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Das Holzkarussell hat einst ein Kriegsgefangener gebaut.

Heimatmuseum Markt Schwaben

Von Kriegsgefangenem gebastelt: Ein Karussell mit Geschichte

Markt Schwaben -  Eines der am meisten beachteten Gegenstände in der  Ausstellung „Kindheit in Markt Schwaben“ im Heimatmuseum ist ein kleines Karussell aus Holz.

Das Karussell wurde offensichtlich von einem russischen Kriegsgefangenen aus Sperrholz gefertigt und ist im Besitz von Traudl Widmann. „Sehr viel weiß ich leider nicht darüber“, entschuldigt sich die Seniorin, „ich war damals gerade zwei Jahre alt“.

Dieses schöne Bild der ehemaligen Brauerei Widmann hat vermutlich der Kriegsgefangene W. Zloltka kurz vor Kriegsende gemalt.

Damals, also 1944, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, mussten in der Schwabener Brauerei Widmann mehrere Kriegsgefangene Zwangsarbeit verrichten. „Es waren vorwiegend Russen und Franzosen, die damals bei uns geholfen haben, auch in der Landwirtschaft“, so Traudl Widmann. Für die meisten der Gefangenen, auch für einen gewissen W. Zloltka, vermutlich aus Russland, war diese Zeit neben harter Arbeit von Langeweile geprägt. Vor allem an den Winterabenden, in denen sie, fern ihrer Heimat und fast ohne Kontakt zur einheimischen Bevölkerung, in ihren kargen Stuben saßen, müssen ihnen die dunklen Stunden bis zum nächsten Tag fast endlos vorgekommen sein. Da war es nur verständlich, dass so mancher, der entweder handwerklich oder künstlerisch etwas begabt war, zu einem Stück Holz oder zu einem Pinsel und etwas Papier gegriffen hat. So entstand dann wohl auch besagtes kleines Karussell, das, mit einfachsten Mitteln gebaut, sich dennoch um seine Achse drehen kann und in der damals harten Zeit Kinderaugen zum Leuchten brachte.

Besagter W. Zloltka soll auch, so erzählt Traudl Widmann, ein Bild von der damaligen Brauerei gemalt haben. Es trägt das Datum des 14. Dezember 1944, ist also im letzten Kriegswinter, der als besonders schneereich in die Geschichte einging, entstanden. Es ist nicht überliefert, welches Schicksal jenen russischen Kriegsgefangenen weiter begleitet hat. Die Spuren von damals sind nahezu alle verwischt, übrig geblieben eben nur ein Karussell und ein Bild.

Friedbert Holz

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