gespräch der Unternehmensleitung mit der Ebersberger Zeitung im Vorfeld der 23. Neuheitenmesse, zu der Gienger vom 23. bis 25. März einlädt. 

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