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Schüler erinnern mit einem Podcast an ein dunkles deutsches Kapitel

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Von: Jörg Domke

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Dunkle deutsche Geschichte anschaulich (und preiswürdig) aufgearbeitet: v.l. Dr. Moritz Pöllath (Lehrer), Eva Sailer (Lehrerin), Julian Bohnsack, Matthieu Meder, Charlotte Müller, Liam Knopf und Schulleiter Peter Popp.
Dunkle deutsche Geschichte anschaulich (und preiswürdig) aufgearbeitet: v.l. Dr. Moritz Pöllath (Lehrer), Eva Sailer (Lehrerin), Julian Bohnsack, Matthieu Meder, Charlotte Müller, Liam Knopf und Schulleiter Peter Popp © Dziemballa

Einen ersten Preis bei einem Bundeswettbewerb haben Schüler des Schwabener Franz-Marc-Gymnasiums gewonnen. Es ging um die deutsche Besatzungszeit in Griechenland.

Markt Schwaben – Geht es an unseren Schulen im Rahmen des Geschichtsunterrichts um die Aufarbeitung der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte (die zwischen 1933 und 1945), dann dreht es sich meistens um den Holocaust. Manchmal werden auch Verbrechen in deutschem Namen in Polen und Frankreich Gegenstand im Unterricht. Seltener steht da schon Griechenland im Fokus.

Aber auch dort gab es systematische Zerstörungen zahlloser Dörfer durch die Wehrmacht, in deren Verlauf viele zu Tode kamen.

„Die deutsche Okkupation Griechenlands von April 1941 bis Oktober 1944 forderte mehr Opfer als in allen anderen nicht-slawischen Ländern und ist nach wie vor tief verankert im griechischen kollektiven Gedächtnis. Das Bewusstsein darüber ist in der deutschen Öffentlichkeit jedoch nach wie vor nur schwach ausgeprägt. Orte wie Distomo oder Kalavryta stehen sinnbildlich für die Verbrechen der deutschen Besatzer, von den knapp 60 000 Mitgliedern der jüdischen Gemeinde Thessalonikis überlebten nur die wenigsten und unzählige Widerstandskämpfer/innen wurden in deutsche KZ verschleppt und zur Zwangsarbeit herangezogen“, heißt es auf der Internetseite occupation-memories.org.

Griechenland ist vielfach in Vergessenheit geraten bei der Aufarbeitung der eigenen Geschichte

Damit Griechenland speziell in diesem Punkt nicht ganz vergessen wird, hatte die griechische Botschaft heuer einen Wettbewerb ausgelobt: „Challenge History - Remember Hellas“. Und er fand im Rahmen eines Projektes „Erinnerungen an die Okkupation in Griechenland“ an der FU Berlin und unter Schirmherrschaft der hellenischen Botschaft statt. Das erklärte Ziel: Das Bewusstsein der Jugend für die deutsch-griechische Geschichte stärken sowie Demokratieverständnis und Toleranz aus einer gesamteuropäischen Perspektive fördern.

16 Schulen aus dem gesamten Bundesgebiet nahmen teil. Vier Sieger gab es. Einer ist in Bayern angesiedelt. Es geht ums Franz-Marc-Gymnasium in Markt Schwaben.

Hier hatte sich ein Team von Neun- und Zehnklässlern mit ihrem Lehrer Dr. Moritz Pöllath, inzwischen beschäftigt am historischen Seminar der LMU am Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte und Public History, tief in die Materie eingearbeitet und am Ende einer monatelangen Recherche einen Podcast erstellt – vergleichbar einem Radiobeitrag, der jederzeit im Internet abrufbar ist. Darin lassen die vier siegreichen Schüler u.a. einen 82-jährigen Griechen zu Wort kommen, der einen Überfall der deutschen Truppen auf sein Dorf überlebte, dabei aber seine Eltern und mehrere Angehörige verlor.

Am Anfang eines Telefonats mit dem Zeitzeugen, der in der Schweiz lebt, seien alle Seiten sehr aufgeregt gewesen, berichten die Schüler. Doch das habe sich schnell gelegt. Auch, weil ihr Gesprächspartner keineswegs im Sinn hatte, seine deutschen Interviewer anzuklagen. „Er hat gesagt, dass er auf uns persönlich nicht wütend ist“, berichten die Gymnasiasten. Wohl aber betont, dass es heute ihre Aufgabe sei, Verantwortung zu übernehmen dafür, dass Derartiges nicht wieder passiere.

Interview mit einem Überlebenden, der jetzt in der Schweiz lebt

Am Schluss stellen sie sich und einem Zeitzeugen die Frage, „wie wir durch das Wissen über die Vergangenheit zu einer gemeinsamen deutsch-griechischen und europäischen Freundschaft finden können?“ Die Antwort: Durch Aufklärung. Durch Aufklärung, die das Ziel haben müsse, in einem vermeintlich Fremden keinen Fremden zu sehen, wie es Schulleiter Peter Popp ausdrückt. Eine Basis dafür könne die Schule legen; zum Beispiel durch solche Projekte, die am FMG in einer guten, langen Tradition stehen.

Der mit 2500 Euro prämierte Podcast-Beitrag als einer von vier Wettbewerbssiegern kann unter https://www.occupation-memories.org/de/schuelerwettbewerb/index.html abgerufen werden.

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