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Kirsten Schwalke aus Markt Schwaben ist eine Lebensretterin. Sie hat mit ihrer Stammzellenspende eine 39-jährige Frau aus Slowenien vor dem sicheren Tod bewahrt und würde wieder Stammzellen spenden, wenn es nötig ist.

Lebensretterin Kirsten Schwalke 

„Ich würde es wieder tun“

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Die Suche nach Stammzellenspendern für Leukämiepatienten ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Trotzdem gibt es im Kreis bereits 60 Lebensretter. Eine davon ist Kirsten Schwalke (32) aus Markt Schwaben. Wir sprachen mit ihr im Vorfeld der Moosacher Typisierungsaktion.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich typisieren zu lassen?

Das war bereits im Jahr 2005. Auslöser war damals, dass meine Freundin Mareijke 1993 bereits mit zehn Jahren leider an Leukämie gestorben ist.

Gab es keinen Spender für sie?

Damals waren in der Spenderdatei nur 4000 Personen registriert. Das ist jetzt anders. Alleine bei der DKMS sind inzwischen in Deutschland sechs Millionen Personen erfasst. Weltweit sind es 28 Millionen.

Was ist nach Ihrer Typisierung dann passiert?

Zuerst einmal jahrelang gar nichts. Dann habe ich eines Tages einen Anruf bekommen, dass ich ein passender Spender sein könnte. Zuerst stand das noch auf der Kippe, dann wurde bei Voruntersuchungen noch einmal alles gecheckt.

Wie ging es dann weiter?

Ich wurde zu einer Untersuchung nach Köln eingeladen. Danach musste ich mir fünf Tage lang täglich eine Spritze geben. Alle Kosten, inclusive der Zugfahrt und des Hotels wurden von der DKMS übernommen.

Was sollten diese Spritzen bewirken?

Das Mittel sorgt dafür, dass im Körper Stammzellen ausgeschüttet werden. Vorher lagen die Werte bei 5000, danach waren es bei mir 46 000. Dann wird man eine Maschine angeschlossen, die ähnlich wie bei einer Plasmaspende die Stammzellen aus dem Blut wäscht.

Ist das nicht unangenehm?

Man merkt schon, dass etwas im Körper passiert. Danach habe ich mich einen Tag lang schlapp gefühlt. Aber das war es. Der Aufwand ist gerechtfertigt, wenn man an den Nutzen denkt. Komplikationen gab es keine.

Wie lange ist man an die Maschinen angeschlossen?

Die Spende dauert so etwa vier bis fünf Stunden, das hängt aber immer auch von dem/der Spender/in ab. Manche sind nach zwei Stunden fertig, manche sitzen länger dort. Man kann die ganze Zeit über mit einem Headset Filme schauen und bekommt auch zu Essen.

Wissen Sie bereits, wem Sie geholfen haben?

Von der DKMS wurde mir mitgeteilt, dass die Empfängerin eine 39-jährige Frau aus Slowenien ist. Die Spende war am 8. November 2016.

Hatten Sie bereits Kontakt mit ihr?

Ich darf ihr über die DKMS schreiben. Aber aus den Briefen wird alles rausgestrichen, was auf die Identität von uns beiden schließen lassen könnte.

Warum wird das gemacht?

Damit soll verhindert werden, dass sich zu früh eine emotionale Beziehung aufbaut. Oft wird von den Spendern berichtet, dass sie zu den Empfängern verwandtschaftliche Gefühle entwickeln.

Sie sind verheiratet und haben Familie. Was hat die dazu gesagt?

Mein Mann fand das mit den Spritzen am Anfang ein bisschen unheimlich. Mit meinen beiden Jungs habe ich auch darüber gesprochen. Aber die sind erst vier und fünf Jahre alt.

Würden Sie noch einmal spenden?

Jederzeit. Aber nach so einer Stammzellenentnahme ist man erst einmal zwei Jahre lang gesperrt.

Würden Sie im Landkreis für eine Typisierungsaktion wie jetzt in Moosach Werbung machen wollen?

Die kenne ich nicht. Ich habe aber zum Beispiel in Erding vor einer Schulklasse schon einen Vortrag gehalten über meine Erfahrungen.

Wie fühlt man sich als Lebensretter?

Toll. Es klappt ja leider nicht immer.

Die Moosacher Typisierung

für den an Leukämie erkrankten Lucas (18) findet am Sonntag, 19. Februar, von 11 bis 16 Uhr in der Rudolf-Obermayr-Halle statt. Wer Geld spenden will, kann das an die DKMS GmbH unter der IBAN

DE86 7009 1500 0100 6068 80 tun. Verwendungszweck: Lucas.

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