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Die Verkehrssituation bei der Wolfmühle mit Tempo 100 zwischen A 94 und Ortseingang Markt Schwaben bietet Anlass zu Diskussionen unter den Anliegern: v.l. Josef Gampenrieder, Andreas Löffl, Andreas Göttl und Kathrin Nagy. 

Zwischen Autobahnausfahrt und Schwabener Ortsschild

Angst vor Rasern

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Zwischen der A 94 Abfahrt bei Moos und dem Ortseingang Markt Schwaben gilt Tempo 100. So mancher fragt sich: Warum?

Markt Schwaben/Forstinning – Irgendwann einmal in der Vergangenheit wurden auf Anordnung der zuständigen Behörden einige Schilder entlang der Staatsstraße zwischen Moos und Markt Schwaben beseitigt. Mit der Folge, dass seither auf dem relativ kurzen Teilstück zwischen Autobahn und Ortseingangsschild Markt Schwaben 100 km/h gefahren werden darf. Lichten des Schilderwalds dort, wo es seitens der Behörden angebracht erscheint; das war die Motivation hinter dem Ganzen.

Nicht jeder Fahrer wird seither gespannt haben, dass er hier nun wieder Gas geben kann. Theoretisch zumindest. Die, die seither mit der Behördenentscheidung leben müssen, haben die Folgen indes längst zu spüren bekommen. Es sind zwar nur relativ wenig Anlieger. Was sie aber trotzdem nicht daran hindert, sauer zu sein. Der Grund ihrer Verärgerung: die Ohnmacht, gegen die Bürokratie nichts ausrichten zu können. Und: Die in ihren Augen komplette Intransparenz, denn vor der Aufhebung der Tempobegrenzung habe es fast keinerlei Informationen der Behörden gegeben, sagen sie.

Auf den Plan gerufen fühlten sie sich nun, als die Heimatzeitung unlängst davon berichtete, dass auf dem Teilstück die Zahl der Wildunfälle zugenommen haben sollte. Was indes die Statistiken der Polizei nicht bestätigten. Nicht nur das Wild sei in Gefahr, sondern auch die Kinder, reagierte Kathrin Nagy daraufhin direkt. Mit ihrem Mann Andreas Löffl betreibt das Paar die Löfflmühle. Und die ist gleich mehrfach von der neuen Tempo-100-Situation betroffen.

Einmal, weil es den zahlreichen Gästen des Ladens und des gastronomischen Betriebs seither deutlich schwerer falle, sicher wieder in die Staatsstraße einzufädeln. Wenn man mit einem vollen 40-Tonner unterwegs sei, so Andreas Löffl, zwinge man fast unweigerlich nachfolgende Autos zu Bremsungen. Warum man überhaupt ein so kurzes Teilstück freigebe, will er bis heute nicht verstehen.

Die Familie Löffl/Nagy aber ist auch direkt betroffen. Ihre 16-jährige Tochter ist zwar inzwischen alt genug, die Gefahren beim Ein- und Ausstieg an der Haltestelle des 469er-Busses richtig einzuschätzen. Zu brenzligen Situationen komme es aber auch heute noch dann, wenn der Platz zwischen Bustür und der neu installierten Leitplanke so eng werde, dass man schon mal sprichwörtlich den Bauch einziehen müsse, um nicht angefahren zu werden.

Früher, sagt Kathrin Nagy, sei es noch schlimmer gewesen. Die gesamte Grundschulzeit habe man die Tochter lieber selber mit dem Auto zur Grundschule Forstinning gefahren. Die Haltepunkte an der Staatsstraße seien schlichtweg nicht für Schulkinder gemacht.

Andreas Göttl sieht das genauso. Er lebt in der Hubertusstraße 12 auf Schwabener Flur. Seine älteste Tochter wird in eineinhalb Jahren so weit sein, hier täglich den Linienbus zur Schwabener Schule benutzen zu müssen. Schon jetzt macht sich der Vater Sorgen, ob er sein Kind bedenkenlos auf den Schulweg via Bushaltestelle Wolfmühle (Löfflmühle) schicken kann. „Das Kind alleine losschicken, das geht nicht“, sagt er heute.

Als Tempo 70 aufgelöst wurde, hatte sich Göttl zunächst an das für diesen Fall gar nicht zuständige Rathaus in Markt Schwaben gewandt. Und war dann doch beim Landratsamt gelandet, wo man ihm sinngemäß nur noch mitteilte, dass nichts mehr zu machen sei.

Was er besonders beklagt bei dem ganzen Vorgang, ist die Intransparenz. Wenn man wenigstens wüsste, nach welchen Kriterien hier entschieden worden sei, hätte man womöglich noch Ansatzpunkte. Aber die könne man jetzt nur erahnen. Verstehen können werde man sie womöglich nie.

Schon gar nicht, wenn man wie sein Nachbar Josef Gampenrieder den eigenen Garten seither nur noch eingeschränkt nutzen kann. „Wir haben zwar entsprechende Schutzfenster, aber man will ja auch mal draußen sitzen“, sagt der 68-Jährige. Besonders zum Feierabendverkehr ab 18, 18.30 Uhr werde es draußen allerdings fast unmöglich. Für ihn steht fest: Schnelles Fahren erzeugt höhere Geräuschpegel.

Gampenrieder wurde nach eigenen Angaben ebenfalls vorstellig bei den kommunalen Behörden. 4100 Fahrzeuge pro Tag seien zu wenig, habe man ihm gesagt. Ab wann Maßnahmen relevant würden, das weiß er nicht. Eine Antwort fehle. Ebenso Erkenntnisse darüber, wie schnell seither tatsächlich zwischen Moos und Schwabener Sportzentrum gefahren werde. Dass es Messungen gegeben habe, sei ihm jedenfalls nicht aufgefallen.

Die allermeisten Straßenbenutzer, sagen die Betroffenen, verhielten sich in der Tat korrekt. Was Sorgen mache, seien diejenigen, die Andreas Löffl Extremfälle nennt. Auto- und auch Motorradfahrer, deren Geschwindigkeiten er in Höhe der Brücke über die Sempt bei 120 oder mehr schätzt. Also an einer Stelle, an der Sichtdreiecke gerade jetzt, bei üppiger Vegetation links und rechts der Straße, nicht wirklich vorhanden zu sein scheinen. An einen Unfall mit einem Buben, der vor gut zwölf Jahren schwer verletzt wurde, kann sich der Mühlenbetreiber noch gut erinnern. Auch diffus an einen tragischen, also tödlichen Vorfall, der rund 33 Jahre zurückliegen müsste. Dabei sei ein Kleinkind gestorben.

Tempo 70 zurückzubekommen, wie es Josef Gampenrieder einst Mitte der 90er Jahre nach persönlichen Beschwerden im Schwabener Rathaus noch erreicht hat, davon träumen die Anlieger gegenwärtig wohl nur. Kathrin Nagy sagt: „Uns ist ja schon geholfen, wenn die jetzt geltende Regelung nicht automatisch von jedem Verkehrsteilnehmer als Aufforderung empfunden wird, auch wirklich 100 fahren zu müssen.“ Froh sei man schon, mache sich ein Bewusstsein breit, hier mit Rücksicht auf andere deutlich langsamer zu fahren.

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