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Grundsteinlegung im September 2002: Damals legte noch Bürgermeister Bernhard Winter Hand an.

Besondere Angebote mit pädagogischem Konzept

Jugendzentrum Markt Schwaben: Langer Kampf ums gute Image

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15 Jahre Jugendzentrum Markt Schwaben: Das Team setzt auf besondere Angebote mit pädagogischem Konzept  - und ist erfolgreich.

Markt Schwaben – Etwas mehr als 15 Jahre ist es nun schon her, dass sich in der Schwabener Kommunalpolitik die Erkenntnis durchgesetzt hatte, ein Jugendtreff wie das „Jail“ im Keller des Alten Schulhauses könne nicht weiter autonom geführt werden. Am Ende der damals teils rege geführten Debatte stand der Beschluss zu einem Neubau eines (geführten) Jugendzentrums. Maßgeblich an dieser Entwicklung beteiligt war ein Verein, der sich die Förderung eines Jugendzentrums auf seine Fahnen geschrieben hatte.

Im September 2002 wurde der Grundstein gelegt, die Eröffnung erfolgte am 18. Juli 2003. Damals war es Bürgermeister Bernhard Winter, der zur Eröffnung von einem Traum erzählen wollte, „hier mögen in Zukunft wie selbstverständlich Feuerwehrjugendliche mit Punks, türkische Mädchen mit Schuhplattlern und Omas mit Zweitklässlern einen Ort der Begegnung finden.“ Das hat sich so nicht ergeben.

Winter warnte seinerzeit aber auch indirekt vor zu viel Euphorie. „Es werde auch einmal Wolken geben über dem Blues. Und dann mögen die, die heute so einträchtig beieinander seien, ebenso zusammen wirken, um die Probleme aus der Welt zu schaffen“. Hier sollte er Recht behalten.

Unermüdlicher Motor des JuZ-Projekts war der Förderverein, dem Siegbert Tillmann vorstand. Auch Günter Simmack und Peter Pritzl (beide CSU) waren Förderer. In einem Interview mit der EZ erinnerte der frühere SPD-Ratsherr an eine Veranstaltung im Ratssaal im Jahr 1998, als ein Bewährungshelfer Markt Schwaben einen Kriminalitätsschwerpunkt nannte; und hauptsächlich das Thema Drogen meinte.

Dennoch dauerte es noch ein paar Jahre. „Der Fortschritt ist eine Schnecke“, so Tillmann.

Mann quasi der ersten Stunde auf der Pädagogenseite war Jan Ostmann. Der heute 47-Jährige leitet das Haus immer noch. Dem diplomierten Pädagogen stehen mit Waike Müns und Johannes Piller derzeit zwei weitere Kräfte mit jeweils einer halben Stelle zur Seite. Inzwischen ist das Blues, wie es einst getauft wurde, wieder eine Adresse geworden, bei der Eltern nicht zwangsläufig zusammenzucken müssen.

Das war, erinnert sich Ostmann, leider nicht immer so. Es gab die von Winter vorhergesagten dunklen Wolken in der Tat. Noch heute denkt Ostmann ungerne an die schweren Zeiten zurück, als Drogengeschichten von jungen Leuten, die man mit dem Blues in Verbindung brachte, das Image des Hauses arg ramponierten. Das war speziell im Jahr 2010. Dazu kam noch ein Überfall Jugendlicher auf einen örtlichen Supermarkt mit Spielzeugpistolen. Junge Leute, die ebenfalls zu Stammgästen im JuZ gehörten. Mit Blick auf die Protagonisten von damals spricht Ostmann noch heute von echten „Kalibern“. Dem Jugendzentrum hatten sie ganz ohne Zweifel einen Bärendienst erwiesen.

Dieses arg in Mitleidenschaft gezogene Image wieder aufzupolieren: Darin bestand viele Jahre eine der Hauptaufgabe von Ostmann und seinen Mitstreitern. Es sei ein mühsamer Weg gewesen, sagt er in der Rückschau auf 15 Jahre Jugendzentrum am Erlberg.

Betont aber zugleich, dass es im Hause selber bis auf ganz wenige Ausnahmen zu keinerlei größeren Zwischenfällen gekommen sei. Zur Kenntnis nehmen wollte das nicht jeder.

Image-Arbeit nennt Ostmann also das, was die Hauptamtlichen viele Jahre angetrieben habe. Und es noch immer tun. Heute ist der Chef des Hauses davon überzeugt, dass sich der Ruf wesentlich gebessert habe. Erkennbar sei das darin, dass auch wieder jüngere Jugendliche kämen.

Dass beispielsweise nach den so beliebten Tenny-Partys für Jugendliche von neun bis 13 Jahren alle zwei Monate (die nächste findet am 22. Juni von 18 bis 22 Uhr statt), wo Eltern auch schon eingeladen wurden, um sich im Haus umzusehen und sich ein eigenes Bild zu machen.

Auch die Angebote habe man immer wieder angepasst. Die Ferienprogramme für Schulkinder im Sommer, zu Ostern und Pfingsten liegen inzwischen ganz in den Händen der Blues-Leute. Man hat gezielt Werbung in Schulen gemacht, hat sich um Quali-Vorbereitungen für Mittelschüler gekümmert, Musikvideos und Trickfilme produziert.

Und sich auch außerhalb gezeigt. Etwa beim Bürgerfest oder bei der Nacht der Musik, die heuer wieder am 28. Juli stattfinden wird und bei der das JuZ erneut jungen Musikern aus Markt Schwaben und Umgebung die Chance bieten wird zu einem öffentlichen Auftritt. „Wir haben das Bestreben, dass man uns kennenlernt und uns nicht von außen beurteilt“, so der JuZ-Chef.

Größter Magnet zurzeit ist der offene Treff von mittwochs bis samstags um 16 bis 21 Uhr und freitags stets bis 22 Uhr. Zwischen zehn und 30 junge Schwabener nehmen diese Plattform wahr. Man kann Billard spielen, Fußball, Basketball, die Half Pipe nutzen, zusammen essen oder was trinken. Im Winter lockt der Samstag-Abend-Kick in der Grundschule von 20 bis 22 Uhr für Jugendliche zwischen 16 und 21 Jahren alle zwei Wochen.

Ostmann verweist außerdem auf Sozialkompetenztraining für Jugendliche. Dazu hat er extra eine Zusatzausbildung gemacht. Es geht darum, den jungen Leuten Fähigkeiten zu vermitteln, die man braucht, damit es zu einem guten gesellschaftlichen Miteinander kommen kann. Pädagogische Tätigkeiten, die 2003 noch nicht so angesagt waren.

Nach seiner persönlichen Einschätzung hat sich laut Ostmann die reine Jugendarbeit im Vergleich zwischen 2003 und heute auch nicht wirklich grundlegend verändert. „Ad hoc würde ich sagen, dass die Arbeit gleich geblieben ist“. Die Probleme Jugendlicher seien vor 15 Jahren oftmals Liebeskummer, Schule und Ausbildungsstellen gewesen, und 2018 sei das nicht wesentlich anders.

Nach etwas Überlegen aber fügt der Münchner mit westfälischen Wurzeln dann doch noch an, dass die jungen Leute heutzutage womöglich doch etwas passiver seien als früher. Passiver im Sinne von sich einbringen in gemeinschaftliche Aktivitäten.

Einige Themen, so Ostmann, hätten sich dann im Vergleich zwischen damals und jetzt doch ein wenig verändert. Man rede jetzt mehr über Politik, versuche sie begreifbarer zu machen und den Jugendlichen die Botschaft zu senden, dass man seine Meinung auch kundtun solle.

Ein zweites neues Thema dagegen ist mehr oder weniger zwangsläufig in den neuen Aufgabenbereich der Pädagogen gerutscht: Es geht um den Versuch, den jungen Leuten ein wenig mehr Medienkompetenz zu vermitteln.

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