Ein falsch herum gesprühtes Hakenkreuz. Wie der Hitlergruß gilt es in Deutschland als Symbol einer verfassungsfeindlichen Organsiation. Wer sich eines solchen bedient, mach sich strafbar. Ein Markt Schwabener muss nun dafür ein Jahr ins Gefängnis.
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Ein falsch herum gesprühtes Hakenkreuz. Wie der Hitlergruß gilt es in Deutschland als Symbol einer verfassungsfeindlichen Organsiation. Wer sich eines solchen bedient, mach sich strafbar. Ein Markt Schwabener muss nun dafür ein Jahr ins Gefängnis.

Trotz Reue und Versprechen

„In mir lebt Hitler weiter“: Mann wegen ständiger Nazi-Parolen verhaftet - Gericht greift durch

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Weil er mehrfach den Hitlergruß zeigte, begleitet von Nazi-Parolen, muss ein 54-Jähriger nun hinter Gitter. Dem Mann aus Markt Schwaben half auch seine Reue nicht.

  • Für mehrere Hitlergrüße muss sich ein Markt Schwabener vor dem Amtsgericht Ebersberg verantworten.
  • Enthemmt vom Alkohol ließ er sich zu Nazi-Parolen hinreißen.
  • Er muss dafür ein Jahr ins Gefängnis.

Poing/Markt Schwaben – 22 Vorstrafen, Diebstahl, versuchte Nötigung, Sachbeschädigung – und ein halbes Dutzend wegen Volksverhetzung und anderer rechtsradikaler Umtriebe: Wer sich anhand dieser Vita ein Bild von dem Angeklagten macht, der am Donnerstag vor dem Ebersberger Amtsgericht stand, stellt sich einen eisenharten Neonazi vor, Glatze, Springerstiefel, Bomberjacke.

Hitlergruß und Nazi-Parolen: Angeklagter überrascht mit Geständnis und viel Reue

Von wegen. Auf der Anklagebank saß ein hagerer, alternder Mann, 54 Jahre alt, mit Drahtbrille und sorgsam gekämmtem, dünnem Haar. Aus sauber gebügelten, hellblauen Hemdsärmeln heraus ließen zittrige Finger einen Zettel kreisen, als sei es ein Rosenkranz. Wie ein Stoßgebet an die Richterin wiederholte der Mann mit belegter Stimme seine mitgebrachten Sätze: „Ich schäme mich.“, „Das ist meine Schuld.“ Und: „Ich mache nicht allein den Alkohol verantwortlich.“

Doch sein massives Alkoholproblem ist es offenbar, das in dem schüchternen, schmalen Markt Schwabener das Dritte Reich auferstehen lässt. „In mir lebt Hitler weiter“, habe der Angeklagte gesagt, berichtet ein Zeuge von einem Abend Ende Januar dieses Jahres in Markt Schwaben. Dort habe der sichtlich Betrunkene am Bahnhof eine Gruppe Asylbewerber angepöbelt und, begleitet von „Heil-Hitler“-Rufen, den Hitlergruß gezeigt. Dazu Thesen wie: Juden und Muslime vergasen, Deutschland den Deutschen, das volle Programm.

Nazi-Ausraster im Suff - drei Mal in kurzer Zeit

Es war das dritte Mal innerhalb kürzester Zeit, dass der Arbeitslose in dieser Weise auffällig wurde. Bereits zwei Wochen zuvor hatte er beim Aussteigen aus der S-Bahn in Poing den Hitlergruß gezeigt und „Sieg Heil!“ gerufen. Das sagte eine 21-jährige Poingerin aus. In seinem Rucksack klimperten die Flaschen. Die Zeugin hatte Anzeige erstattet, als sie in der EZ zwei Wochen später von dem Vorfall in Markt Schwaben las.

Die Polizei aber kannte den Alkoholiker vorher schon. Er habe einen Rumänen in seiner Wohnung leblos geprügelt, hatte der Markt Schwabener seiner Ex-Frau am Telefon gesagt. Die rief die Polizei, die mit drei Streifenbesatzungen die Wohnung auf den Kopf stellte. Ergebnislos. Offenbar hatte sich der 54-Jährige die Tat im Vollrausch zusammenfantasiert. Dass er Polizisten und Rettungsdienst mit Hitler-Gruß und „Heil-Hitler“-Ruf verabschiedete, brachte ihm eine Anzeige wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ein. Macht drei an der Zahl.

Alkoholsucht und Gefängnis: Mann rastet immer wieder aus - und brüllt Nazi-Parolen

„Ich mache immer wieder den gleichen Mist“, bekannte der Angeklagte. Obwohl er sich alkoholbedingt kaum erinnern könne, gab er rundheraus zu, dass sich die Taten wohl so zugetragen hätten. Wegen ähnlicher Ausraster im Rausch hatte er 14 Monate in der Haftanstalt am Chiemsee abgesessen. Seine Alkoholsucht bekam er dort nicht in den Griff. Am Bahnhof in Bernau zischte das erste Bier. Zwei Tage nach der Haftentlassung folgte die Eskalation mit der Polizei. „Ich rechne mit einer Haftstrafe“, bekannte der 54-Jährige. „Ich bitte nur, dass sie nicht allzu hoch wird.“ Er sei verschuldet. Ein Stechen im Bauch mache ihm Angst, er sei aber nicht krankenversichert und habe nach der Haftstrafe noch nicht einmal Hartz IV beantragt. „Jetzt brauche ich auch nicht mehr rummachen.“

Trotz Beteuerungen und Versprechen: Für Hitler-Parolen erneut ins Gefängnis „Nüchtern machen Sie einen guten Eindruck.“

Richterin Vera Hörauf attestierte ihm bei der Urteilsverkündung: „Nüchtern machen Sie einen guten Eindruck.“ Den Beteuerungen des Mannes, er habe inzwischen das Trinken aufgehört, widersprach aber der Bericht des Bewährungshelfers, da halfen auch die Versprechen nicht mehr, er besuche wöchentlich zwei Selbsthilfegruppen. Selbst der Pflichtverteidiger konnte sich nicht dazu durchringen, um eine Bewährungsstrafe zu bitten. Der 54-Jährige muss für seine Nazi-Ausraster im Vollrausch wieder ins Gefängnis. Das Urteil: Zwölf Monate ohne Bewährung.

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