Eigentlich wollte Alexandra Knuth (41) aus Markt Schwaben kein eigenes Pferd mehr haben, aber bei Jack wurde sie schwach. Jetzt kümmert sie sich aufopferungsvoll um den Wallach, der in Ottenhofen steht.
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Eigentlich wollte Alexandra Knuth (41) aus Markt Schwaben kein eigenes Pferd mehr haben, aber bei Jack wurde sie schwach. Jetzt kümmert sie sich aufopferungsvoll um den Wallach, der in Ottenhofen steht.

Einst verwahrlostes Tier findet ein neues Zuhause bei Markt Schwabenerin

Happy End für geschundenes Pferd Jack

  • Raffael Scherer
    vonRaffael Scherer
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Das verwahrloste Pferd Jack wurde in einem Stall in Aying gefunden. Isabelle Reitsberger aus Vaterstetten nahm den 14-jährigen Wallach auf, um ihn aufzupäppeln. Jetzt hat die Geschichte ein Happy End

Vaterstetten/Ottenhofen – Eigentlich wollte Alexandra Knuth (41) aus Markt Schwaben kein eigenes Pferd mehr haben. Sie hat keinen eigenen Stall und ihre Arbeit im Tierheim verlangte ihr viel Zeit ab. Doch dann, nach zehn Jahren ohne Tier, begegnete sie dem Wallach „Jacky“, oder „Jack“, wie ihn Knuth nennt, denn „er ist ja ein Mann“.

Jack stand im November vergangenen Jahres verwahrlost und allein gelassen in einer Pferdebox in Aying (Lk. München). Ungepflegt und ausgehungert. Den Kontakt zu Menschen oder anderen Pferden war er seit rund anderthalb Jahren nicht mehr gewöhnt. Ein Landtierarzt fand das 14-jährige Pferd und verständigte den Tierschutz. „Ich war bei der Beschlagnahmung dabei, als wir ihn aus der Box herausgeholt haben“, erzählt Alexandra Knuth.

Jack in der Box, in der das Pferd offenbar eineinhalb Jahre alleine stand. Ein Tierarzt hatte durch Zufall das schwer vernachlässigte Tier entdeckt.

In der Tierklinik in Parsdorf kümmerten sich Ärzte und Pfleger daraufhin um Jack. Laut Tierschutzbund das erste Mal seit acht Jahren, dass der Wallach einen Tierarzt vor sich hatte. Muskelschwund, Bewegungsmangel und ungepflegte Hufe hatten ihm das Leben zur Hölle gemacht. Jack hatte eine Fehlstellung an den Beinen entwickelt, die ihm das Laufen erschwerte. Doch dann zeichnete sich ein Silberstreif am Horizont ab.

Isabelle Reitsberger nahm Jack kurzzeitig auf ihrem Hof auf.

Isabelle Reitsberger vom gleichnamigen Hof in Vaterstetten erklärte sich bereit, den Wallach vorläufig aufzunehmen. Weil Alexandra Knuth Erfahrung mit schwierigen Tieren hatte, begann sie in Vaterstetten mit Jack zu arbeiten. „Und dann war es um mich geschehen“, sagt Knuth verschmitzt. Sie bewarb sich um den Wallach, bekam den Zuschlag und brachte ihn in einem kleinen ruhigen Stall in Ottenhofen (Lk. Erding) unter. Dort kann das Tier „zur Ruhe kommen“ und hat „Freunde links und rechts neben sich stehen“, sagt die 41-Jährige. Es sei ein sehr entspannter Stall, mit „Rentnern“, also Rennpferden im Ruhestand, und ausrangierten oder geretteten Pferden, ideal für Jack.

Aber Jack und Knuth haben noch einen langen Weg vor sich, denn: Jack ist den Umgang mit Menschen nicht mehr gewöhnt. Darum bringt Knuth ihm wieder bei, dass er „Menschen nicht einfach über den Haufen rennen darf“. „Das kann bis zu einem Jahr dauern“, vermutet sie.

Doch die 41-Jährige ist sich sicher: „Er hat schon gemerkt, dass das jetzt seine Heimat ist“, sagt sie. Das liege bestimmt auch daran, dass er jetzt von ihr verwöhnt wird, mit „viel zu vielen Leckerlis und Karotten“.

So berichtete die Ebersberger Zeitung am 26. November über das Schicksal des Wallachs, der in einer Box in Aying entdeckt worden war.

Die Arbeit mit dem Wallach mache ihr großen Spaß, sagt Knuth. „Er ist ein kleiner Frechdachs, das taugt mir“, sagt sie. Wie etwa, dass sie genau an seinen Augen sehe, wenn er im Begriff sei „gleich irgendeinen Blödsinn“ zu machen. Frechheiten wie in den Fuß beißen für ein Leckerli.

Jetzt gehe es erst einmal darum, dem Pferd Basiswissen beizubringen. Etwa, dass es keine Angst vor Menschen oder anderen Pferden haben müsse – und andersherum, dass es sich nicht stressen müsse, wenn diese wieder weggehen. Auch Grundbewegungen, wie das Heben des Hinterhufes für den Hufschmied, ohne das Gleichgewicht dabei zu verlieren, sind die nächsten Ziele, so Knuth.

Bis sich Jack an seine neue Besitzerin und sein neues Heim gewöhnt hat, kann es zwar noch dauern, aber Knuth geht ganz ruhig an die Sache heran: „Wir denken in kleinen Schritten und die Zeit soll er kriegen“, sagt sie. Das habe Jack sich auch verdient, nach all dem, was er durchgemacht hat.

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