Eva Orinsky mit ihren Kinderbüchern
+
„Willi Wüterich“ einige andere Bücher der Therapeutin Eva Orinsky helfen Kindern in schwierigen Phasen

Immer auf Augenhöhe

Eva Orinsky aus Ottenhofen zeichnet und schreibt therapeutische Kinderbücher

  • Friedbert Holz
    vonFriedbert Holz
    schließen

Weil es eben manchmal mehr als stumpfes Pauken braucht: Therapeutin Eva Orinsky schreibt und zeichnet therapeutische Kurzgeschichten für Kinder.

Markt Schwaben/Ottenhofen – Eigentlich ist Eva Orinsky ausgebildet als systemische Psychotherapeutin, arbeitet als Lehr-Trainerin am IFS-Ausbildungs-Institut in München nach dem so genannten Inneren-Familien-System. Auch in ihrer Freizeit befasst sie sich mit seelischen Zuständen von Menschen, vor allem der jüngsten: Sie schreibt gerne therapeutische Kinderbücher, illustriert diese auch selbst. Und sie hat sich spontan am Schwabener Kunstpfad beteiligt.

„Die Methode der systemischen Teilearbeit basiert auf der Forschung des Amerikaners Richard C. Schwartz. Dieser Psychotherapeut, der heute an der Harvard Medical School in Boston lehrt, hat die vielfältigen und zuvor kaum beachteten Unterpersönlichkeiten oder Teile der menschlichen Psyche erforscht.

Selbstgemachte therapeutische Kinderbücher: Von der Grundschullehrerin zur Therapeutin

Diese Erkenntnisse daraus ergaben vor allem für Familien-Therapeuten eine radikal neue Sichtweise und lassen sich mittlerweile erfolgreich anwenden.“ Orinsky, vor 66 Jahren geboren in Altenerding und Mutter von zwei erwachsenen Kindern, ist fasziniert von dieser Methodik, möchte auch andere Interessierte dafür begeistern.

Dabei ist sie zuerst gar nicht in den Beruf einer Therapeutin gestartet, fand über den „Umweg“ als Lehrerin an einer Grundschule erst dorthin. „14 Jahre arbeitete ich als Pädagogin an drei Schulen, ließ mich dann aber beurlauben, um ganz für meine Kinder da sein zu können“, blickt sie zurück. Und so hatte sie 1989 die Idee, ein erstes Liederbuch mit weihnachtlichen Weisen für Kinder zu entwerfen.

Selbstgemachte therapeutische Kinderbücher: Orinsky will Kindern „mehr als Lernstoff“ vermitteln

Was eigentlich nur für ihren Sohn gedacht war, entwickelte sich schließlich ungewollt zu einem ersten Erfolg, mittlerweile ist ihr Erstlingswerk aber bereits vergriffen. „In meiner Zeit als Lehrerin habe ich schnell gemerkt, dass Kinder mehr brauchen als Lernstoff. Sie wollen aktiv eingebunden und mitgenommen werden, schnödes Pauken allein motiviert sie nicht.

Und so habe ich schon damals in der Schule Aktionen mit ihnen veranstaltet, beispielsweise das Einbrecher-Spiel. Dabei wird ein Kreis gebildet, und ein Kind muss von außerhalb versuchen, in dieses menschliche Rund einzudringen. Dabei merkt es schnell, wie schwierig Integration sein kann, wie Ausgrenzung zu schweren psychischen Problemen führen kann.“

Selbstgemachte therapeutische Kinderbücher: Etwa ein Jahr Arbeit pro Buch

Weil Eva Orinsky als Therapeutin immer auf Augenhöhe mit ihren Klienten sein will – „ich stelle nur Fragen, gebe keinerlei Ratschläge“ – hat sie auch ihre Kinderbücher altersgerecht gestaltet und aufgebaut. Da erfährt zum Beispiel „Willi Wüterich“, ein zu Aggressionen neigender Hasen-Junge, wie er scheinbar Bösem oder Negativem in seinem Leben anders begegnen und beherrschen kann.

In einem anderen Bändchen muss sich „Das weiße Mäuslein“ bösartigem Mobbing stellen – die Auflösung dazu hat die Therapeutin in einem Comic selbst gezeichnet, eine mühevolle Arbeit, die immerhin fast ein Jahr gedauert hatte. Ihr Talent auch zum Zeichnen hat sie bereits in ihrer Kindheit entdeckt, „ich habe alles gezeichnet, was ich sehen konnte. Doch um zu zeichnen, muss mich die Schönheit einer Sache oder eines Wesens berühren. Und es braucht viel Übung“.

Selbstgemachte therapeutische Kinderbücher: Persönliche Erlebnisse helfen bei Ideenfindung

Schließlich hat sie aber entdeckt, dass vielleicht doch auch etwas Erbgut in ihrem Können liegen könnte: Immerhin hatte ihr Urgroßvater schon als Karikaturist für die legendären „Fliegenden Blätter“ in München gearbeitet. Natürlich sollen ihre Kinderbücher auch etwas bewegen, sollen animieren, etwa zu Mut.

Und so lässt sie in ihrer Kurzgeschichte „Leo Leckermaul“, auch von ihr illustriert, von acht verschiedenen Personen in deren jeweiligem Dialekt die Story einer Maus erzählen. Diese ist in einen Honigtopf gefallen und kann sich erst durch die tatkräftige Hilfe anderer wieder daraus befreien. Wie sie auf solche Ideen kommt? „Ich muss auf Einfälle warten, bis sie kommen. Und manchmal schreibe ich auch über Ereignisse, die ich selbst so oder so ähnlich erlebt habe“, gibt Orinsky einen kleinen Einblick in ihren Kreativ-Prozess.

Selbstgemachte therapeutische Kinderbücher: Orinsky ist bereits mit nächstem Werk beschäftigt

Ihr nächstes Projekt allerdings richtet sich nicht an Kinder, sondern befasst sich mit ihrer Arbeit. Sie schreibt zusammen mit einer Fach-Kollegin über systemische Teilearbeit „in der Praxis, aus meiner Praxis“. In diesem eher wissenschaftlichen Werk wird es um Dialoge mit Klienten gehen, um die Aufarbeitung psychischer Probleme, oder um „das Nach-Beeltern des inneren Kindes“, wie Eva Orinsky diesen Prozess auch bezeichnet.

Dabei sei ihr stets wichtig, „achtsam mit den Personen zu sein, die sich mir öffnen wollen, niemals über Grenzen zu gehen“. Ihre behutsam und liebevoll gestalteten Kinderbücher sind sicher auch ein wichtiges Element auf dem Weg dorthin.

Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Ebersberg-Newsletter.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare