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Ohne Container geht nichts in der Grundschule Markt Schwaben: Doch sind sie gesundheitsgefährdend für die täglichen Nutzer, wie manche glauben? Es gibt zwar Belastungen, aber unterhalb der Grenzwerte, heißt es. Sicherheitshalber sollen weitere Beprobungen durchgeführt werden. 

Grundschule Markt Schwaben

Kopfschmerz und Übelkeit 

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Eltern beschweren sich, Kinder sind krank: In den Containern der Grundschule Markt Schwaben wird eine Chemikalie freigesetzt. Die Werte sind erhöht, aber sollen nicht gefährlich sein.

Markt Schwaben – Einfacher wäre es für alle Beteiligten gewesen, man hätte bei einer Schadstoffmessung der Raumluft in einem Container der Grundschule in Markt Schwaben auf dem ehemaligen Lehrerparkplatz, durchgeführt am 8. Mai, einen Gefahrenstoff gefunden. Gefunden in einer Konzentration, die begründen würde, warum seit Monaten eine steigende Zahl von Schülern und Lehrern über Kopfschmerzen und Unwohlsein klagen. So kam heraus, dass der Richtwert für das schwer flüchtige organische Lösungsmittel Phenoxyethanol (siehe Infokasten) in der Raumluft leicht überschritten wurde; und das bei ganz bewusst extrem ungünstigen Rahmenbedingungen für die Messung. In der Summe aller schwer flüchtigen organischen Lösungsmittel wurden 81 460 Nanogramm/Kubikmeter Luft ermittelt, der Grenzwert liegt bei 100 000. Nach Auffassung der Gemeinde ein Wert, der nicht wirklich die genannten Beschwerden begründet, die Grundschuleltern und einige Lehrer derzeit zu elektrisieren scheint.

Von 40 Fehltagen eines Schülers war am Dienstag im Gemeinderat die Rede. Der Sitzung wohnten gut zwei Dutzend besorgte Mütter und Väter sowie einige Lehrkräfte bei. Berichtet wurde dort von Kindern, die nach gewisser Zeit schlapp in ihren Stühlen hingen, von sich ungesund anfühlender Luft. Eine Lehrkraft habe sogar bereits gekündigt. Zurzeit sei bis zu einem Drittel der Klasse irgendwie betroffen, sagte eine Lehrerin.

Eine Bemerkung, die insbesondere Bauamtsleiter Frank Eichner verwunderte. Wenn wirklich reihenweise in der besagten Klasse Probleme aufgetaucht seien, sei es geradezu fahrlässig gewesen, dies nicht umgehend kolportiert zu haben. Bislang sei dem Rathaus stets immer nur von einem Schüler berichtet wurden, so Eichner.

Vorwürfe an seine Adresse, man habe verzögert reagiert, wies Eichner weit von sich. Als Anfang Mai über einen eingeschalteten Arzt ein Schadstoffgutachten eingefordert worden sei, habe man umgehend Kontakt mit einem Ingenieurbüro aufgenommen und in den Pfingstferien die schlechtest-mögliche Luft beprobt; nach mehreren Tagen ohne Lüften. Die Messergebnisse habe man dann der Schulleitung mitgeteilt. Und bewusst nur der Schulleitung, um sich verbreitende Fehlinterpretationen zu vermeiden. Laut Eichner habe es allerdings eine sehr ungute Kommunikation gegeben – mit Beleidigungen seiner Mitarbeiter und Unterstellungen, man wolle manipulieren. Eichner sprach von einem beschämenden Verhalten.

Eine mangelhafte Kommunikation hatte auch CSU-Ratsfrau Anja Zwittlinger-Fritz erkannt. Sie mahnte im Plenum dazu, den Fokus jetzt nicht auf das Geschehene zu richten, weil davon die Ursachen für die Beschwerden der Beteiligten nicht zu ermitteln sind. Solange man die tatsächlichen Ursachen nicht kenne, müsse man vielmehr überlegen, die Kinder anderswo zu unterrichten. Nicht einfach in einem Schulhaus, das eh schon aus allen Nähten platzt.

Bürgermeister Georg Hohmann bat um Besonnenheit und darum, zugesagte weitere Messungen in anderen Klassenzimmern abzuwarten. Wichtig sei jetzt, die Frage zu beantworten, wonach man überhaupt suchen solle. Wenn es weiterhin Beschwerden gebe, müsse man einen externen Fachmann zu Rate ziehen. Eine präzise Dokumentation aller Auffälligkeiten sei dringend erforderlich.

Eine Lanze brach CSU-Ratsherr Heinrich Schmitt für Hohmann und die Verwaltung. Polemik und Schuldzuweisungen brächten nichts. Es sei grundfalsch, anzunehmen, die Verwaltung wolle irgendwas vertuschen. Niemand werde sich so etwas erlauben. Schmitt sprach sogar davon, dass es zurzeit leider in Markt Schwaben modern sei (wörtlich „en vogue“), gegen die Gemeinde zu sticheln.

Im weiteren Diskussionsverlauf gab es zumindest eine Entschuldigung dafür, dass bei aller Emotionalität womöglich von Einzelnen Dinge gesagt worden seien, die nicht im Sinne des Elternbeirats gewesen seien. Im November wird im Rat weiter diskutiert.

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