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Der ganz normale Krankenhauswahnsinn wird in der Markt Schwabener „Gesundheits-Revue“ gezeigt. 

Revue des Theatervereins

Gesundheit!

Da ist der Regisseurin des Theatervereins Markt Schwaben mal wieder ein toller Coup gelungen: Marga Kappl hat eine „Gesundheits-Revue“ auf die Bühne gebracht, die an Herz, Nieren und Lachmuskeln geht. 

Markt Schwaben Wohl jeder, der schon einmal einen Krankenhaus-Aufenthalt hatte, kann hinterher viel erzählen: Lustiges, weniger Spaßiges, Nachdenkliches oder gar Trauriges. Aber nur wenige haben bisher ihre Erlebnisse auf die Bühne gebracht, wie jetzt Marga Kappl. Die Regisseurin des Theatervereins Markt Schwaben hat ihre eigenen Erfahrungen zusammen mit Krankheits-Geschichten anderer als „Gesundheits-Revue“ umgesetzt, sie schrieb alle Texte selbst und inszenierte sie – herausgekommen ist ein Riesen-Spaß, wie die Premiere bewiesen hat.

Noch bevor sich der Vorhang im Theater am Burgerfeld öffnet, tragen Regina und Florian Czapek Statistikzahlen aus dem deutschen Gesundheitssystem vor. Schon darin ist manches Erschreckende zu finden. Richtig gruselig wird’s aber, als einer Patientin bei der Ankunft im Krankenhaus nicht nur erklärt wird, dass sie im falschen Zimmer liegt und die falsche Akte dabei hat. Ein unwissender Doktor-Praktikant setzt diesem maroden Organisations-Fass noch seine arrogante Krone auf.

All das hätte tatsächlich so passieren können, abgesehen vielleicht von jener Krankenschwester, die sich im Blutrausch über eine Patientin hermacht. Ein russischer Pfleger, der rein gar nichts versteht, eine ältere Dame, die bei der Untersuchung im Computer-Tomograph schlichtweg vergessen wird, und ein Physiotherapeut, der junge Frauen nach der Gymnastik gerne im Leichenraum näher kommt.

Herrlich auch jene Szene, in der ein Chor junger Mediziner vor der Operation den Chefarzt mit dem Lied „Großer Gott, wir loben dich“ begrüßt. Der große Meister selbst relativiert sein Können schnell: Erst nach dem Zunähen des Patienten merkt er, dass sein Handy plötzlich noch aus dem Bauchraum des Kranken klingelt. Auf einer wahren Begebenheit, beobachtet in einem Schwabener Wirtshaus, beruht jene Szene, in der sich zwei ältere Herren darüber in die Haare kommen, wer denn nun mehr Bypässe und Stents (Stützen in Blutgefäßen) habe. Einer schreit sogar lautstark, dass er „viel wichtigere Dinge drin“ habe als sein Gegenüber.

Keineswegs praxisfremd auch die Aufregung über das Essen im Hospital – „das ist doch was für Schweine, ich aber bin Privatpatient!“.

Viel zu lachen haben die Zuhörer, als im Halbdunkel auf der Bühne zwei Nierensteine Rock’n’Roll tanzen oder ein Paar auf Reha den Kurschatten-Tango auf die Bretter legt. Immerhin, so ihre Devise, „lodert hier Abend für Abend die Lunte“. Und schließlich wird sogar der Krankenhauskeim sichtbar, ein kichernder Kerl im giftgrünen Spider-Kostüm.

Was Marga Kappl zusammen mit 25 Schauspielern (zusammengestellt aus der Weiherspiele-Gruppe, der Jungen Bühne und der Futur-Gruppe) mit der „Gesundheits-Revue“ zeigt, bereitet großes Vergnügen. Und so ist der fröhlichen Truppe nach ihrem „Preislied auf das deutsche Gesundheitssystem“ am Schluss auch minutenlanger Applaus sicher – zurecht.

Weitere Vorstellungen

Die „Gesundheits-Revue“ wird noch zwei Mal gezeigt: am Samstag und Sonntag, 20. und 21. Januar, jeweils ab 20 Uhr im Theater im Burgerfeld.

Friedbert Holz

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