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Häusliche Gewalt und alle andere Themen können in der Beratungsstelle besprochen werden.

Markt Schwabener Diakonieverein hilft

Gespräche statt Rosenkrieg

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Haben Sie Eheprobleme?  Vielleicht gibt es einen Ausweg aus dem Dilemma. Ein Gesprächstermin  bei der Lebensberatungsstelle  in Markt Schwaben. Hier wird praktisch geholfen. Und zugehört.

Markt Schwaben – Es muss ja nicht gleich das Schlimmste sein, was eine Ehe so zu bieten haben kann: Gewalt etwa, Fremdgehen, dauerhafte oder vorübergehende Trennungen, drohende Scheidungen. Manchmal reichen schon relativ einfache Veränderungen in den jeweiligen Lebenssituationen eines Partners, die eine Ehe in eine Krise stürzen und die eine professionelle Paarberatungen rechtfertigen können. Wenn Situationen entstanden sind, die wichtige Entscheidungen erforderlich machen. Genau dann kann es hilfreich sein, jemanden zu haben, der vor allem eines kann: Zuhören. Zuhören und helfen, eine Tür zu finden hin zu einer Lösung, weil man sich zusammen mit seinem Partner irgendwie verzettelt hat.

Hilfe in Konfliktsituationen

Genau hier setzt die Arbeit der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle des Diakonievereins Markt Schwaben an. Seit über 30 Jahren gibt es in der Marktgemeinde diese Anlaufstelle. Seit drei Jahren ist Katja Eichin dort die psychologische Beraterin. Sie ist Nachfolgerin von Christine le Coutre, die diese Aufgabe viele Jahre lang innehatte.

„Aufgabe der Beratungsstelle ist die fachpsychologische Hilfe für Menschen in Konfliktsituationen, in Zeiten großer Belastung bei der Gestaltung von Partnerbeziehungen, bei Problemen in der Familie, bei Trennung und Scheidung und in anderen Lebenskrisen“, heißt es auf der Homepage der 51-Jährigen. Zum Großteil arbeitet die Münchnerin in einer evangelischen Beratungsstelle in der Landeshauptstadt. Markt Schwaben macht sie sozusagen „nebenbei“, aber deshalb nicht weniger intensiv und engagiert. Gut 200 Stunden kommen im Jahr bei ihr zusammen. Hauptberatungstage sind der Montag und Donnerstag. Der Stützpunkt des Diakonievereins befindet sich in der Loderergasse 4. Eheprobleme machen vor dem so genannten Speckgürtel keinen Bogen.

Gibt es Unterschiede bei ihrer Arbeit in München und Markt Schwaben? „Inhaltlich ist alles gleich“, sagt die Mediatorin. Hier, im beschaulicheren Markt, spielten im Hintergrund allenfalls andere Strukturen eine Rolle. Die Menschen, die zu ihr kämen, seien in ihrer unmittelbaren Umgebung deutlich stärker vernetzt als in der Großstadt. Vernetzt mit Freunden, Nachbarn, Familien. Und daher weniger isoliert und vielleicht etwas weniger einsam. Auch habe sich nach nunmehr drei Jahren in Markt Schwaben gezeigt, dass den Klienten eine wie auch immer geartete Beziehung zum Berater spürbar wichtiger erscheine als in München.

Mehrfach spricht Katja Eichin in einem Gespräch mit der Heimatzeitung über die Einsamkeit. Es sei hier zwar, in der Marktgemeinde, nicht in dem Maße Thema wie in einer Millionenmetropole. Aber gleichwohl vorhanden. Tendenz: Offenbar steigend.

Die zweifache Mutter unterscheidet dabei zwei Formen von Einsamkeit: Die, bei der tatsächlich keine Kontakte zu anderen bestehen. Und die Einsamkeit innerhalb einer Beziehung. Dann, wenn sich Partner nichts mehr zu sagen haben. Genau dann sei es an der Zeit, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Ehepartner leiden häufig unter Einsamkeit

Wie also könnte ein Rat, eine Empfehlung eines Profis an Paare lauten? Katja Eichin muss gar nicht lange überlegen: „Bevor ich merke, dass ich verbittert werde und eine innere Kündigung spüre und solange ich noch bereit bin, etwas retten zu wollen, sollte ich die Chance nutzen und kommen.“

Gut die Hälfte ihrer Klienten macht das alleine, die andere Hälfte kommt mit dem Partner. Die, die alleine da sind in ihrer Beratungsstunde, sagt die gelernte Lehrerin, seien zumeist gekommen, um für sich etwas zu sortieren. Für sich neue Möglichkeiten zu entdecken und eigene Entscheidungen zu finden. Ein Großteil kommt übrigens aus der Marktgemeinde und aus Poing, wenige aus den umliegenden Gemeinden.

Katja Eichin berät in Krisensituationen

Paarprobleme kommen in allen sozialen Schichten vor, heißt es. Zumeist käme sie aber bei ihr oberhalb der Mittelschicht und verbunden mit einem gewissen Bildungslevel zu Tage. „Die, die existenzielle Nöte haben, haben gar nicht den Kopf frei, sich Gedanken über ihre Beziehungsqualität zu machen“. Die kämen auch nicht in Paarberatungen. Dass die Ratsuchenden am Ende selber die Lösung finden, wäre aus Sicht der Beraterin der Idealfall. „Auf dem Weg dorthin begleite ich sie, ich höre aufmerksam und nicht wertend zu und frage interessiert nach“, erklärt Katja Eichin ihre Arbeitsweise. Beratung heiße für sie, Fragen zu stellen und zuzuhören. Einen Königsweg bei der Paarberatung gebe es nicht. Ziel müsse es daher sei, in einem ersten Schritt gegenseitiges Verständnis zu erzeugen. „Ich schaffe den Rahmen für einen Verständigungsprozess, in dem Sie beide Ihre Verärgerungen, Befürchtungen und Bedürfnisse mitteilen können.“

Das Zuhören spielt auch bei Einzelberatungen eine entscheidende Rolle. Krankheiten, Arbeitslosigkeit, psychische Probleme, Einsamkeit: Das alles können Ursachen für Lebenskrisen sein. Nicht selten auch gleich mehrere Faktoren. Katja Eichin: „Es kommt mir manchmal vor, dass die Menschen bei mir immer häufiger mehrere Probleme zugleich mit sich schleppen“.

Gesellschaft geht offener mit psychischen Problemen um

Noch auffallender sei, dass die Gesellschaft heutzutage deutlich offener mit solchen Problemstellungen umgehe als früher. „Wir reden allgemein mehr über die Probleme, und das ist gut so“, so die Fachfrau.

Sollten die Beratungen nicht ausreichen, gebe es noch immer therapeutische Möglichkeiten, deren Kosten in der Regel dann von Kassen übernommen.

Regelmäßige Fortbildung und Supervision gewährleisten die Qualität des Beratungsangebotes. Selbstverständlich ist die Beraterin an die Schweigepflicht gebunden. Manchmal ergeben sich neue Perspektiven schon nach einem Gespräch, manchmal sind auch mehrere Sitzungen nötig. Beides ist möglich. In Markt Schwaben legt man Wert darauf, dass auch kurzfristig Termine zustande kommen können und dass für die Beratung keine festen Honorare erhoben werden. Finanziert wird die Beratungsstelle übrigens durch Beiträge der Mitglieder des Diakonievereins, durch Zuschüsse der Evangelischen Kirchengemeinde und einiger Kommunen sowie durch Beiträge der Klienten nach Selbsteinschätzung.

Reden, sagt die Beraterin abschließend, sei immer ein Rezept, um Ehekrisen vorzubeugen. Reden schon dann, wenn die Probleme noch klein seien. Ohne das Reden seien die Differenzen zwischen Menschen schlichtweg nicht zu überbrücken. Reden heiße aber immer, eine ausgewogene Balance zu finden zwischen einem sich Erklären und zuhören.

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