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Roger Rekless  alias David Mayonga: Autorenlesung im Jugendzentrum Blues in Markt Schwaben

Wochen der Toleranz im Landkreis Ebersberg

Einer, der erfahren hat, wie es ist, anders zu sein

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„Ich möchte nicht neben einem Neger sitzen“: So heißt das Erstlingsbuch von David Mayonga, der in Markt Schwaben aufwuchs

Markt Schwaben – „Eine deutsche Geschichte“ nennt David Mayonga sein Buch im Untertitel, erschienen erst vor ein paar Monaten. Es geht einerseits um eine ganz persönliche Biografie und Geschichtsaufarbeitung eines jungen Mannes. Der Haupttitel des Werkes verrät aber schon mehr und zudem ganz konkret, worauf der Autor den Fokus besonders richtet: „Ein Neger darf nicht neben mir sitzen“ heißt das Erstlingswerk. Und hier wird klar: Mayonga schreibt zum Beispiel, wie es war, als farbiger Bub in einer deutschen Kleinstadt aufzuwachsen.

Gemeint ist Markt Schwaben, wo er zur Schule ging und mehr als einmal zu spüren bekam, was es bedeutet, anderer Herkunft zu sein. Den alltäglichen Rassismus halt. Dunkeldeutschland in Bayern, wie es an einer Stelle heißt. In einer Gemeinde, die er den „klassischen Durchfahr-Ort“ nennt.

Mayonga wuchs in Markt Schwaben auf; Jahrgang 1981. Vier-Zimmer-Wohnung im Hartlaub-Ring. Mutter Lehrerin, deutsch und alleinerziehend. Der Vater aus dem Kongo. Ein kluger Kopf. Einer, der in Deutschland Volkswirtschaft studierte. Und ein guter Fußballer obendrein.

Ein klassischer „Durchfahr-Ort“

1984 die Scheidung der Eltern, die dem Sohn, damals drei Jahre alt, zusetzte. Dann Kindergarten im Alten Schulhaus. Erster Tag. Und ein Spruch eines Buben, der Davids Leben prägen sollte. Weil er ihm, David, zeigte, dass er anders war und ist als alle anderen: „Ein Neger darf nicht neben mir sitzen“. Das erste Gefühl also, direkt mit Rassismus zu tun zu haben, der immer individuell sei, wie Mayonga schreibt.

Er schildert das alles sehr ausführlich. Das Unwohlsein, Außenseiter zu sein. Mayonga bleibt aber nicht dabei, nur sein Leben zu erzählen. Er will aufklären, einordnen. Betont zugleich, nur selten offen rassistisch angegangen worden zu sein. Und ist zugleich permanent suchend nach Antworten auf die Frage, was Rassismus eigentlich sei und wo er herkomme. Woher die Angst vor dem Fremden stamme.

Autorenlesung am Dienstag im Jugendzentrum

Ein Ansatz, der auch von den Wochen der Toleranz verfolgt wird, die zurzeit im Landkreis laufen. In diesem Rahmen wird Mayonga am morgigen Dienstag, 12. November, nach Markt Schwaben zurückkehren und ab 19.30 Uhr im Jugendzentrum Blues zu einem Autorengespräch zur Verfügung stehen. Der Eintritt ist frei. Zuhören kann man dort einem Mann, der sich trotz allem als Bayer versteht. Der den Rap als Ventil für sich entdeckte und mit damit Karriere machte. Künstlername: Roger Rekless.

Für den BR moderiert er auf PULS und Bayern 3. Zudem arbeitet der Sozialpädagoge international in der offenen Jugendarbeit, unter anderem im Auftrag des Goethe-Instituts.

Inzwischen ein erfolgreicher Rapper

Mayonga begann Mitte der 90er Jahre mit DJing und Scratchen und wurde daraufhin zum Rappen bewogen. 1997 gründete er seine erste Band, die Turntable Technicians, aus denen später die Plastik Jugganots hervorgingen. Noch zu seiner Schulzeit hatte die Band einen Vertrag mit einem Label, kann man im Internet nachlesen. Ende der 90er Jahre begann er mit der Produktion von Beats. 2001 spielte er mit Raptile sein erstes Album ein. Sein Solo-Debütalbum „Von zu Hause aus“ erschien 2006. Seit 2013 singt Rekless bei der Münchner Crossover-Band GWLT. Mayonga ist studierter Pädagoge mit Magister artium-Abschluss und arbeitete in der offenen Jugendarbeit beim Kreisjugendring München-Stadt. Für das Goethe-Institut hielt er HipHop-Workshops in Island und Australien.

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