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Große Männer auf kleiner See: Die Schiffsbauer von Markt Schwaben

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Von: Friedbert Holz

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Zwei Männer mit Modellschiffen
Michael Lang (li.) und Nico Peter mit zwei ihrer Schiffsmodellen. © Johannes Dziemballa

Regelmäßig treffen sich Männer am Markt Schwabener Badeweiher und lassen Schiffe fahren. Ein Besuch bei zwei Hobbybastlern der Interessengemeinschaft Schiffsmodellbau.

Markt Schwaben - „Es ist keine Pflicht bei uns, dass einer ein Schiff bauen muss“, relativiert Michael Lang aus Ottenhofen (Kreis Erding) seine Zugehörigkeit zur IGS. Er sieht sich in der Rolle eines Vorstands, führt die Interessengemeinschaft Schiffsmodellbau (IGS) Markt Schwaben, hinter der sich ein lockeres Bündnis an 16 Männern verbirgt. Diese haben meist schon als Kinder ihr Herz an Schiffe und an Nautik verloren, schwärmen für fast alles, was sich auf dem Wasser fortbewegt.

Markt Schwaben: Treff am zweiten Freitag im Monat

Wenn gerade kein Virus das Land beherrscht, treffen sie sich am zweiten Freitag im Monat im „Il Lago“, dem Restaurant am Schwabener Badeweiher, auf dem sie hin und wieder auch ihre Schiffsmodelle vorführen, beim Schaufahren etwa. Lang hat den Bazillus Modellbau von seinem Großvater Hermann von Poelnitz übertragen bekommen: „Der hatte, nur mit einem Regenschirm als Maß-Vergleich unterwegs, einmal einen Bus der Nürnberger Stadtlinien originalgetreu nachgebaut. Ich selbst begann im Alter von zwölf Jahren meine Kreativ-Karriere mit dem Bau von ,Elke’, einem käuflichen Fischkutter-Bau-Set.“

drei Modellboote
Ob groß, ob klein - diese Schiffe sind fein: Könnte ein Gedicht vom Pumuckl sein. © Johannes Dziemballa

Es folgten weitere Schiffe aller Größen und Arten, doch mittlerweile kauft der 65-Jährige vor allem ältere, bereits gebaute Modelle von anderen auf und restauriert sie liebevoll. So etwa das legendäre Forschungsschiff „Calypso“ von Meeresforscher Jacques Cousteau oder ein Feuerlöschboot namens „Düsseldorf“, das er beinahe selbst versenkt hätte, wie Michael Lang erzählt: „Als ich dieses Modell bei einer Ausstellung in Friedrichshafen am Bodensee vorführte, das aus seinen Kanonen wirklich Wasser spritzen konnte, merkte ich erst sehr spät, dass dieses Wasser ins Boot zurück floss und es somit fast unterging.“

Markt Schwaben: Hobby seit der Kindheit

Auch sein langjähriger Freund und Mit-Schiffsbauer Nico Peter, der aus Berlin stammt und seit 22 Jahren in Bayern lebt, hat frühe Erfahrungen mit Miniatur-Nachbauten. Allerdings frönte der gelernte Kaufmann schon mit sechs Jahren diesem Hobby, baute erste Schiffchen aus Karton nach. Kaum in der Schule, fertigte er nach Plan die Segelyacht „Rohrspatz“. „Dann kam aber eine Pause, erst mit 16 machte ich mich an den Bau von ,Tön 12’, einem Nordsee-Krabbenkutter. Als Werkzeug hatte ich damals“, so erinnert sich der 52-Jährige, „lediglich ein Schweizer Offiziers-Messer zur Verfügung“.

Heute sei das alles anders – „80 Prozent der Zeit beim Schiffsmodellbau gehen mittlerweile in den Werkzeug- und Formenbau, wenn jemand ein Schiff gemäß Werftplänen kopiert, 20 Prozent dann in den eigentlichen Bau“, erklärt Nico Peter. Das sei dann bereits die hohe Schule dieser Freizeitbeschäftigung.

Seit 1998 am Markt Schwabener Badeweiher

Zu Peters privater Flotte zuhause in Ebersberg zählen 74 Schiffe en miniature. In seinem Arbeitszimmer hängen sie an allen Wänden, schmücken sogar das Esszimmer. Und manchmal zieht er mit einigen von ihnen los, etwa zur Modellbau-Ausstellung in Prag, um dort diese ebenso filigranen wie faszinierenden Stücke anderen Fans zu präsentieren. „Leider hat uns Corona eine längere Zwangs-Pause beschert, doch wir wollen in diesem Jahr sehr gerne wieder ausstellen“, hofft Michael Lang.

Seit 1998 ist die IGS am Markt Schwabener See am Sportpark etabliert. Die Interessengemeinschaft möchte dort, sofern möglich, im Rahmen des Kinder-Ferienprogramms vor allem auch Jüngere an dieses Hobby heranführen. „Wie viele andere Vereinigungen, haben auch wir ein Nachwuchsproblem. Wir würden uns freuen über Jungs und Mädels, die Spaß am Schiffsmodellbau haben“, sagen Lang und Peter. Interessierte dürften gerne auch aus ganz anderen Modellbausparten kommen – so wie Nico Peter, der viele Jahre „einen Ausrutscher“ in die so genannte RC-Car-Szene gehabt hatte. Dort werden mit ferngesteuerten Tourenwagen- oder Buggy-Nachbauten Rennen auf privater oder gar semiprofessioneller Basis gefahren, bis hin zur Europameisterschaft. Mittlerweile gilt sein Interesse aber wieder ganz klar Fahrzeugen mit Wasser als Untergrund.

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