Cihan und Michaela Zeyrek aus Markt Schwaben haben eine private Hilfsaktion in Gang gesetzt.
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Cihan und Michaela Zeyrek aus Markt Schwaben haben eine private Hilfsaktion in Gang gesetzt.

Hilfskonvoi ins Ahrtal startet am Samstag

Markt Schwabener Taxi-Unternehmer bringt Babybrei und mehr ins Katastrophengebiet

  • VonJörg Domke
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Sie haben gerade ihren 5. Hochzeitstag gefeiert, als in Westdeutschland Menschen ihr Leben verloren. Cihan und Michaela Zeyrek aus Markt Schwaben wollen helfen. Der Taxiunternehmer aus Markt Schwaben hat einen Hilfskonvoi auf die Beine gestellt.

Markt Schwaben – „Eigentlich geht es uns doch hier gerade supergut“, hatten sich Cihan und Michaela Zeyrek erst dieser Tage wieder gesagt. Das Paar aus Markt Schwaben feierte gerade den fünften Hochzeitstag. Und es kam ihnen bei dieser Gelegenheit, wie sich Cihan (36) ausdrückt, vor wie ein „Privileg“. Nahezu zeitgleich erlebten die Eheleute natürlich an ihrem Ehrentag und danach im Fernsehen und anderen Medien, wie viele andere auch, was gerade in Westdeutschland abging.

Dazu kam, dass Michaela Zeyrek (35), die über Instagram ziemlich stark vernetzt ist, auf diesem Wege einen Hilferuf empfing – und zwar eben aus dem Hochwassergebiet an der Ahr. Das alles zusammen motivierte die Eltern eines zweieinhalbjährigen Sohnes spontan, hier doch auch etwas tun zu wollen.

Nur mitnehmen, was wirklich gebraucht wird

„Wir haben danach viel umeinander telefoniert und uns bei Fachleuten erkundigt, was wirklich gebraucht wird“, berichtet Cihan Zeyrek, der in Markt Schwaben ein Taxiunternehmen betreibt. Inzwischen ist eine von den Eheleuten initiierte, kreisweite Hilfsaktion angelaufen, bei der dank der beruflichen Vernetzung Zeyreks auch Taxikollegen aus Hohenbrunn und München involviert sind.

Bei der Autovermietung Enterprise hat der Schwabener Unternehmer zum Vorzugspreis drei 3,5-Tonner gebucht, sein eigenes Großraum-Taxi will er ebenfalls zur Verfügung stellen, um in der Nacht von Samstag auf Sonntag (24. auf 25. Juli) möglichst viele Hilfsgüter Richtung Ahr zu fahren. Sein Schwager Koray Turan, sein Cousin Samed Tunctekin und sein Poinger Kollege und Freund Mauritz stellen sich als Fahrer zur Verfügung. Bei Bedarf kann auch noch ein fünftes Fahrzeug in Bewegung gesetzt werden.

Firmen aus dem Landkreis unterstützen die Aktion

Unterstützt wird die Privatinitiative u. a. von der Brauerei Schweiger, dem Autohaus Bäuerle, Alois Rupprich und „Markt Schwaben 2030“ und vielen mehr. Zeyrek sagt, die Hilfsbereitschaft sei so groß, dass er Gefahr laufe, bei der Aufzählung manche Unterstützer zu vergessen. Auch viele seiner Kunden hätten sich schon gemeldet.

Klar ist inzwischen, was transportiert werden soll. Und zwar: Babynahrung, Windeln, Baby-Feuchttücher, Baby-Flaschen (möglichst neue), Taschentücher, Hygieneartikel, funktionierende Taschenlampen, Batterien, Müllbeutel in Rollen, Umzugskartons, Instant-Kaffeepulver, Kindersäfte, Kekse, H-Milch, Milchbrötchen und Fertiggerichte in Dosen. Die Liste sei ihm und seiner Frau so mitgeteilt worden. „Alles andere können und wollen wir auch nicht transportieren“, so der gebürtige Münchner mit türkischen Wurzeln.

Am besten sind Geldspenden

Die Hilfsbereitschaft, hört man in diesen Tagen nach der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und NRW, sei bundesweit sehr groß. Manchmal so gewaltig, dass auch vieles schon in den Westen transportiert wurde, was dort gar nicht gebraucht werden kann. Eine Anfrage der EZ im Fachbereich Öffentliche Sicherheit und Gemeinden/Brand- und Katastrophenschutz im Landratsamt Ebersberg ergab gestern: Am liebsten seien den Kräften im Katastrophengebiet Geldspenden. Die Katastrophenschutzeinheiten vor Ort wüssten am besten, was genau benötigt werde und was nicht, sagte gestern Kreissprecherin Evelyn Schwaiger. Kontoverbindungen bieten alle renommierten Hilfsaktionen. jödo

In Markt Schwaben gibt es bereits eine Sammelstelle in der von-Kobell-Straße 7 („Calypso“-Bar). In Finsing in der Hauptstraße 22. Die Dampf-Bar am Marienplatz 14 in Ebersberg macht ebenfalls als Anlaufstelle mit, ebenso können Hilfsgüter in der Hauptstraße 19 in Tulling bei MJ Cars and Parts abgegeben werden.

Wer die Initiative im Bereich Grafing unterstützen möchte, der sollte sich kurzfristig am Samstag noch mit der Nummer (0176) 64 18 52 23 in Verbindung setzen, so Cihan Zeyrek. Dort könne man dann weitere Details erfahren.

Hilfsgüter gehen direkt an Betroffene, versprechen die Initiatoren

Die Eheleute Zeyrek werden, so hieß es gestern am EZ-Telefon, die Güter aus dem Landkreis Ebersberg direkt zu den betroffenen Opfern der Flutkatastrophe fahren und nicht etwa zu Verteilzentren vor Ort. Und sie werden die Übergabe auch dokumentieren.

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