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No Go’s geben alles: Die neue Männertanzgruppe der Falkonia gestern beim bunten Treiben auf dem Marktplatz. Es war erst ihr zweiter Auftritt seit der Gründung im Oktober.

Faschingstreiben in Markt Schwaben 

„No Go’s“bringen allein Wallung

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Buntes Treiben auf dem Marktplatz in Markt Schwaben. Und die No Go‘s bringen alle in Wallung. 

Markt Schwaben – Es gibt Dinge, die kann man einfach nicht vergleichen: Karneval und Fasching zum Beispiel. Das, was da in Markt Schwaben über ein paar Stunden im Ortszentrum vergnüglich über die Bühne geht, ist ohne Frage schon toll. Vor allem im Vergleich zu so manchem Treiben in den letzten Jahren, die vom Wetter alles andere als begünstigt abliefen. An diesem Sonntag aber herrscht Superwetter: 12 Grad, trocken, stellenweise blinzelt sogar die Sonne hervor.

Mit Karneval, wie ihn beispielsweise Ralf Odendahl aus seiner rheinländischen Heimat kennt, hat das Geschehen auf dem Marktplatz trotzdem nichts zu tun. Odendahl kommt eigentlich aus Dormagen. Das liegt nahe an Köln. Und den dortigen Straßenkarneval hat der Neu-Markt Schwabener 22 Jahre lang ganz direkt mitbekommen; als Mitwirkender in einem Spielmannszug. Einen Vergleich will er nicht anstellen, das verbietet ihm offenbar schon die Höflichkeit. Dass das eine allenfalls eine Vorstufe des anderen ist, mag es sich vielleicht denken. Aussprechen tut er’s nicht. „Ich bin hier glücklich“ sagt er. Ein bisschen Heimatgefühl scheint in ihm hochgeschossen zu sein.

An diesem Faschingssonntag ist Odendahl sozusagen in seinem Element. Als noch ziemlich frisches Mitglied bei der örtlichen Faschingsgesellschaft Falkonia schenkt er in einem farbenprächtigen, von rot dominiertem Kostüm an der „Falkonia-Alm-Bar“ Hefeprodukte aus der Ebersberger Straße aus. Noch, denn gedanklich wendet sich der Rheinländer schon einer Besonderheit des Faschingstreibens zu. Das Ganze nennt sich „No Go’s“. Und meint eine blutjunge Männertanzgruppe, die sich erstmals im vergangenen Oktober zusammenfand, einige Male trainierte und beim traditionellen Weiber- und Baziball am Unsinnigen Donnerstag im Bürgersaal Premiere hatte.

Es ist 15.20 Uhr. Mit etwas Verspätung wagt sich die Truppe in der personellen Stärke einer Fußballmannschaft auf den freigehaltenen Platz vor dem Pavillon. Einer der ersten: Raphael, der Wirt vom Oberbräu, diesmal in Netzstrümpfen und stark mit Lippenstift verfeinert. Der Ur-Schwabener kennt das Rheinland und den Karneval. 15 Jahre lang arbeitete er mal in Aachen bei der Firma Lindt. Schokolade und so. Da entstehen Verbindungen auch zur fünften Jahreszeit. Sichtbar werden sie auch. An seinem Lokal, nur ein paar Schritte entfernt von der Tanzfläche fürs Männerballett, wehen zwei rotweiße Fahnen mit Logo. „Kölle“ steht darauf; was sonst?

Ganz andere Bezugspunkte zum Geschehen des Tages hat Oliver Brenner, dessen Wiege in Hamburg stand. Das ist nun, aus Kölner Perspektive, auch nicht gerade eine karnevalistische Hochburg. Aber dass der 50-Jährige Spaß versteht, darauf muss man an diesem Nachmittag nicht lange warten. 8:0 habe er getippt mit Blick auf seinen HSV, der am Samstag in der Münchner Arena kickte; oder wie man das sonst nennen sollte. „8:0 für den HSV“, fügt er an. Er habe sich halt nur in der Reihhenfolge der beiden Zahlen geirrt. OK, geschenkt...

In keinem Fall irren will er sich, wenn es um Fischbrötchen geht, die er wie am Fließband produziert, als hätte er nie anderes gemacht. Originalrezepte hängen sogar am Stand des Schwabener Veteranen- und Reservistenvereins, dem der Hamburger IT-Spezialist mit Schwabener Wohnsitz angehört. Brenner hat sie sich im Internet ausgedruckt und hält sich sklavisch an die Vorgaben. Niemand solle ihm nachsagen, er verstünde nichts davon, wie ein Fischbrötchen respektive eine Fischsemmel richtig zubereitet gehört.

Vereinsboss Peter Stöhr jedenfalls hat seine Freude. Die Veteranen haben ihren Spaß, und die Kundschaft auch. Ebenso wie sein Pendant bei der Falkonia, Klaus Neugebauer. Mit einem breiten Grinsen sieht der Faschings-Präse, dass es läuft auf dem Marktplatz; dass sich die Mühe heuer gelohnt hat. Und nicht nur wegen der Hamburger und Kölner Verstärkung und den No Go’s-Mannsbildern, die hoffentlich Markt Schwaben und den Narren und Närrinnen dort noch ein paar Jährchen erhalten bleiben.

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