Gerhard Häusler, langjähriger Lehrer am Franz-Marc-Gymnasiums Markt Schwaben, ist gestorben.
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Gerhard Häusler, langjähriger Lehrer am Franz-Marc-Gymnasiums Markt Schwaben, ist gestorben.

Vier Jahrzehnte bleibende Erinnerungen 

Trauer um beliebten Gymnasial-Lehrer: Generationen von Schülern nehmen Abschied

Ein Lehrer wie kein zweiter! Generationen von Schülern trauern um Gerhard Häusler, ehemaliger Konrektor des Franz-Marc-Gymnasiums Markt Schwaben. Ein ehemaliger Schüler erinnert sich.

Markt Schwaben - Die Wochen rund um Weihnachten sind die Zeit zum Innehalten, Reflektieren und Danke sagen. Wer zwischen 1974 und 2013 mit dem Markt Schwabener Franz-Marc-Gymnasium zu tun hatte, wird in der persönlichen Reflektion um Gerhard Häusler nicht herumkommen. Am 17. November ist Häusler, langjähriger Konrektor, wenige Tage vor seinem 73. Geburtstag gestorben.

Einladung zum Passiv-Schnupfen

Fast 40 Jahre lang war er eine frische Gletscherprise, die durch das Markt Schwabener Franz-Marc-Gymnasium wehte und zum Passiv-Schnupfen einlud. Wie eine Naturgewalt prallte er auf Kolleginnen und Kollegen, Schülerinnen und Schülern sowie Eltern – wenn sie sich denn zu ihm in die Sprechstunde trauten. Acht Jahre nach Beginn des hart erarbeiteten Ruhestands ist Gerhard Häusler nun gestorben. Er hinterlässt bleibende Erinnerungen im Gedächtnis mehrerer Generationen von Schul-Angehörigen.  

Fünftklässlern schlotterte jeder Knochen

Wer ihn nur vom Sehen oder Hörensagen kannte, musste diesen Mann einfach fürchten. Vor allem als frisch von der Grundschule gekommener Fünftklässler schlotterte einem jeder Knochen, wenn der einschüchternde Konrektor auf dem Gang erschien, während man Straßenschuhe oder eine Kappe trug. Der Einlauf war garantiert. Der neben dem Grummeln beiläufig eingesaugte Schnupftabak auch. Einzig ungeklärte Frage: Woher kennt der Mann meinen Nachnamen, mit dem er mich eben lauthals zu sich zitiert hat? 

Ein Lehrer, der Vorbild sein wollte

Wer Häusler jedoch als Mathe- oder Physiklehrer kennenlernte, wandelte die Furcht in Respekt um – spätestens im Teenager-Alter. Da vorne stand eben ein Lehrer, der seinen Job mit den besten Absichten ausgesucht hatte und Vorbild sein wollte. Einer, dem die Wichtigkeit, aber auch die Komplexität der von ihm vermittelten Inhalte bewusst war und der alles daran setzte, dass seine Schülerinnen und Schüler den Lehrstoff verstanden. Und wenn dafür sechs Wochen lang tägliches Nachsitzen und verbales Rundgemacht-Werden nötig war, dann saß Häuser während diesen sechs Wochen mit einem im gleichen Boot und opferte seine Zeit und Pausen für die Intensiv-Erklärung geometrischer Sachverhalte für einen an sich ja vernachlässigbaren Einzelfall.  

Du „oida Terrorist“

Wer es als „oida Terrorist“ auf den Radar des nur vermeintlich so grummeligen Mannes geschafft hatte, war auf einem guten Weg zum Sympathisanten. Wer ein „a Hund bist scho“ von ihm abstaubte, konnte sich der häuslerschen Wertschätzung sicher sein. Next Level: High Five zur Begrüßung. Die ultimative Endgegner-Stufe – von weniger als einer Handvoll jemals erreicht: Man durfte ihm eine Hand auf die von einigen wenigen Seitensträhnen kaschierte Glatze legen. Auf die Idee musste man aber erst mal kommen, geschweige denn sich das überhaupt trauen. „Markmann: A Hund bist scho. Und jetz schleich di.“ 

Förderer und Kritiker gleichzeitig

Für mich persönlich war „Herr Häusler“ mehr als ein Lehrer. Er war gleichzeitig Förderer wie schärfster Kritiker. Er war eine Person, zu der man aufschauen konnte, die einem aber immer auf Augenhöhe begegnet. Er war der Inbegriff von Fairness. Er hatte die herrlichsten Anekdoten auf Lager, die man sich gerne auch noch ein zweites und drittes Mal angehört hat. Er war der Super-Joker, den ich für ausnahmslos jede Frage bei Wer wird Millionär? angerufen hätte. Er ist jemand, an den ich mein Leben lang mit Freude und Dankbarkeit zurückdenken werde. Ein echtes Original und Vorbild. Einer, den man einfach kennengerlernt haben muss. 

Ohne Häusler kein richtiges Abi

Als die Nachricht vom Tode Häuslers bekannt wurde, gingen die Todesanzeigen durch wirklich jede WhatsApp-Gruppe ehemaliger Schüler. „Was, Du hattest den Häusler nie? Dann hast Du ja gar kein richtiges Abitur gemacht.“ Im Kollegium des FMG herrschte kollektive Bestürzung, obwohl ein Großteil der neuen Generation ihn selbst gar nicht mehr erlebt hat. Gäbe es kein Corona, hätte seine Beerdigung ein Fußballstadion füllen können. Er hätte es verdient gehabt – so wie damals nach seiner Pensionierung, als der Artikel zum Thema bei Merkur-Online zehntausendfach gelesen wurde. 

Weil ich es nicht persönlich tun kann, sage ich darum in dieser vorweihnachtlichen Zeit des Innehaltens und Reflektierens aus tiefstem Herzen und im Namen aller Angehörigen des Franz-Marc-Gymnasiums aus vier Jahrzehnten: Danke, Herr Häusler. Man wird Sie nicht vergessen. Darauf ein erst mal eine Gletscherprise. A Hund is a scho. 

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Unser Autor Johannes Markmann war Schüler des Franz-Marc-Gymnasiums Markt Schwaben
und Redaktionsmitglied der Ebersberger Zeitung.

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