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Über 300 Besucher verfolgen im Theatersaal im Burgerfeld die Podiumsrunde der Schwabener Bürgermeisterkandidaten.

Kommunalwahl 2020 in Markt Schwaben

Vier Kandidaten und nur selten konträrer Meinung

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Wen soll man wählen am 15. März in Markt Schwaben? Die Podiumsdiskussion hat nur wenig neue Anhaltspunkte geliefert.

Markt Schwaben – Vier selbstbewusste Bewerber, vier in ihrem öffentlichen Auftreten in den letzten Wochen ähnliche Kandidaten. Vier mit manchmal nahezu gleichlautenden Lösungsansätzen, wenn es darum geht, Markt Schwaben in die Zukunft zu führen: Vielleicht ist diese für manche schwer zu fassende Unterscheidbarkeit der Hauptgrund dafür, dass das Interesse an der Podiumsdiskussion mit Raphael Brandes, Frank Eichner, Sascha Hertel und Michael Stolze so groß ist, wie es sich unter der Woche beim Klimaforum und auch gestern im Theatersaal zeigte. 265 Stühle hatten die Kolpingleute aufgestellt, gut 50 standen an den Seitenwänden. Beim „Public Viewing“ im Feuerwehrhaus lauschten weitere 70 Bürgerinnen und Bürger. Wie viele am PC die Liveübertragung dank der Hilfe von Walter Daschner und seinem Team verfolgen, ist nur zu erahnen. „Maximal sechs Milliarden“, wie der souveräne Moderator Klaus Kandlbinder im Spaß anmerkte, während sich die Amtsbewerber brav, bisweilen auch angenehm selbstironisch, aber stets extrem sachlich und fair den Fragen des Moderators und auch später den insgesamt 15 Anmerkungen aus dem Auditorium stellten. Alles genau kontrolliert von zwei Kolpingleuten, die per Stoppuhr penibel darauf achteten, dass die Redezeiten für alle gleich blieben.

Alle stehen für ein Entwicklungskonzept

Die vom Veranstalter vorgegebenen Themenschwerpunkte lagen aufgrund der gegenwärtigen kommunalpolitischen Situation geradezu auf der Hand: Wie sehen Sie die Entwicklung der Gemeinde? Wie den Stand der Infrastruktur? Immer wieder wiesen alle Bürgermeisterkandidaten darauf hin, dass ein Gemeindeentwicklungskonzept, das im besten Fall mit möglichst vielen Bürgern gleichsam erarbeitet werden müsste, die Agenda bilden müsste für die Lokalpolitik der nächsten Jahre. Und für eine Gemeinde, die, so der Tenor, aufgrund ihrer beschränkten Fläche mit viel Fingerspitzengefühl, behutsam und strategisch schlau weiter werde wachsen müssen.

Ebenso die Infrastruktur: Am besten, so die Meinung aller, so, dass die Politik proaktiv entscheiden könne und nicht Entwicklungen hinterherhecheln müsse. Oder Thema Nahwärme: Im Grundsatz ein Ja von allen, aber mit einer verbesserten Vermarktung. Stichwort Bahnausbau: Ja, weil durch die Kommune nicht mehr zu verhindern. Aber so, dass man offensiver gegenüber der Bahn AG und anderen Beteiligten auftreten wolle.

Wie schwierig gerade dieser Verhandlungspartner bisweilen agiere, schilderte Frank Eichner, der amtierende Bauamtsleiter. Es habe, so der CSU-Bewerber, eineinhalb Jahre gebraucht, um einen Mülleimer von der Bahn für den Bahnhof Markt Schwaben zu bekommen; und der sei dann auch noch irgendwo in München abmontiert worden. Für das Aufstellen eines Ascheneimers habe es bislang noch nicht gereicht.

„Wir sind eine reiche Gemeinde“ 

Ein weiteres Hauptthema gestern: die Finanzen. Alle vier wehrten sich auffallend ähnlich in ihren Einschätzungen gegen die veröffentlichte Darstellung, Markt Schwaben sei die ärmste Gemeinde Oberbayern. Im Gegenteil, hieß es: Markt Schwaben sei eine reiche Gemeinde. Das Problem sei, so wie es Amtsinhaber Georg Hohmann (gestern persönlich nicht im Saal) schon oft gesagt habe, die Einnahmenseite. Hier gebe es noch Luft nach oben. Die Einnahmen auf Dauer zu verbessern, dazu könne der mit der Stabilisierungshilfe des Freistaats verbundene staatliche Forderungenkatalog an die Kommune sogar sehr hilfreich sei, so Eichner.

70 Mio. Schulden würden sicherlich dramatisch klingen, so Sascha Hertel, dahinter stehe aber ein von allen getragenes Konzept, diese auch wieder schon schnell wie möglich abzubauen.

Einen ganz besonderen Reichtum sahen, ebenfalls alle Podiumsteilnehmer im Gleichklang, in dem Potenzial, das die örtlichen Vereine und Verbände an den Tag legten. „Tragende Säulen“ nannte sie Michael Stolze, SPD und FW. Ja sogar einen Standortvorteil. Hier würden Begegnungen geschaffen in einem Ort, in dem es auch viel Anonymität gebe, so Stolze. Das Ehrenamt weiter zu stärken: Dieses Ziel steht beim neuen Bürgermeister ganz sicher auf dessen Agenda. Egal, wer gewählt werden wird.

Bekenntnisse zum Fortbestand der Schwimmhalle

Auch um das einst viel diskutierte Hallenbad wird man sich dem Vernehmen nach keine Sorgen machen müssen. Die über 300 Live-Besucher bekamen von allen Bekenntnisse zum Fortbestand geliefert. Auf Anfrage aus dem Publikum galt diese Garantie im Kern auch für die Turnhallen.

Alle vier stellten sich übrigens auch vor die Gemeindeverwaltung, in der, Zitat, gute Arbeit geleistet werde. Gewisses Optimierungspotenzial sei allerdings noch vorhanden.

Mit Veränderungen wird es der neue Marktgemeinderat vielleicht auch bald zu tun bekommen. Ein Bürger kritisierte, es werde zu viel nichtöffentlich entschieden. Ein Vorwurf, der von allen Bewerbern geteilt wurde. Beifall bekam Frank Eichners Vorschlag dazu: Man sollte künftig in nichtöffentlichen Sitzungen namentlich abstimmen und danach öffentlich machen, wer in geheimer Sitzung wie abgestimmt habe. Das war eine auch als solche beabsichtigte feine Spitze an einige im amtierenden Marktgemeinderat.

Im Kern aber blieb es fair bis zum Schluss. Lediglich zwei Wortmeldungen erzeugten Buh-Rufe. Eine bezog sich auf den Bodymassindex des Grünen-Kandidaten. Ein Anderer meinte, diese Podiumsrunde sei eher ein Schafkopfvormittag gewesen.

Die Bürgermeisterkandidaten aller Gemeinden aus dem Landkreis Ebersberg, haben wir für Sie in unserem Überblicksartikel zu den Kommunalwahlen 2020 aufgelistet. Zudem können Sie sich in unserem Artikel zu den Landratswahlen über die dort antretenden Kandidaten informieren. Alle weiteren Hintergrundberichte finden sie auch auf unserer Themenseite zu den Kommunalwahlen 2020 im Landkreis Ebersberg.

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