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Petra und Ludwig Hupfer rühren jetzt nur noch privat Teige an. Sie haben die beliebte Bäckerei aufgegeben. 

Markt Schwabener Brezn-König macht Schluss

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Ludwig Hupfer, Inhaber der gleichnamigen Bäckerei in Markt Schwaben, hat Laden und Backstube für immer geschlossen. Die Menschen im Ort sind traurig.

Markt Schwaben – „Immer um ein Uhr nachts aufstehen, von Freitag auf Samstag sogar schon um 23 Uhr, das hat jetzt Gott sei Dank ein Ende“. Ludwig Hupfer, Inhaber der gleichnamigen Bäckerei in der Schulgasse 17, hat Ende Februar Laden und Backstube für immer geschlossen und freut sich auf mehr Freizeit.

Aber er verdrückt auch eine Träne im Augenwinkel, wenn er an die schönen Tage in seiner Firma zurückdenkt. „Ich fühle mich ausgebrannt“, sagt der 64-jährige, der auf den ersten Anschein noch sehr fit wirkt. Er und seine Frau Petra, 57, haben 34 Jahre lang ihre Bäckerei geführt. In dieser Zeit haben sie sich eine große Stammkundschaft erarbeitet, die jetzt im Netz traurig kommentiert, dass dies „der beste Bäcker am Ort“ war.

Besonderes Süßgebäck im Angebot

Tatsächlich, so erinnert sich der Konditor und Bäcker, seien Kunden bis von Landsham und Parsdorf zu ihm gekommen, um vor allem seine leckeren Brezn und die Haus-Spezialität, Zwetschgenpavesen, ein besonderes Süßgebäck, bei ihm zu kaufen.

Schon sein Vater Ludwig war Bäcker, hatte 1955 zusammen mit seiner Frau Irmgard einen kleinen Laden aufgemacht. Da war es für Sohn Ludwig klar, einmal diese Bäckerei zu übernehmen. Er lernte in München von 1969 bis 1975 die beiden Berufe Konditor und Bäcker ganz professionell und übernahm 1984 dann die Firma.

Sechs Jahre später entschloss er sich, den Laden etwas zu vergrößern, „bei der Backstube ging das leider aus räumlicher Enge heraus nicht“. So überlegte sich das Ehepaar Hupfer, eventuell mit einer Halle ins damals noch junge Gewerbegebiet auszuweichen. Doch sie verwarfen diesen Gedanken schnell. „Denn dann hätten wir mehr Personal einstellen müssen, um rentabel zu arbeiten, hätten vielleicht unsere Philosophie von Qualität und Anspruch aufgeben müssen“, sinniert Ludwig Hupfer heute.

Danksagungen der Kunden

Dass er letztlich richtig entschieden hatte, beweisen jetzt viele Danksagungen seiner ehemaligen Kunden. „Wir haben unzählige Briefe erhalten, in denen Kunden unser Aufhören bedauern. Ich kann sie gar nicht lesen, sonst muss ich weinen“, sagt der Bäckermeister.

Und seine Frau ergänzt: „Manche haben uns sogar einen Geschenkkorb gebracht, einer hat ein riesiges Plakat entworfen, auf dem viele unterschrieben haben, und jemand brachte uns ein selbst gestaltetes Fotobuch.“

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Darin sind, fein säuberlich fotografiert und dokumentiert, nicht nur verschiedene Brezen-Beispiele zu sehen, sondern auch Anekdoten und Bäcker-Witze – eine schöne Erinnerung an eine schöne Zeit. Mit jeweils einem Gesellen und einem Lehrling hat Meister Hupfer stets alle Backwaren selbst hergestellt.

Industriell gefertigte Teiglinge, wie sie in Großbäckereien vorkommen, hat er stets abgelehnt, und er ist besonders stolz auf seine verschiedenen Brotsorten aus eigenem Natur-Sauerteig.

Zudem freut sich das Ehepaar darüber, „dass unser Personal bis zum Schluss bei uns geblieben ist, egal ob in der Backstube oder im Laden. Sogar die 90-jährige Oma Irmgard Hupfer hat immer wieder ausgeholfen“.

Kinder wollen Firma nicht übernehmen

Zwar haben Ludwig und Petra Hupfer auch zwei Kinder, doch die wollten die elterliche Firma nicht übernehmen. Tochter Katrin, 37, lebt mit ihrer Familie in der Schweiz, Tochter Marita, 34, jetzt in Pemmering bei Isen. Sie haben jeweils zwei Söhne, und wenn die vier Buben zu Opa kommen, um in der jetzt leer geräumten Backstube mit ihm Fußball zu spielen, „da ist dann was los in der Bude“.

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Auch sonst wird es den Bäckersleuten wohl nicht langweilig. Schließlich haben sie jetzt viel Zeit, um im geliebten Bayernland etwas zu verreisen, zu wandern oder Fitness zu treiben. Und so genießen sie jetzt, „voller Dankbarkeit“, ihren Ruhestand, wohl wissend, dass mit ihrem Aufhören leider schon wieder ein wertvolles Stück heimischen Handwerks weggebrochen ist.

Friedbert Holz

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