Markt Schwaben Hochhaus
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Ein Stück Heimat haben viele der Bewohner in den Hochhausanlagen gefunden.

Wohnungsnot 1970

Vor 50 Jahren in Markt Schwaben: 1270 Wohnungen für 4000 Neubürger

50 Jahre Hochhaussiedlungen in Markt Schwaben: 1270 Wohnungen boten und bieten Platz für damals 4000 Markt Schwabener.

Markt Schwaben – „Der Wohnungsdruck war zu Beginn der 1970er-Jahre offensichtlich sehr groß. Daher beschloss der damalige Gemeinderat, zwei neue Wohngebiete auszuweisen“, beschreibt Hans Kagerer, langjähriger Bauamtsleiter der Gemeinde, im Rückblick den Bau der beiden Hochhaus-Siedlungen auf dem Agrob-Gelände gegenüber dem Bahnhofsgebäude und im Dr.-Hartlaub-Ring.

Hier waren vor 50 Jahren insgesamt rund 1270 Wohnungen entstanden für rund 4000 neue Bürger. Im Sommer 1970 lagen den Gemeinderäten also – nach monatelangen Verhandlungen und Detail-Planungen – Bebauungspläne und Modelle für zwei neue Baugebiete vor: das Agrob-Real-Areal auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei links der Bahnlinie in Fahrtrichtung Erding.

Und ebenfalls schräg gegenüber, auf der rechten Seite auf dem Gelände des ehemaligen Werks I der Holzindustrie Schweiger, das Projekt Dr.-Hartlaub-Ring, benannt nach einem privaten Investor aus München. Dieser hatte schnell erkannt, dass die bayerische Metropole wegen der dort ständig steigenden Bau- und Grundstückspreise für viele Interessenten von Eigentumswohnungen kaum mehr bezahlbar war. Stattdessen lockte jetzt der so genannte „Speckgürtel“ im Umland Münchens, damit auch Markt Schwaben.

München sollte schnell erreichbar sein

Zudem sollte 1972, angetrieben durch die Olympischen Spiele, die neue S-Bahn-Linie auch einen Halt am dortigen Bahnhof haben. Und so wurde damit geworben, „in nur 28 Minuten in Münchens Stadtmitte zu gelangen“. Wo aber sollten fortan geschätzt 4000 neue Bürger wohnen?

Die Lösung versprachen Hochhäuser, und so konnte besagter Dr. Hermann Hartlaub dem damaligen Bürgermeister Balthasar Strobl eine Planung vorlegen für 752 neue Wohnungen in fünf größeren Wohneinheiten, sechs Stockwerke hoch. Dazu sollten dort auf rund 58 000 Quadratmetern noch Geschäfts- und Ladenflächen angeboten werden, sowie ein Erdgas-Fernheizwerk.

„Dieser Plan wurde schließlich“, so hat Hans Kagerer im Archiv der Gemeinde recherchiert, „am 2. Februar 1971 rechtskräftig, und noch im gleichen Jahr konnte mit dem Bau begonnen werden“. Auch links der Bahn, die ehemalige Ziegelei war längst stillgelegt, begann reges Bautreiben. Hier hatte sich die Firma Transland Real ein etwa 51 000 Quadratmeter großes Areal gesichert: für zehn Bautrakte mit je einem Erdgeschoss sowie acht Stockwerken für rund 522 Wohnungen. Dieses Gebiet bekam am 10. August 1971 seine rechtskräftige Bauerlaubnis. Und auch hier standen bald riesige Kräne, um in der damaligen Betonplatten-Bauweise neue Wohneinheiten hochzuziehen.

Nur ein paar Gehminuten vom S-Bahnhof entfernt

Ein großes Ladenzentrum schloss sich auch hier an, mit sämtlichen Einrichtungen für den Bedarf des täglichen Lebens. Durch eine Unterführung war das neue Baugebiet vom Bahnhof aus in wenigen Minuten zu erreichen. Um die Straßen rings um die beiden neuen Wohngebiete nicht mit Autos zu verstopfen, entschieden sich schon damals beide Bauherren weitsichtig für groß angelegte Tiefgaragen. So wurden in der Agrob-Real-Siedlung rund 540 Stellplätze unterhalb der Erde gebaut, im Dr.-Hartlaub-Ring fanden etwa 620 Autos einen unterirdischen Platz. Für weitere Fahrzeuge gab es ebenerdige Stellplätze. Aus heutiger Sicht teilen die beiden damals schnell errichteten Hochhäuser-Siedlungen nicht das Los vieler anderer Trabantenstädte.

Denn im Gegensatz zu vielen „irgendwohin“ ausgelagerten Siedlungen am Rand großer Städte wurden die beiden Schwabener Bau-Areale in einen bereits bestehenden Ort integriert.

Damit mussten ihre Bewohner nie ein Ghetto-Dasein führen, sondern fanden sich stets mittendrin im sozialen Lebensumfeld Markt Schwabens.

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