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Auf dem Weg in Afrikas Süden: Karin und Karl Haushofer werden in Namibia Zähne behandeln.

Zahnärzte ohne Grenzen

In Namibia der Karies auf der Spur

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Diese beiden wenn wegfliegen, haben sie alles dabei, was ein richtiger Zahnarzt braucht.

Markt Schwaben – Wenn Karin und Karl Haushofer am kommenden Sonntag ins Flugzeug nach Johannesburg, mit direktem Weiterflug nach Windhoek, steigen werden, werden die beiden Markt Schwabener neben dem normalen touristischen Gepäck auch Dinge in einem zusätzlichen Koffer dabeihaben, die man für gewöhnlich nicht mit sich führt, wenn man auf Reisen geht: Gummihandschuhe, Mundschutz, Schutzbrillen, Füllmaterial, Nahtmaterial, Desinfektionsmittel. Alles Ausrüstung, die man dringend benötigt, wenn es darum geht, Zähne zu ziehen oder kariöse Löcher im Zahnschmelz von Patienten zu verfüllen. Das Ehepaar ist zwar ab dem 12. November für zunächst eine Woche rein zu Touristenzwecken in dem südwestafrikanischen Land unterwegs, dann aber auch zwei Wochen lang in rein ärztlicher, also beruflicher Mission. Und das freiwillig und ehrenamtlich.

Karl Haushofer, Zahnarzt, und seine Gattin Karin, Zahnarzthelferin, treten die weite Reise nämlich in erster Linie an, um für die Organisation „Stiftung Zahnärzte ohne Grenzen“ (DWLF) tätig zu werden. In der Stadt Grootfontain (von den Einwohnern her etwa so groß wie die Gemeinde Vaterstetten) sowie in der im Nordosten des Landes gelegenen Region Buschmannland werden sie, begleitet von Haushofers Hamburger Studienkollegen Jörg-Christian Ribbe und ihrer langjährigen Mitarbeiterin Silvana Freund, vermutlich reihenweise Zähne ziehen bzw. Füllungen dort anbringen, wo es nötig ist. Bei Erwachsenen und Kindern gleichermaßen.

Für die Haushofers ist es das erste Mal, dass sie ihre Dienste für diese caritative Organisation zur Verfügung stellen und konkret medizinische Behandlungen anbieten werden. Anbieten für Patienten, die sich solche Dienstleistungen ansonsten nicht leisten könnten bzw. in ihrem Land solche Versorgungsangebote überhaupt nicht existieren. Der Entschluss, als Zahnarzt und Helferin weit weg von daheim zu arbeiten, sei in den letzten drei, vier Jahren gereift, berichtet Karin Haushofer. Die Grundvoraussetzungen dafür haben beide. Die Haushofers erfüllen die durchaus strengen Eingangsbedingungen, verfügen also über eine entsprechende Approbation und weitere Qualifikationsnachweise. Ihr Einsatzgebiet, das steht schon fest, wird im Norden des afrikanischen Landes sein, das einst eine deutsche Kolonie war.

Was sie dort erwartet, wissen die Schwabener bereits aus Berichten anderer Zahnärzte, die schon dort tätig waren. Die Haushofers stellen sich jedenfalls auf ganz viel Arbeit ein. Ob es die 450 Behandlungen in zehn Tagen werden, wie andere Teams vor ihnen schon absolviert haben, wird sich noch zeigen. Das jedenfalls war ein unvorstellbar gewaltiges Pensum. Dass die Eheleute aber mit Krankheitsbildern konfrontiert sein werden, die ihnen aus ihrer langjährigen Zeit in der eigenen Markt Schwabener Praxis bekannt sein dürften, steht indes schon vor Reiseantritt fest.

Die Zivilisationskrankheit Karies, erwarten die beiden, hat nach ihrem Kenntnisstand längst in einem Umfang Einzug verhalten in Namibia (früher Deutsch-Südwestafrika), den man sich vor Jahrzehnten noch nicht vorstellen konnte. Karin Haushofer: „Je weiter man weg von den großen Städten und je näher man in die Randregionen wie Buschmannland kommt, umso besser werden die Zähne.“ Anders gesagt: In Namibia hat, wie in Europa längst normal, eine zu zuckerhaltige Ernährung ihre Spuren hinterlassen.

Darin unterscheidet sich der dentale Gesundheitszustand vieler Namibier kaum noch von dem hierzulande. Wohl auch deshalb wird Aufklärung ein nicht wesentlicher, aber durchaus sinnvoller Bestandteil ihrer Mission sein. Ob sie dann nachhaltiger wirken wird als hierzulande?

Sicher ist, dass die Arbeitsbedingungen bei 35 Grad ohne Klimaanlage mit nicht immer sichergestellter Stromversorgung von besonderer Art sein dürften – und daher für die Schwabener eine ganz spezielle Herausforderung. Karl Haushofer: „Ich erwarte, dass wir ziemlich geerdet wieder nach Hause kommen werden.“

Der Wunsch nach ein wenig Abstand zum beruflichen Alltag in Deutschland haben die Eheleute am Sonntag ebenso im Gepäck. Zurzeit schlägt sich Karl Haushofer mehr, als ihm lieb sein könnte, mit einer als überfrachtet empfundenen deutschen Bürokratie, mit den steten Überprüfungen und mit teils als übertrieben angesehenem Qualitätsmanagement im hiesigen Gesundheitswesen herum. Vieles sei davon sicherlich berechtigt, wie er sagt, aber nicht, wenn es grenzenlos daherzukommen scheine.

Karl Haushofer hatte Ende 2015 seine Praxis in der Färbergasse an eine Kollegin übergeben und befasst sich seither als zertifizierter Zahnarzt von der Deutschen Gesellschaft für zahnärztliche Schlafmedizin (DGZS) mit zahnärztlich-schlafmedizinischen Therapien. Zum Beispiel Zahnschienen gegen Schnarchen und nächtliche Atempausen. Therapien, die von den Kassen bislang nur in Ausnahmefällen bezahlt werden. Es geht also um Problem- und Fragestellungen, die ihm bis zu seiner Rückkehr Anfang Dezember wohl im namibischen Alltag nicht begegnen werden.

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