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„Hausgemeinschaft 60+“ (v.l.): Friedrich Naumann, Gloria Walther, Karla Knabe, Monica von Büldring und Maria Som mer. 

Wohnen im Alter

Willkommen in der Senioren-WG

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Viele junge Leute leben in Wohngemeinschaften. Auch die Bewohner der „Hausgemeinschaft60+“ in Markt Schwaben leben zusammen – jeder aber in seiner eigenen Wohnung. Ein Besuch in der Loderergasse.

Markt Schwaben – Maria Sommer schaut sich die Gewächse im Hochbeet an, das Maggikraut wächst prächtig. Friedrich Naumann nimmt seine Klamotten von der Wäschespinne, es fängt an ein wenig zu nieseln. Die anderen Bewohner der „Hausgemeinschaft60+“ in Markt Schwaben schauen den Nachbarkindern beim Spielen zu. Es ist ein schöner Garten am Rande von Markt Schwaben, mit weiten Blick ins Grüne.

Gelebte Gemeinschaft

Von außen sieht das creme-weiße Gebäude wie ein ganz normales Mehrfamilienhaus aus. Ist es aber nicht. Es ist ein Ort gelebter Gemeinschaft. Elf Parteien wohnen in dem altersgerechten Haus, jede hat eine eigene Wohnung. Die Bewohner sind zwischen 67 und 84 Jahre alt. Zusammen teilen sie sich eine Gemeinschaftswohnung. Dort halten sie ihre 14-tägigen Plenen ab, trinken Kaffee und planen Feste.

Die Rentner lassen nichts aus

 „Wir gucken uns nicht in die Töpfe“, sagt Bewohner Friedrich Naumann, 80. Die Hausgemeinschaft ist trotzdem lebendig: Filmabende, Spielenachmittage, „Dämmer-Schoppen“ von Balkon zu Balkon. Die Rentner lassen nichts aus. Sie feiern Geburtstage zusammen, bald soll es ein Konzert geben.

Boule ist hier Trendsport. „Und ich profitiere von den Kochkünsten der Nachbarin“, sagt Naumann grinsend. Man helfe sich auch. Wenn jemand Lebensmittel vom Supermarkt brauche etwa oder Hilfe beim Bedienen des Fernsehers. Jeder könne sich hier einbringen.

Angefangen hat alles im Aktivkreis Senioren in Markt Schwaben, sagt Maria Sommer, 70. Dort entsprang der Gedanke eines gemeinsamen Hauses. Es brauchte aber noch mehr Interessenten. Info-Nachmittage, Stammtische, Mundpropaganda: „Das Interesse der Leute war riesengroß“, sagt Sommer. Genügend zukünftige Mitbewohner und ein Bauträger für den sozialgeförderten Hausbau waren gefunden. Im April 2015 wurde angefangen zu bauen. Das Haus ist altersgerecht und barrierefrei gestaltet: Fahrstuhl für jedes Stockwerk, breite und helle Flure, ebenerdige Duschtassen.

Diskussion am Holztisch

Fast alle Bewohner der Senioren-Gemeinschaft kommen aus Markt Schwaben. Einige von ihnen sind im Ausland geboren: Ungarn, England, Brasilien. Ein bunter Haufen. Aus den alten Wohnungen sind sie ausgezogen, weil sie nicht altersgerecht waren („3. Stock, ohne Aufzug“) oder schlicht zu teuer („Miete höher als die Rente“). Die Senioren mussten vorm Einzug eine Einlage bezahlen. Je nach Einkommen zahlen sie zwischen 5,50 und 7,50 Euro für den Quadratmeter. Plus 2,50 Euro Nebenkosten. Für die Lage in S-Bahn-Nähe ein Traum.

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Wie am Küchentisch einer Studenten-WG in München-Schwabing wird auch hier am massiven Holztisch diskutiert. Über S-Bahn-Probleme, über die hohen Mieten und über den Tod. Während der Bauphase verstarb ein Gruppenmitglied, drei Tage nach dem Einzug stirbt der Ehemann von Karla Knabe, 84. „In der Gruppe fühle ich mich gut aufgehoben“, sagt die Witwe. Das ist die Stärke einer Gemeinschaft. Zusammenhalt.

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