+
Mehr Blühpflanzen sollen den Bienen und anderen Insekten einen besseren Lebensraum bieten.

Insektensterben

Markt Schwaben will mehr „summen“

  • schließen

Wilde Wiesen und Blumenflächen sollen in Markt Schwaben gegen Bienen- und Insektensterben helfen. Darüber ist sich der Marktgemeinderat einig.

Markt Schwaben – Imker wie Richard Hörl aus Forstinning machen schon seit geraumer Zeit immer wieder darauf aufmerksam, dass auch im vorwiegend ländlich geprägten Landkreis Ebersberg die Lebensräume für Bienen immer kleiner geworden sind. Ja, inzwischen gibt es sogar Kollegen, die die planmäßige Beseitigung der standortuntypischen, sogenannten Neophyten kritisieren. Also der farbenfrohen Pflanzen wie das Indische Springkraut, das Bienen, Hummeln, Schmetterlinge oder Wespen als Anlaufstation gerne nutzen und die so etwas wie wertvolle Insektenweiden sind, wie der Hohenlindener Imker Rudolf Hochhard in einer Leserzuschrift erklärte, die wir am 15. September abdruckten.

Dass man Insekten, speziell Bienen, weitere Lebensräume schaffen muss, damit ihr Fortbestand nicht gänzlich in Gefahr gerät, ist unbestritten. Als erster und einziger Landkreis wird Ebersberg nun Mitglied im deutschlandweiten Aktionsbündnis „Deutschland summt“ (wir berichteten).

Eine wesentliche Rolle im kreisweiten Bemühen um die Bienen will dabei der Markt Markt Schwaben spielen. Einstimmig sprach sich der Marktgemeinderat in seiner Oktober-Sitzung für die Teilnahme an der Aktion aus. Begleitet wird der Grundsatzbeschluss von einigen ganz konkreten Maßnahmen, die man lokal umsetzen möchte. Dabei geht es um einen Verzicht auf Pestizideinsatz auf gemeindeeigenen Pflegeflächen. Auch wenn, wie Bürgermeister Georg Hohmann im Plenum berichtete, Bauhofmitarbeiter schon auch mal beschimpft werden, jetzt auch noch Unkraut zu pflegen und zu gießen.

Zweitens soll der Pflegeaufwand durch seltenere Mahd verringert werden. Eine Mahd in noch blühenden Flächen soll ab 2018 unterbleiben. Temporär will man ganz bewusst Wildnis zulassen.

Einiges verspricht man sich davon, geeignete Straßen-, Weg- und Feldränder sowie Böschungen und Restflächen als Blühstreifen zu nutzen und entsprechend mit mehrjährigen Saatmischungen zu versehen. Zugleich hat man im Schwabener Rathaus erkannt, dass all das unbedingt begleitet werden muss durch eine aufklärerische Öffentlichkeitsarbeit.

Hohmann und auch der Dritte Bürgermeister Joachim Weikel wiesen in der Ratssitzung darauf hin, dass es in Markt Schwaben Grünstreifen zwischen Straßen und landwirtschaftlichen Nutzflächen gebe, die von Landwirten zuletzt bis ins Bankett hinein bearbeitet, sprich weggepflügt worden seien.

CSU-Gemeinderatsmitglied Heinrich Schmitt rief dazu auf, private Initiativen zu fördern. Die Bereitschaft, sich hier ideell und auch finanziell einzubringen, sollte nicht außer acht gelassen werden. Seine Fraktionskollegin Anja Zwittlinger-Fritz regte Bürgerpatenschaften an. Dagegen sprach Susanne May, führende Kraft im Aktivkreis Umwelt, davon, dass in Bezug auf Bürgeraktivitäten in den vergangenen Jahren nicht viel passiert sei.

Die Appelle der beiden christsozialen Mandatsträger zielten wohl auch auf eine haushaltsrechtliche Würdigung des Gesamtthemas. Maximal will sich der Markt nämlich Maßnahmenpläne, Umgestaltungen und Material bis zu 10 000 Euro kosten lassen, hieß es. Als Zeichen, wie ernst man es im Marktgemeinderat mit summenden Bienen in der Marktgemeinde auch in der Zukunft meint, regte Joachim Weikel, Mitglied in der Fraktion der Grünen, an, Sitzungsgelder der Gemeinderatsmitglieder zweckgebunden zu spenden. Ein Vorschlag, der ohne Gegenrede blieb. 

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ahmed Ali kann vorerst bleiben
Warum der 22-jährigen Azubi aus Ebersberg erst mal nicht abgeschoben wird, obwohl sein Asylantrag abgelehnt wurde.
Ahmed Ali kann vorerst bleiben
Amrei aus Soyen
Amrei schläft. Fest und tief. Das niedliche Mädchen ist das Kind von Rosemarie Pichler und Patrick Pfalzgraf aus Soyen und hat am 15. Januar in der Kreisklinik Ebersberg …
Amrei aus Soyen
Waschgang erster und zweiter Klasse
Am Sonntag zum Autowaschen statt in die Kirche? Das geht gar nicht, meinten die Grafinger Stadträte in ihrer jüngsten Sitzung. Autowaschen an Sonn- und Feiertagen bleibt …
Waschgang erster und zweiter Klasse
Zwei neue Häuser am Richardisweg möglich
Die Stadt Ebersberg hat die Tore für eine bauliche Nachverdichtung am Richardisweg geöffnet. Hier können zwei Doppelhäuser entstehen.
Zwei neue Häuser am Richardisweg möglich

Kommentare